Leserbriefe

Auch an die Wellnessberufe denken

Kathrin Braun: „Friseure können frühzeitig Krankheitssymptome erkennen“; Interview mit Helmut Markwort, Im Blickpunkt 3. Februar

Es ehrt Herrn Markwort, dass er sich für Friseure einsetzt, auch wenn ich seine Argumente ziemlich an den Haaren herbeigezogen finde. Denn, wenn die Arbeit von Friseuren therapeutisch zu sehen ist, gilt das in noch viel höherem Maß für die Arbeit von Wellnessmasseurinnen und Kosmetikerinnen. Wellnessmasseurinnen lösen muskuläre Verspannungen, und weil mit einer bequemen Massageliege, einem angenehmen Ambiente und mit Zeit für ein Gespräch der Mensch als Ganzes im Fokus steht, tragen sie auch noch zum seelischen Wohlbefinden der Kunden bei. Kosmetikerinnen mit guter fachlicher Ausbildung können Veränderungen an der Haut oder den Füßen der Kunden erkennen und diesen dann den Besuch beim Hautarzt empfehlen. Leider haben Wellnessberufe in unserem Land keine Lobby, weshalb sie auch nicht gehört werden. Wenn sich Herr Markwort also bei Herrn Aiwanger für Friseure einsetzt, sollte er das auch für Massage- und Kosmetikstudios tun.

Zielführender wäre allerdings, wenn die Politik nach einem Jahr Corona-Krise anfangen würde, den Herausforderungen mit differenzierten Maßnahmen zu begegnen (wer darf was, wann und mit welchen Hygienemaßnahmen), anstatt die vielen Soloselbständigen der Wellnessbranche in den Ruin und damit in die Arbeitslosigkeit zu treiben. Denn wenn man den Statistiken glauben darf, finden die meisten Infektionen im privaten Umfeld und nicht beim Friseur, der Kosmetik oder der Massage statt.

Ich empfinde es als Schlag ins Gesicht, wenn man mir sagt, dass mein Beruf nicht systemrelevant ist, nur dem Freizeitvergnügen dient und man mich mit einem Federstrich in eine nicht enden wollende berufliche Zwangspause schickt. Für Politiker mögen Massagen zum Freizeitvergnügen gehören, für mich ist es mein Beruf, mit dem ich Geld verdiene, um unter anderem meine private Renten- und Krankenversicherung bezahlen zu können. Etwas, das die Politik noch bis vor Kurzem als zwingend notwendig erachtet hat, damit Soloselbständige im Alter und Krankheitsfall abgesichert sind.

Monika Mangold (Wellnessmasseurin) Neuhaus/Schliersee

Auch interessant

Kommentare