Diskussion um den Bauernstand

Schüttelreime à la Hendricks; Leserbriefe 7. Februar, Claudia Möllers: Niveaulos; Kommentar, Claudia Schuri: Neue Bauernregeln erzürnen Bauern; Bayern 6. Februar

Neue Bauernregeln für Frau Hendricks: Ist der Smog auch noch so dicht, die Autolobby juckt das nicht. Auf Wunsch liefere ich nach. 

Helga Hoyler Bäuerin und Steuerzahlerin Hochmutting

1,5 Millionen Euro für eine Kampagne, über deren Inhalt sowieso jeder, mit Ausnahme des Herrn Heidl, Bescheid weiß. Wie anders denn sonst kommen Nitrat, Glyphosat und sonstige Giftkombinationen ins Grundwasser? Können Muttersauen in ihren Käfigen, Abmessungen gesetzlich beschrieben, weder aufstehen, sich drehen, noch sich in irgendeiner Weise bewegen? Verwerflich ist, dass im Tier- und Umweltschutz nicht der Verursacher der Schuldige ist, sondern der, der Missstände aufdeckt, Änderungen verbalisiert und über sein Verbraucherverhalten Bauernfamilien vor der Agrarindustrie in Schutz nimmt. Wie anders kann es sein, dass man belächelt wird, wenn man versucht, Gemüse, Obst und Fleisch nicht vom Discounter, sondern im Hofladen oder in Metzgereien zu erstehen, die sich nachweislich dem Erhalt unserer Umwelt und dem Tierwohl verschrieben haben. 

Friedrich Drechsler Grafing 

Was wir Landwirte von der Umweltministerin Frau Hendricks um die Ohren gehauen bekommen, ist unerträglich. Hier hat sie die Bauernfamilien ins Herz getroffen. Es ist unanständig, wenn aus der Politik heraus ein ganzer Berufsstand lächerlich gemacht wird. Sie beleidigt uns. Wir, die dreihundertfünfundsechzig Tage im Jahr bestrebt sind, gesunde Nahrungsmittel zu erzeugen. Frau Hendricks, räumen Sie ihren Stuhl und gehen! Bewirtschaften Sie dann einen Bauernhof, damit Sie den Landwirten mit guter fachlicher Praxis zeigen, wie man es richtig macht! So macht kein Hofnachfolger in der Landwirtschaft weiter. Sind das schon die Verboten eines Wahlkampfes? Ein altes Sprichwort sagt: Erst wenn der letzte Acker brach liegt, der letzte Bauernhof gestorben ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann. 

Elisabeth Mayr Kreisbäuerin von Erding

Mit so einer Stimmungsmache gegen einen ganzen Berufsstand beginnt ein dreckiger Wahlkampf. Frau Ministerin spricht für eine Partei, nicht nur für sich allein. Das sollte ihr klar sein. Hier noch eine Bauernregel: Steht in der Zeitung viel Mist drin, dann kommt’s von Frau Ministerin. 

Georg Hauser Niederseeon

Ganz offensichtlich zeigt die Presse-Kampagne mit den „Bauernregeln“ durchaus die gewünschte Wirkung. Wer sie als Beleidigung des Bauernstandes missdeuten will, entlarvt sich selbst. Die Probleme in der Landwirtschaft, im Umwelt- und Verbraucherschutz sind leider ein hartnäckiges Übel unserer Gesellschaft. Immer neuen Lebensmittelskandalen und rücksichtsloser Überproduktion haben auch gut gemeinte oder todernste Appelle noch nie Einhalt gebieten können. Da sollte man auch den Versuch mit diesen sogenannten Bauernregeln aushalten. Für den ach so entrüsteten Herrn Bauernpräsidenten sei noch ein nützlicher Spruch angefügt: Soll die Landwirtschaft genesen, braucht es einen Parteibuch-Besen! 

Josef Brandner Ohlstadt

Ich finde die neuen Bauern- regeln gut. Sie bringen die Missstände auf den Punkt, welche viele (ich sage nicht alle) Bauern der Umwelt und ihren Nutztieren zumuten! Ich kann mich an Zeiten erin- nern, wo unsere Wiesen bunter also mit vielen verschiedenen Kräutern geblüht haben und wo viele Insekten wie Bienen, Fliegen, Schmetterlinge durch die Luft flogen, dass es gerade nur so surrte. Durch Dünger und Gift ist das nicht mehr so, artenreiche Wiesen mit gesunden Kräutern brauchen keinen Dünger, der vertreibt die Pflanzen, die auf magere Böden angewiesen sind. Von diesen Pflanzen sind wiederum viele Insekten angewiesen als Futter für die Larven oder zum Blütenbesuch. Der Dünger hat nur den Sinn, aus artenreichen Magerrasen artenarme Fettwiesen mit möglichst viel Gras zu formen. Dabei ist belegt, dass Kühe die Kräuter von naturnahen Wiesen gesünder sind und das Futter ihnen besser schmeckt. Aber es zählt ja nur der maximale Ertrag. Aber was sagte schon Albert Einstein: „Wenn die Bienen aus- sterben, folgt bald der Mensch.“ 

