AWO-Leitbild: Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit

Ist Religion Privatsache?; Leserforum 17./18. März, Janine Tokarski: Falsch verstandene Toleranz; Kommentar, Armin Rösl: Kindergarten lässt Ostern ausfallen; Bayern 16. März

Wir können nur mit dem Kopf schütteln über die angezettelte Diskussion über eine nicht stattfindende Osterfeier in unserem Kinderhaus Villa Drachenstein. Ja angezettelt von einer Person. Denn von den verteilten circa 100 Elternbriefen mit den Erklärungen, dass anhand des ausgehängten Kalenders der Kulturen in diesem Jahr die Einrichtung, die einen freien Träger hat, einmal Feste von anderen Kulturen feiert, gab es genau zwei Beschwerden. Und auf einmal kurz vor Ostern ist dies, dem christlichen Kalender sei Dank diesmal nahe dran, St. Patricks Tag aus Irland (der war im Übrigen ein christlicher Heiliger) ein Riesenthema. Für wen eigentlich? Die Kinder – nein, den Träger – nein, die Erzieherinnen und Erzieher – nein, die meisten Eltern – nein, ja für wen denn sonst? Hier wird etwas instrumentalisiert, bei dem leicht der Verdacht aufkommt, es wolle sich jemand bekannt machen und/oder eine mögliche Stimmung in der Öffentlichkeit ausnützen. Denn die Frage, wer die Presse und die Öffentlichkeit eingeschaltet hat, ist noch nicht beantwortet. Wir stehen hinter dem Leitbild des Trägers AWO: Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit. Und wir stehen auch hinter der Leitung und dem Team des Kinderhaus Villa Drachenstein. Dort wird eine tolle, weltoffene und an den Kindern orientierte Arbeit geleistet. Die Kinder würden, wenn sie das alles verstehen könnten, die Köpfe schütteln und staunen. 

Katrin Fink stellvertretende Vorsitzende des Elternbeirats des Kinderhauses 

Damit die gewohnte Ostereiersuche nicht komplett ausfällt, wird das AWO-Kinderhaus in Markt Schwaben stattdessen nach Goldschätzen der Kobolde suchen lassen und nach Meinung der Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt des Kreisverbandes Ebersberg hat Religion zuhause bei den Eltern stattzufinden. Die Eltern sind geschockt, der Pfarrer ist „verwundert“ und ich kann nur sagen, Feste wie Ostern, Weihnachten oder nur St. Martin, verbunden mit alten Traditionen in unserem christlich geprägten Abendland, sollten gepflegt werden. Nur wenn wir unsere Kultur leben, können wir von unseren ausländischen Mitbürgern Respekt erlangen, sonst ist uns Spott und Häme sicher – und das verdient. Unsere ausländischen Mitbürger leben ihre Kultur und Traditionen auch und das ist gut so. Herr Pfarrer Walter hat schon Recht, wenn er sagt: „Das zeigt, dass es nicht die Ausländer sind, die unsere Kultur kaputtmachen, sondern wir selbst“ – und in diesem Fall die Arbeiterwohlfahrt. Meine Spenden für die AWO sind garantiert ab sofort gestrichen! Leider ist es heute schwer, einen Kitaplatz zu bekommen, und man ist froh, überhaupt einen zu haben, sonst würde ich mein Kind sofort aus so einer Einrichtung wie hier in Markt Schwaben nehmen. 

Irene Baumgartner München

Die AWO-Kindertagesstätte muss sich an das bayerische Kindergartengesetz halten, in welchem die Vermittlung von Brauchtum und Religion als Bildungsauftrag für die Elementarerziehung verankert ist. Ich selbst habe 8 Jahre als Praxis- und Methodenlehrerin Kinderpflegerinnen ausgebildet, und im Lehrplan für diesen Fachbereich ist das Brauchtum im Kirchenjahr und religiöse Bildung enthalten. Während meiner Erzieherausbildung mussten wir in Gruppenarbeit einzelnes Brauchtum erarbeiten, aber das ist 40 Jahre her. Wie sieht das heute in der Erzieherausbildung aus? Ich meine, dass die besagten Erzieherinnen sich selbst nicht sehr gut in Sachen Brauchtum und Religion auskennen (aber dazu gibt es bestimmt Fortbildungen). Je weniger ich mich mit etwas auskenne, desto leichter ist es für mich, dies vom Tisch zu wischen. Gerade im Elementarbereich haben die pädagogischen Fachkräfte spielerisch die Möglichkeit, den Kindern unser Brauchtum näherzubringen. Ich verstehe das Team der AWO-Kindertagesstätte nicht, denn auf der einen Seite lehnen sie das Osterfest ab, aber auf der anderen Seite möchten sie einen irischen Heiligen verehren, das ist doch heuchlerisch. Unsere Kinder müssen erst mal die eigene Kultur und deren Brauchtum kennenlernen, um sich danach auf eine andere Kultur einstellen zu können. Dazu sind Kinder laut Pädagogik und Psychologie erst etwa ab dem Alter von 10 bis 12 Jahren fähig und bereit. Wenn wir uns nicht mehr mit unserer Kultur und unseren Bräuchen befassen, werden wir kulturlos und somit leicht manipulierbar. 

