Leserbriefe

Stadttauben und das Wohnungsproblem

Klaus Vick: Tierquälereiam Hauptbahnhof?;München 8. Oktober;Artgerechte Behandlung;München 10. Oktober

Die Wohnungssituation in München ist und bleibt problematisch. Dies ist unbestritten, kann aber keine Rechtfertigung dafür sein, den konstruktiven Lösungsansatz für das „Taubenproblem“ zu verunglimpfen und ins Lächerliche zu ziehen. Tatsächlich ist das Errichten von Taubenhäusern die richtige Lösung, die in anderen Städten bereits hervorragend umgesetzt wurde und sogar funktioniert. Frag’ nach zum Beispiel in Augsburg, Stichwort „Augsburger Modell“. Aber diese Mühe muss man sich natürlich machen.

Eva Krämer

München

Die Stadttaube ist ein Nachkomme der Haustaube, die von Menschen über lange Zeit zu verschiedenen Zwecken gezüchtet und gehalten wurde. Sie haben den Menschen also über lange Zeit ihren Dienst erwiesen.

Es ist inzwischen vielfach belegt, dass Tauben keineswegs die gefürchteten Krankheitsüberträger sind. Alle unerwünschten Nebenerscheinungen bekommt man sehr einfach durch gut geführte Taubenschläge in den Griff. Dort verbringen die Tauben circa 80 Prozent ihrer Zeit, fressen, koten ab, legen ihre Eier, die zur Regulierung der Population durch Attrappen ausgetauscht werden.

Renate Fuchs

Bichl

Ich stimme vollkommen mit Herrn Schleich überein, dass die Wohnsituation ein wirklich ernsthaftes Problem in München ist, das unbedingt politischer Beachtung bedarf. Was dies jedoch mit der Situation unsere Stadttauben zu tun haben soll, ist mir ein Rätsel.

Ich habe mich also gefragt, ob Herr Schleich vielleicht meint, dass, nur weil die Politik momentan keine Antwort auf ein Problem in unserer Gesellschaft hat, deshalb alle anderen Probleme ignoriert werden sollen? Das konnte ich aber nach kurzer Recherche zum Parteiprogramm der ÖDP München nicht als Antwort akzeptieren, da dieses sogar als Top Thema Nr. 2 „Lebenswert und bezahlbar Wohnen in München“ aufführt.

Auch der zweite aufgeführte Vergleich ist nicht stichhaltig: Es stimmt zwar, dass Stadttauben leider immer noch sehr oft als „Ratten der Lüfte“ bezeichnet werden und gemeinläufig als Krankheitsüberträger erachtet werden. Es ist jedoch längst hinreichend wissenschaftlich erwiesen, dass Tauben nicht mehr Krankheiten auf den Menschen übertragen als andere Haustiere.

Auch dass sich durch Reduzierung ihres Nahrungsangebots die Population der Stadttauben verringern ließe, ist falsch, da Stadttauben über Jahrzehnte hinweg als ehemalige Haustiere ein ganzjähriges Brutverhalten angezüchtet wurde, damit sich der Mensch, genau wie bei Hühnern, von ihren Eiern ernähren kann.

Verena Duschl

München

Bringen Sie uns zum Lachen und nicht zum Weinen, Herr Schleich! Vor einigen Monaten habe auch ich eine Eigenbedarfskündigung für meine Münchner Mietwohnung erhalten. Ich weiß sehr genau, was es heißt, überhöhte Mieten zu zahlen und nicht in der Lage zu sein, Geld für später zurückzulegen. Ich stimme mit Ihnen überein, dass München ein großes Wohnungsproblem hat, aber Stadttauben und Stadtwohnungen haben nichts miteinander zu tun! Ich bin mir sicher, dass weder das eine noch das andere ein wirkliches Problem für Sie darstellt.

Was jedoch ein Problem für Sie zu sein scheint, ist das Tragen einer Maske. Aber lassen Sie das doch nicht an den armen Tauben aus, die überhaupt nichts mit dieser Geschichte zu tun haben. Beziehen Sie nicht alles auf sich selbst, und lassen Sie Menschen mit Herz und Mitgefühl für ihre Umwelt ihren Angelegenheiten nachgehen!

Guillermo Leturio

München

Wenn Herr Schleich sich vorab die Mühe gemacht hätte, ein wenig zu recherchieren, wäre er mit Sicherheit auf die Aussage des ehemaligen Präsidenten des Bundesgesundheitsamtes (Prof. Dr. Dr. Großklaus) von 1989 gestoßen, der bereits damals explizit eine gesundheitliche Gefährdung durch Tauben für äußerst gering erachtete – was mittlerweile durch etliche Studien belegt wurde –, da die meisten Krankheitserreger der Tauben wirtsspezifisch sind und somit nicht auf den Menschen übertragbar. Dass Herr Schleich ferner die Stadttauben, die verwilderte Haustiere sind, mit Ratten vergleicht, zeugt ebenso von völliger Unkenntnis und Ignoranz des Autors. Wie in unserer Stadt bedauerlicherweise nicht selten mit Mietern umgegangen wird (hierzu bringt Herr Schleich ein drastisches Beispiel), hat mit dem Elend der Tauben nichts zu tun und ist ein gänzlich anderes Thema, dem sich im Übrigen die von Herrn Schleich zu Unrecht geschmähte ÖDP in ihrem umfangreichen Parteiprogramm ebenfalls widmet und hier Abhilfe schaffen möchte.

Manuela Herzog

München

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