Feuer in Rosenheim: Container brennen lichterloh

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Bauern, Verbraucher und die Politik

Schüttelreime à la Hendricks; Leserbriefe 7. Februar, Claudia Möllers: Niveaulos; Kommentar, Claudia Schuri: Neue Bauernregeln erzürnen Bauern; Bayern 6. Februar

Als Bauer kann ich über so eine plumpe und dümmliche Aktion wie die neuen Bauernregeln von Bundesumweltministerin Hendricks eigentlich nur lachen. Dass sie damit aber versucht, einen Keil zwischen uns Bauern und unseren Verbrauchern zu treiben, ist an Unverschämtheit nicht zu überbieten. Wir können das Blatt drehen und wenden wie wir wollen, aber auch wir Bauern unterliegen wirtschaftlichen Zwängen, und können in unserer globalisierten Welt nur dass verkaufen was der Markt von uns verlangt. Sind unsere Kartoffeln zu klein, werden die Pommes zu kurz und keiner will sie haben. Hat unser Weizen zu wenig Eiweiß, will ihn keine Mühle und ich kann ihn nur als Futtermittel vermarkten. Beschließt unsere Regierung den Atomausstieg und setzt auf regenerative Energiegewinnung, finden das alle toll, bauen und betreiben wir Bauern dann die staatlich geförderten, weil sonst nicht rentable Biogasanlagen, werden wir für die Auswirkungen verantwortlich gemacht. Frau Hendricks träumt von krähenden Hähnen auf dem Misthaufen. So so, und wer will in seiner Nachbarschaft heute noch einen stinkenden, mit hunderttausenden Fliegen besiedelten Misthaufen auf dem ein Hahn die vergönnte Sonntagsruhe stört? Diesem schizophrenen Verhalten sind wir schutzlos ausgeliefert, da es in einer bestimmten Gesellschaft leider modern geworden ist, über unseren gesamten Berufsstand herzuziehen, ohne die Hintergründe zu kennen. Jeden Tag sterben landwirtschaftliche Betriebe, weil sie dem enormen Druck, finanziell und gesellschaftlich nicht mehr standhalten können. Wer hindert Frau Hendricks und ihre Gefolgsleute eigentlich daran, diese Betriebe zu erwerben und uns umweltverschmutzenden und gesellschaftsschädigenden Landwirten endlich zu zeigen wie vernünftige Landwirtschaft, ohne staatliche Hilfe, mit einem vernünftigen Betriebseinkommen funktioniert. Aber es ist halt doch einfacher die viele Arbeit an 365 Tagen im Jahr die dummen Bauern machen zu lassen und über sie zu schimpfen. Doch es ist noch nicht alles verloren, denn ein großer Teil unserer Bevölkerung achtet unsere Arbeit und unseren Berufsstand und ist sich bewusst dass wir noch nie so hochwertige Lebensmittel, unter so guten Bedingungen für Mensch und Tier erzeugt haben wie heute. Diesen Verbrauchern ein herzliches Dankeschön. Hier noch meine neue Bauernregel: Ängste schüren und Zwietracht säen, wir Bauern werden bleiben, Frau Hendricks wird gehen. 

Georg Huber Landwirt, Puchheim

Unsere Bauern erweisen sich als humorlos. Da findet endlich mal eine lustige Kampagne statt, die einen zum Schmunzeln bringt und somit auch wahrgenommen wird, und die Bauern reagieren mimosenhaft. Nicht nur die Bauern, sondern natürlich auch Opposition und Bauern-Verbände. Ich selber sehe keine Diffamierung in diesen flapsigen Sprüchen. Im Umkehrschluss könnte ich mich als Städter von manchen Bauernweisheiten auch veräppelt fühlen, zum Beispiel durch den Ausspruch „Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist!“ 

Dagmar Velonavy Freising

Dem Kommentar von Claudia Möllers kann ich nur zustimmen. Es mag in der Landwirtschaft vieles im Argen liegen, aber einen ganzen Berufszweig mit dummen Sprüchen zu beleidigen, das ist tatsächlich niveaulos. Denken wir bitte alle an das Gedicht von Chamisso: „Denn wäre nicht der Bauer, so hättest du kein Brot.“ 