Hannelore Zetzl Warngau

Als langjährige Kindergartenleitung und auch als AWO- Mitglied seit fast 30 Jahren habe ich den Bericht mit Entsetzen gelesen. Hat es noch nicht gereicht, dass manche Einrichtungen das St. Martin- Fest gegen Sonne-, Mond- und Sterne-Feste austauschten, jetzt wird das wichtigste religiöse Fest unseres Kulturkreises mit der Aussage:Religion hat zuhause stattzufinden, negiert. Ich empfehle der AWO einen Blick in den bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan. Hier wird in Kapitel 7 das Thema Werteorientierung und Religiosität ausführlich dargestellt. Ethische und religiöse Bildung und Erziehung finden wir auch in unserer Verfassung Artikel 107 Absätze 1 und 2. Bei aller Unterschiedlichkeit der Wertvorstellungen und religiösen Traditionen müssen Kinder die Möglichkeit haben, die christlichen Feste des Landes, in dem sie leben, im Jahreskreis zu erfahren. Das schließt nicht aus, anderen Religionen und Wertvorstellungen Raum zu geben. Ganz im Gegenteil. Wer in seiner Kultur verankert ist und deren Werte schätzt, dem ist es auch möglich, Unbekanntes zu erschließen, zu respektieren und zu achten. Eigentlich eine gute Voraussetzung für ein tolerantes Miteinander aller Menschen. 

Eva Bönig Freising

Am 13. Dezember 1919 gründete Marie Juchacz (1879-1956), die Mitglied der Nationalversammlung war, die AWO als Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt in der SPD. In den letzten Monaten konnte man mehrfach das ehrliche Bekenntnis von hochrangigen SPD Mitgliedern, wie auch Katharina Barley hören, dass die SPD nicht in erster Linie das Wohl Deutschlands verfolgt sondern das der Internationale. Mit dem abschaffen der christlichen Traditionen soll die deutsche Identität abgeschafft, oder doch zumindest in den Hintergrund gedrängt werden und die Kinder gezielt in eine Gemeinschaft der „Internationale“ gesteuert werden. 

Walter Herzog Otterfing

Warum lassen sich die Eltern das gefallen, dass in dem Kinderhaus Villa Drachenstein in Markt Schwaben, wozu zwei Kindergarten- und zwei Hortgruppen gehören, dieses Jahr nicht das Osterfest sondern der irische St. Patrick’s Day gefeiert wird? Auch wenn in dieser Einrichtung der „Kalender der Kulturen“ Grundlage für die Erziehung der Kinder ist, so ist Ostern zusammen mit Weihnachten das wichtigste Fest der Christenheit in unserem christlich und jüdisch geprägten Deutschland und schon gar bei uns in Bayern. Ganz abgesehen davon, dass die Kinder großen Spaß daran haben, Ostereier suchen zu dürfen, wofür sie vielleicht sogar die Nesterl in der Vorosterzeit gebastelt haben, glaube ich, dass die Kinder sicher ganz gespannt auch der biblischen Geschichte über Ostern zuhören würden. Die Einstellung der Geschäftsführerin des Kreisverbandes Ebersberg der Arbeiterwohlfahrt, Frau Ulrike Bittner, finde ich verheerend. 

Ingrid Fürst München

Mit dem Wort Jahresendflügelfigur sollte ein christlicher Begriff mit einer sozialistischen Hülle versehen werden. Darüber haben wir vor ca. 3 Jahrzehnten nur gelacht. Das Lachen ist mir aber vergangen, als ich las, dass der AWO-Kindergarten in Markt Schwaben das Osterfest heuer ausfallen lässt. Die AWO ist auch in Germering in der Kinderbetreuung aktiv. Derartiges ist mir von der hiesigen AWO nicht bekannt. Es stellt sich für mich die Frage, wie die Kinderbetreuer in Markt Schwaben auf solche Gedanken kommen. Ist es eine stramm sozialistische Haltung oder sollen die Kinder dort als Atheisten erzogen werden? Wenn keine christlichen Werte wie z.B. die Nächstenliebe vermittelt werden sollen, dann ist zu fragen, welche Werte dann. Es ist schon zu unterscheiden zwischen einer reinen Glaubensvermittlung und Erziehung zur Menschlichkeit. Bisher sollten die Eltern und der Kindergarten eng zusammenarbeiten. Wenn die Religion bei den Eltern zuhause stattfinden soll, sind die Kinder in einem Zwiespalt. Entweder wird die Autorität der Eltern oder der Kinderbetreuer untergraben. Auch die Abkehr vom bayerischen Brauchtum, wie dem Ostereiersuchen und dessen Ersatz dem Suchen nach Goldschätzen der Kobolde halte ich schlicht für hirnrissig. Ich hoffe, dass in Markt Schwaben die Eltern auf andere Kindergärten ausweichen können. Kinder sollten Betreuerinnen mit einer derartigen religionsfeindlichen Einstellung nicht ausgeliefert werden. 

