Fünf vor zwölf

Boarisch is Hochdeitsch; Leserbriefe 22. Februar

Leida is scho fünf vor zwölf! Wia mia vor 35 Jahr nach Anzing kemma sand, wurden unsere Töchter eingeschult. Schon damals durften sie in der Schule ned boarisch reden laut Anordnung vom damaligem Schuldirektor, weil sonst die Kinder die deutsche Sprache nie lernen. Inzwischen sind auch die Schulbehörden schlauer geworden und mussten erkennen, dass der bairische Dialekt sogar die Bildung fördert. Siehe an, welch tolle Erkenntnis! Nun geht unser Enkel in den Kindergarten und kommt nach Hause und sagt, Opi kuck mal, was da ist! Wenn i des hör dann drahts ma meine Zehanägl auf. Da Enkl sagt im Kindergarten, er muss aufs Klo, dann sagt die Tante zu ihm, das heißt nicht Klo, sondern Toilette! Ja wenn schon den Kleinen das Wort im Munde umgedreht wird, wird den bairischen Dialekt niemand retten. Solange das meiste Personal hochdeutsch redet im Kindergarten und in der Schule, wird der bairische Dialekt nicht zu retten sein. Oiso muaß des Personal boarisch leana, wei insare Kinda kennans ja! 

Hubert Pirchmoser Anzing

Am Stürzer Toni dankschee für den guadn Lesabriaf, no dazua in so an scheena Bairisch - und dankschee dem Münchner Merkur fürs Obdrucka. Weil ich eigentlich fast dasselbe sagen wollte, könnte ich mir diesen Brief also sparen. Aber ein bissl nachtarocken will ich doch. Wann sich der falsche Begriff „Hochdeutsch“ bei uns eingeschlichen hat, weiß ich nicht. Jedenfalls hat man doch immer gesagt: „der spricht nach der Schrift“ oder „der redd noch da Schreibe“ und diese Bezeichnung war sicher im Sinne des Erfinders, da dieses Schriftdeutsch ursprünglich wohl nur für den schriftlichen Ausdruck gedacht war. Es gibt aber noch eine zweiten Grund - neben dem Geographischen - warum „Hochdeutsch“ die richtige Bezeichnung für Bairisch ist: die Bairische Sprache hat sich doch aus dem Mittelhochdeutschen entwickelt. Deshalb - und aus verschiedenen anderen Gründen - kann sie auch als Sprache bezeichnet werden und innerhalb dieser Sprache gibt es halt viele Dialekte. Ein bissl lustig waren aber doch die Beiträge vom MM zum Tag der Muttersprache: eine Seite Beispiele von Menschen, die spaßeshalber Bairisch reden, aber eine andere Muttersprache haben und eine Frau aus Bayern, die in Berlin lebt und ihre Muttersprache eigentlich fast nicht mehr spricht. Da muss ich dem Stürzer Toni auch noch recht geben, dass es gut und notwendig wäre, wenn der Münchner Merkur solche Aufklärungen über unsere Muttersprache bringen würde. Mein besonderer Wunsch - auch im Namen vieler Kollegen - wäre natürlich, wenn unsere Zeitung so eine „Bairische Seite“ wieder beleben könnte. Diese Seite war wirklich bei vielen Lesern sehr beliebt und das allerbeste Sprachrohr für unsereinen. In der heutigen Zeit würde es auch die Wichtigkeit unserer Muttersprache besonders hervorheben. 

Sieglinde Ostermeier Freising

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