zwei Leserbriefe

Juden und Christen

Die finstere Seite des Reformators;Leserforum 21. Oktober

Der zitierte Ausspruch Luthers „weg mit ihnen (den Juden)“ hat als Quelle zunächst dessen Ärger über erfolglose Bekehrungsversuche. Längst hatten sich allerdings in der Zeit gelegentliche Juden-Pogrome, aus den verschiedensten Vorurteilen betrieben, beinahe schon zur Gepflogenheit etabliert gehabt. Die tieferen Wurzeln von Judenfeindlichkeit wären tatsächlich bei den Evangelisten der Neuen Testaments und ihren Interpreten zu suchen: Sie hatten aus einem wohl von der Priesterschaft aufgestachelten Mob in Jerusalem die Juden werden lassen. Daraus pervertierten dann die Missionierungseiferer der Christen die Juden zu Gottesmördern – wovon sie im Übrigen erst das Zweite Vatikanische Konzil befreite! Eines sollte jedoch nicht übersehen werden: Die Gegnerschaft zu den Juden war zunächst nur religiös begründet, sie konnte quasi weggetauft werden. Rassistisch (also antisemitisch) wurde sie erst bei den Nationalisten und eskalierte im Wahn der Nazis zum industriell betriebenen Mordsystem.

Dietrich Kothe

Hohenfurch

Das Neue Testament ist nicht antisemitisch, sondern ein durch und durch jüdisches Buch – so wird es von vielen Juden beschrieben, die es gelesen haben. Es handelt von jemandem, dessen hebräischer Name Yeshua ist, seinen Taten und den Taten seiner Nachfolger. Was jedoch antisemitisch ist und wo der Antisemitismus der Großkirchen seinen Ursprung hat, ist das Konzil von Nicäa im Jahr 325 nach Christus, im Zuge dessen der Papst/Kaiser Konstantin eine Abwendung und Verfemung der hebräischen Ursprünge des Glaubens und auch des jüdischen Volkes/des Volkes Israel in der Kirche salonfähig machten. Diese Saat ging über die Jahrhunderte in zahllosen Verfolgungen, Pogromen und kirchlich gebilligten Diskriminierungen sowie Hass und Neid gegen Juden – bis heute – auf. Von diesem, und das ist in unseren Breitengraden ein hauptsächlich katholisch geprägter Antisemitismus – müsste die Kirche sich dringend distanzieren!

Anmerkung: Auch Hitler war ein „guter“ Katholik und beim damaligen Papst keineswegs unbeliebt. Und Luther hat in den Jahren seiner schulischen und theologischen Ausbildung als Priester diesen Antisemitismus wohl in sich aufgenommen. Es gibt jüdische Menschen, die die Meinung vertreten, Luther – in seiner antisemitschen Ansichten – wäre ein „Opfer des katholischen Antisemitismus gewesen. In der evangelischen Kirche zeigt sich diese Wurzel heutzutage in einer Empathielosigkeit sondergleichen gegenüber den Belangen jüdischer Menschen, leider. Die Wurzel aller Kirchenspaltungen ist im Übrigen die Abspaltung von der Wurzel unseres Glaubens, vom guten (hebräischen) Ölbaum, in den wir doch, laut Bibel, als Gläubige eingepfropft (und nicht abgespalten) sein sollten. Das schließt Feindschaft dem jüdischen Volk gegenüber aus.

Sara Heinrich

Egling

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Absolut unzureichend
Wolfgang Hauskrecht: Doppelverbeitragung fällt – allerdings nur teilweise; Im Blickpunkt 12. November
Absolut unzureichend
Zu Recht geehrt
Nadja Hoffmann: „Ich wüsste keinen würdigeren Preisträger; Bayern 29. Oktober
Zu Recht geehrt
Überangebot an Waren
Absolut unverzeihlich;Leserforum 11. November
Überangebot an Waren
Leonhardi-Brauch
PublikumslieblingeFritz und Fanni;Leserforum 8. November
Leonhardi-Brauch

Kommentare