Liebe zum Dialekt

Mit weiß-blauem Herzblut; Leserforum 23. Februar, Bairisch reden; Leserforum 22. Februar, Dirk Walter: Professoren wollen Bairisch retten; Titelseite, Bedrohtes Bairisch; Kommentar, Stefan Sessler und Dirk Walter: Da bin i Bayer, da derf i’s sein!; Im Blickpunkt 21. Februar

Der Artikel erinnerte mich an meine Zeit an der TU München Mitte der 80er Jahre: Für mich überraschend, bestand ich die Prüfung in einem Nebenfach nicht, obwohl ich in diesem Fachgebiet ein gutes Abitur geschafft hatte. Der Versuch, hinter die Ursachen für den Misserfolg zu kommen, führte zu folgender Aussage meines Professors: „Wenn man mit Ihnen spricht, merkt man, dass Sie mit der Sprache Schwierigkeiten haben. Als gebildeter Mensch sollten Sie jedoch wissen, dass die Sprache das Werkzeug des Denkens ist.“ Anlass für diese Unverschämtheit war, dass ich - in München geboren und aufgewachsen - Bayerisch sprach. Die aktuelle Forderung von Professoren nach mehr Bayerisch ist zu begrüßen. Hoffentlich finden sich viele Studenten und Professoren, die mitmachen und hierbei von Anderen akzeptiert werden. 

Reinhard Mende Penzberg

Mein großer Enkel (20 Jahre) ging vor 17 Jahren in einen kleinen Dorfkindergarten (hauptsächlich Einheimische) und ab diesem Zeitpunkt spricht er kaum noch Bairisch ,obwohl beide Elternteile mit ihm gepflegten oberbairischen Dialekt redeten. Auf meine Nachfrage einige Jahre später: Ob er nicht Bairisch reden will, antwortete er: „Wenn i mog, dann scho.“ Meine beiden kleineren Enkel 6 und 3 Jahre sprechen nur noch Hochdeutsch (geschuldet wahrscheinlich den Zuzügen im Dorf). Auch bei den Beiden sprechen die Eltern bairisch. Ich spreche konsequent bairisch,sie verstehen alles ,geben aber nur Antwort auf Hochdeutsch. Kann mich noch sehr gut an meine Kinder und Schulzeit im Bayrischen Wald erinnern,wir sprachen nur Hochdeutsch im Deutschunterricht oder wenn wir feine Damen und Herren spielten,ansonsten wurde zuhause der Dialekt gepflegt ,obwohl unser Vater seinen sudetendeutschen Dialekt nie abgelegt hat. Ist es vielleicht noch immer so, man meint man sei was besseres wenn man Hochdeutsch spricht und seine Muttersprache vernachlässigt? Kein anderes Bundesland verleugnet seinen Dialekt so wie wir in Baiern. 

Heidi Höfer Grafing

Beim Lesen des Dialogs zum bayerischen Dialekt, u. a. der Hinweis von Sigrid Blum, fällt mir wieder die Unterhaltung einiger Münchner Kollegen ein. Sie tauschten div. Ausdrücke oder Redewendungen für einen bestimmten Begriff aus verschiedenen Münchner Stadtteilen, aus. Da saß Giesing, Schwabing, Milbertshofen, Schlachthofviertel usw. am Tisch, dabei kam ein witziges Puzzle zusammen. Man kann also nicht sagen: „Das muss so heißen“, Punkt. Sicher ist das auch im übrigen Oberbayern so. Westlich des Ammersee kann man bereits auf das „sch“, statt „s“, wie im Schwäbischen treffen, trotz dem eindeutig oberbayerischen Dialekt. Auch die Sprachmelodie kann verschieden daher kommen. Selbst wenn kein Dialekt gesprochen wird, ist der Südbayer in Franken, an seinem Singsang sofort erkannt. Am Ende waren sich dann alle einig, dass die Herkunft aus den div. Vierteln nur noch selten zugeordnet werden kann. 

Gisela Schinnerer Gilching

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