Edith Lutz Markt Schwaben

Seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland hat es noch keinen Amtsinhaber eines Ministeriums gegeben, der 1,5 Millionen Euro Steuergelder vergeudet, um einen Berufsstand zu verhöhnen und der Lächerlichkeit preiszugeben, welcher auch in Krisenzeiten dafür verantwortlich steht, wohlgemerkt die deutsche Bevölkerung mit Lebensmitteln zu versorgen! Frau Barbara Hendricks (SPD) erlaubt sich das. Ihre Partei, die gerne nach den in diesem Jahr anstehenden Wahlen, die Regierungsmehrheit erringen möchte, unter einem Kanzler Martin Schulz, die Geschicke der Bundesrepublik Deutschland zu leiten, sollte sich schleunigst trennen, von einer Politikerin, die für das ihr anvertraute und verantwortungsvolle Amt, weder charakterlich, noch fachlich qualifiziert ist. Auch Landwirte wissen, Wahltag ist Zahltag. 

Waltraud Huber Peiting

Wieso eine Diskussion um den Bauernstand? Das Geniale an der umwelt-amtlichen Sprücheklopferei ist, dass sie mehr an Diskussion und mehr Bewusstseinsmachung ausgelöst hat, als drei oder vier sogenannte seriöse Denkanstöße. Wenn sich durch das Schwein auf einem Bein der normale Bauernstand vors Schienbein getreten fühlt, wieso? Muss sich denn nun der Bauernstand dafür verantwortlich fühlen oder die Massentierhalter? Sicherlich ist es für die schnellere Amortisation der Grundkosten besser, sie auf höhere Stückzahlen zu verteilen. Aber: höhere Stückzahlen bringen auch einen höheren Konkurrenzdruck durch das Massenangebot. Und da beißt sich das Schwein (auf einem Bein) in den Schwanz! Wohin mit den Überschüssen? In den Export zulasten der Schwellenländer? Und dann produziert die Massenproduktion logischerweise auch Massenabfall. Nach der Regel: „Wer nie Nitrat auf Wiesen brachte, weiß nicht, wie da die Umwelt lachte“. Es ist halt alles eine Sache von Maß und Ziel. Zur Entschärfung der Diskussion könnte man die entsprechende Bauern-Regel auch in eine Landwirtschafts-Minister-Regel umtaufen: „Steht das Schwein auf einem Bein, kann das nicht wohl das Tierwohl sein.“ 

Hans Jürgen Menge Rottach-Egern

Leider hat sich Frau Hendricks mit ihrer Plakatierungs-Kampagne wieder einmal die Schwächsten herausgesucht. Das ist immer am einfachsten. Für mich ist vollkommen unklar, wer oder was mit der Plakataktion in den 70 Städten erreicht werden soll? Die Bauern ja wohl nicht, sonst müsste auf dem Land plakatiert werden? Geht es darum, Verbraucher gegen Bauern aufzuhetzen? Den Anschein hat es! Aber was soll damit erreicht werden? Die wirklichen Umweltproblem geht Frau Hendriks nicht an, da sie nicht in ihr SPD-Parteiprogramm passen! Wo bleibt zum Beispiel eine Plakataktion zu den Betrügereien des VW-Konzerns bei den Abgasmessungen? Wo findet man Plakate gegen die Umweltverschmutzung durch Kohlekraftwerke? Wenn man die Leserbriefe der „besorgten Bürger“ zu dem Thema liest, kann man nur noch den Kopf schütteln. 98% unserer Mitbürger wissen, wie Landbewirtschaftung oder Tierhaltung „geht“! Obwohl sie noch nie Getreide gesät, Rinder, Schweine oder Geflügel großgezogen haben. Nur die 2 % der Bevölkerung, die Landwirte, die dafür ausgebildet wurden, teilweise sogar studiert haben, 365 Tage im Jahr mit ihren Tieren zusammenleben und ums Überleben ihrer Betriebe kämpfen, die haben kein Ahnung von Ackerbau und Tierhaltung! Alle wollen den 20 ha Familienbetrieb mit zwanzig Kühen, fünf Schweinen, zehn Hühnern. Selbstverständlich dürfen alle Tiere ganzjährig auf die Weide. Aber keiner will es bezahlen! Beinahe hätte ich es vergessen: Diese Weiden und die Tiere müssen natürlich gleichzeitig auch für die freilaufenden Hunde der Spaziergänger, zum Jagen und für deren Häufchen, zur Verfügung stehen. Ebenfalls kostenlos! Nirgends auf der Welt werden die Landwirte so stark überwacht und Lebensmittel so intensiv kontrolliert wie bei uns in Deutschland. Gleichzeitig werden bei uns die Lebensmittel ganzjährig und in einer Vielfallt, mit höchster Qualität zu niedrigsten Preisen, angeboten wie auch sonst nirgends auf Welt! Diese Stimmungsmache von Frau Bundesministerin Hendricks bewegt gar nichts. Weder für die Bauern noch für die Verbraucher. Das Geld hätte mit einer Marketingaktion für bäuerlichen Selbstvermarkter allen etwas gebracht. Schade! 

