Leserbriefe

Verfehlte Reaktivierungspolitik

Dirk Walter: Wenn die Eisenbahn nicht mehr fährt;Bayern 7. November

Das ist ja nun wohl die schlechteste Ausrede der Bayerischen Staatsregierung für ihre verfehlte Reaktivierungspolitik, die mir je untergekommen ist: Die zu reaktivierenden Strecken seien allesamt Dieselstrecken, und deshalb verbrauche ein Dieselzug wesentlich mehr und setzte mehr Abgase frei als ein Dieselbus. „Der Bambus wächst im fernen Osten, der Bahnbus fährt geringe Kosten“, mit diesem Kinderspruch warb schon in den 50er-Jahren die noch junge Bundesbahn für eine damals schon beginnende Stilllegungspolitik, der in den folgenden Jahrzehnten fast ein Drittel des bundesdeutschen Schienennetzes zum Opfer fallen sollte.

Während in anderen Ländern wie Baden- Württemberg heute zahlreiche Strecken wieder mit großem Erfolg reaktiviert werden, setzt man auch in Zeiten des Klimawandels in Bayern auf bewährte Sprüche und Argumente aus der Mottenkiste von nahezu 60 Jahren verfehlter Verkehrspolitik. Dabei ist bewiesen, dass man mit einem Busverkehr keinerlei Umsteiger vom Auto auf den öffentlichen Verkehr gewinnen kann. Mit dem Bus fährt nur derjenige, der unbedingt muss, weil er kein Auto zur Verfügung hat. Nicht von ungefähr gibt es auf vielen ehemaligen Schienenrelationen, die seinerzeit auf Busverkehr „umgestellt“ wurden, nicht einmal mehr diesen.

Und apropos Diesel: Die Strecke der „Fuchstalbahn“ Landsberg-Schongau wurde mit vielen anderen schwäbischen Strecken bis zur Einstellung des Personenverkehrs im Jahre 1986 sehr wohl elektrisch betrieben. Und das ganz ohne Fahrdraht! Seit den 1910er-Jahren gab es bei der Bahn nämlich schon Akkumulatortriebwagen. Die letzten Exemplare davon, die Baureihe ETA 515, wurden 1990 ausgemustert. Diese Technik schob man damals bewusst aufs Abstellgleis und entwickelte sie nicht weiter, da sie angeblich zu teuer war und man an den Nebenstrecken und am Regionalverkehr an sich sowieso kein Interesse mehr hatte.

Heute wäre die Hybridtechnik so weit, diese Strecken auch ohne teure Elektrifizierung umweltfreundlich zu betreiben. Aber auch hier verschläft man in Bayern die Entwicklung! Beispiel Bayerisches Oberland: Hier wäre ein Mustereinsatzgebiet für Züge, die bis Holzkirchen unter Fahrdraht verkehren und dann nach Bayrischzell, Tegernsee und Lenggries mit Akku weiterfahren. Stattdessen finanziert man der BOB jetzt neue Dieselzüge, um dann in zehn Jahren irgendwann einmal die sündteure, eigentlich unnötige und betrieblich fatale (Stichwort Schneebruch) Elektrifizierung zu realisieren.

Alexander Bauer

München

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