Johann Höckenreiner Germering

Die Doktrin des Sozialismus fordert, dass Eltern die Kindererziehung den professionellen Pädagogen überlassen sollten, weil die es angeblich besser können. In diesem Sinne will nun die Dame von der AWO die Werte vermitteln, derentwegen „die Menschen Feste feiern“. Das Osterfest beispielsweise nicht wegen der bekannten biblischen Ereignisse, sondern wegen des Osterhasen. Wenn sie die Feste anderer Völker mit ähnlicher Infantilität vermittelt, dann handelt es sich bei ihr nicht um interkulturelle Toleranz, sondern um Banalisierung jeglicher Kultur. Den Eltern wird es so nicht erspart bleiben, ihren Kindern neben der Religion auch wieder Werte und Kultur selbst zuhause zu vermitteln.

 Mathilde Laner Ebersberg

Nach dem heutigen Artikel über das Kinderhaus „Villa Drachenstein“ in Markt habe ich doch nun das Bedürfnis mich einmal zu Wort zu melden. Vor 6 Jahren übernahm die AWO in Markt Schwaben die genannte Einrichtung, die ich bis dahin 10 Jahre geleitet habe. 10 Jahre war es dort möglich, dem damaligen Träger, Herrn Bürgermeister Bernhard Winter sei Dank, gesellschaftliche und christliche Werte zu leben und den Kindern vermitteln zu dürfen! Wir als Team hatten gute Kontakte zur evangelischen sowie zur katholischen Kirche, alle unsere anders gläubigen Eltern waren bei unseren Oster- oder Weihnachtsfeiern dabei und genossen die feierliche Atmosphäre genauso wie wir Christen. Auch Besuche in einer Moschee waren für uns „normal“. Die Kinder in der heutigen Zeit haben Fluktuationen nicht nur durch wechselndes Personal in Kindereinrichtungen zu verkraften, auch daheim leben sehr viele in Patchwork Familien oder bei allein erziehenden Elternteilen. Warum lässt man den Kindern nicht wenigstens die Möglichkeit in der heutigen Zeit, „unsere“ gesellschaftlichen Rituale kennenzulernen und mit der Gruppe gemeinsam zu erleben? Ich war als Erzieherin und Leitung immer für Neuerungen und wechselnde Aktionen und Projekte im Kindergartenalltag offen. Aber bei Festen aus fremden Ländern zu Zeiten, in denen in unserer Heimat nun einmal das Osterfest gefeiert wird, sollte man den Kindern auch den Hintergrund dieses Festes erklären können. Ist es vielleicht schon so, dass man eher den Hintergrund des „St. Patricks Day“ „googelt“, weil man den Sinn des Osterfestes selber nicht mehr kennt? Oder will man, wie zeitweise trotzige Kinder, auf besondere Weise auffallen, egal ob positiv oder negativ, wie Herr Pfarrer Walter schon feststellte: typisch AWO! Ich kann mir auf jeden Fall nicht vorstellen, dass jemand in Irland auf die Idee kommt, zur Zeit des „St. Patrick Days“ einen Maibaum aufzustellen, weil sie unsere Tradition so interessant finden! Liebe Eltern der „Villa Drachenstein“, freut Euch an St. Martin schon einmal auf ein Fest mit künstlichen Kerzen und modernen Lampen, oder auf eine Discofeier zu Weihnachten, es soll ja fröhlich zugehen! Mich macht die Art, wie ein bekannter Träger solch eine widersprüchliche Aktion auch noch zu verteidigen sucht, nachdenklich und traurig. Ich hoffe, das die Kinder dieser Einrichtung die Gelegenheit haben, mit Menschen zusammen zu sein, die Ihnen auf emphatische Art und Weise die Grundlagen des Osterfestes nahebringen können. Fest steht, diese Trägerschaft schafft es leider nicht! 

Dagmar Vollmer ehemalige Leitung der „Villa Drachenstein“ und jetzige Leitung eines Schulkindergartens, Ottenhofen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Agrarwende nötig
Wunderschöne Blühwiese; Leserforum 8. Juni
Agrarwende nötig
Zwist zwischen Schwesterparteien
CSU setzt Merkel 13 Tage Frist; Titelseite, Georg Anastasiadis: So viel Krise wie nie; Kommentar, Maximilian Heim: „Keine Lösung in der Sache“, Interview mit Christian …
Zwist zwischen Schwesterparteien
Drei Kinder sind genug
Weltweite Geburtenkontrolle; Leserforum 15. Juni
Drei Kinder sind genug
Nicht besorgniserregend
Wir müssen handeln; Leserforum 18. Juni
Nicht besorgniserregend

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.