Martin Lechner Straußdorf

Leider erreichen meine gereimten Gedanken nicht das Niveau der geistigen Ergüsse eines hochdotierten Umweltministeriums. Die große Sorge um das Verprassen unserer Steuergelder jedoch hat mich nicht ruhen lassen: Sesselpupsen? Unmodern! Wir Beamte dürfen dichten! Ja, Frau Hendricks, das tun wir gern! Die Deutschen, das Volk der Denker und Dichter! Barbara gehört auch dazu, intellektuell aber bodenlos schlichter. Leitende Funktion im Umweltministerium, zwischen 2. Frühstück und Mittagessen. Die produktive Zeit ist um! Halt, die verlangte Bauernregel hätt’ ich fast vergessen! 

Ali Klühspies Peißenberg

Mit dieser Kampagne beleidigen Sie, hunderttausende bäuerliche Familien, beleidigen ihre Arbeit, die 365 Tage melken, ihre Tiere füttern, damit die Bevölkerung hochwertigste Nahrungsmittel zu niedrigsten Preisen erwerben kann. Ich fordere Sie, die Verantwortlichen, Sie Frau Ministerin auf, sich bei den bäuerlichen Familien für die Beleidigungen zu entschuldigen und von Ihrem Amte zurückzutreten! 

Andreas Dachs Nebenerwerbslandwirt, Gaißach

Oft folgt der Münchner Merkur in wohltuender Weise gar nicht dem dumpfen „mainstream“, aber dieser Kommentar tut es leider doch. Claudia Möllers wirft Frau Ministerin Hendricks unter anderem vor, gegen die Landwirtschaft pauschal Stimmung zu machen. Frau Hendricks hat an keiner Stelle pauschalisiert, sie hat unerträgliche Missstände aufs Korn genommen. Das ist notwendig. „Wenn man sich über den wichtigsten Gesprächspartner lustig macht, sind weitere Gespräche zum Scheitern verurteilt“, schreibt sie am Schluss. Welch eine Verdrehung der Tatsachen! Bisher sind doch die Gespräche stets daran gescheitert, dass die Vertreter der Agrarindustrie alles ignoriert haben, was vonseiten des Natur- und Tierschutzes an sie herangetragen wurde. Einschlägige Details kann man hier nachlesen: http://www.tagesspiegel.de/politik/biologische-vielfalt-auf-dem-feld-verhungert/13311814.html. 

Prof. Dr. Dietrich Schwägerl Ottobrunn

Frau Claudia Möller irrt, wenn sie glaubt, die Plakatkampagne der Bundesministerin Hendricks sollte spaßig sein. Dafür sind die Fakten – Verbrechen an Tieren, Natur, Umwelt, Menschen – viel zu ernst. Bevor Frau Möllers diese Kampagne abfällig bewertet, die schon lange überfällig ist und die alltäglichen Verbrechen an Tieren, Natur und Umwelt direkt sowie an Menschen indirekt (z. B. ist Glyphosat auch für Menschen nicht nur in Krebs erzeugender Hinsicht bedenklich, sondern steht auch für contergan-ähnliche Auswirkungen an Tieren und Menschen, was so gerne ignoriert wird) mit wenigen Worten auf den Punkt bringt, sollte sie sich erst einmal mit Fakten und dem Alltag der Nutztiere in Deutschland befassen: zum Beispiel Schweinehochhaus, Legebatterien für Hühner ebenso wie für Hasen. Sie sollte sich auch befassen mit den durch die Nutztierhalter permanent verhinderten Minimalst-Qualminderungen für die fühlenden, leidensfähigen und denkenden zu Nutztieren degradierten Tiere! Leider ist ja in Deutschland grausamste Quälerei von sog. Nutztieren immer noch ein Kavaliersdelikt. 

Martina Gerlach Wald-Michelbach

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