Rüdiger Fischbacher Kreuth

Die Verärgerung der Bauern ist verständlich, wie würden die Politiker reagieren, wenn folgende Sprüche plakatiert werden würden? 1. Wenn Minister dümmlich reden, ist’s so schlimm wie fehlend Regen. 2. Raubst den Bauern den Erlös, werden selbst die Lämmer bös. 3. Der Bauer bracht nicht flotte Sprüche, wenn er soll füllen Eure Küche. 

Dr. Ingo Resch Gräfelfing

Die gleiche Ministerin, die über ein geändertes Baurecht uns Landwirten das Erstellen neuer Stallungen praktisch unmöglich machen will und die über eine geänderte Düngeverordnung eine fachgerechte Düngung verbieten will, hat mit dieser Plakataktion uns Bauern nun wieder mal gezeigt, wo der Hammer hängt. Wenn man beginnt, sich näher mit der Person Hendricks zu beschäftigen, wird man sehr schnell fündig, wie diese tickt. So hat Frau Hendricks beispielsweise ihrem Abgeordnetenkollegen Hartmut Schauerte während einer politischen Diskussion eine brennende Zigarette auf dessen Handrücken ausgedrückt. Seither trägt sie den Spitznamen „Burning Barbara“ Alleine dadurch wird deutlich, welch bedenklichen Charaktereigenschaften diese Person verkörpert. Ich bezweifle sehr, dass Frau Hendricks die menschliche Reife besitzt, ein Bundesministerium zu leiten. Mit dieser Plakataktion hat sie sich einmal mehr selbst disqualifiziert. Wer aber erwartet, Hendricks bekäme nun einen Rüffel von Kanzlerin Merkel ob dieser widerlichen Hetzkampagne, sieht sich getäuscht. Das geht der Kanzlerin, wie vieles andere auch, am Allerwertesten vorbei. Liebe Berufskollegen, wer dieser Regierung noch einmal seine Stimme gibt, hat sie nicht mehr alle! 

Ernst Seeger Gilching

Da erdreistet sich doch eine Bundesministerin, Frau Hendricks, mit ihrer Kampagne einen Teil der Bauern und Pharmaindustrie zu schädigen, indem sie mit einprägsamen Bauernsprüchen versucht der zunehmenden Lebensmittelvergiftung entgegen zu wirken. Nicht nur das, sie schießt auch ihren Ministerkollegen der Landwirtschaft, Gesundheit und Wirtschaft quer, denen anscheinend die Volksgesundheit egal ist. Jedenfalls habe ich keine andere Information. Wir sind Exportweltmeister, Hauptsache das Geld fließt. Das wir unseren Giftexport wieder zurückbekommen kümmert anscheinend nicht. Es gibt Pflanzen, zum Beispiel Mais, die resistent gezüchtet wurden für Gifte, die das Unkraut nicht überlebt. So spart sich der Bauer einen großen Teil Bodenarbeit und kann billiger liefern. Nur reichern diese Pflanzen das Gift direkt oder/und über das Grundwasser an, das wir mitessen. Auch das Unkraut wird resistent. Dann wird eben mehr Gift gespritzt. Das ist alles harmlos? Zu früherer Zeit aß ich gerne Kellogs Cornflacks und hatte zwei Hörstürze die sich, nach Tagen des Absetzens, normalisierten. Vor circa 3 Jahren nahm ich ein Muskelaufbauprodukt (Basis Mais) zu mir, nach drei Stunden war ich total taub. Mein Hörvermögen hat sich bis heute, um den Faktor 15 verschlechtert. Bei Kamillentee aus dem Teeladen hatte ich eine kurzzeitige zusätzliche Einschränkung des Gehörs, bei Kamillentee aus der Apotheke nicht. Der bayerische Bauernpräsident Heidl schreibt im - Kommentar/Bayern - von einem Schlag ins Gesicht für tausenden verantwortungsvoll arbeitenden Bauern und Forderung nach Rücktritt von Frau Hendricks. Die Bauern arbeiten bestimmt verantwortungsvoll für ihre Familie. Wenn sie mehr pflügen und den Boden bearbeiten würden, bräuchten sie kein Gift. Ich habe großen Respekt vor der Arbeit und dem Verantwortungsbewusstsein unserer Ökolandwirte. Herr Heidl sollte zurücktreten, er tut nicht seinen nötigen Teil gegen unsere zunehmende Vergiftung. Danke Frau Hendricks! Von mir ein Bauernspruch: Wer im Herbst richtig wählt, wird später weniger gequält! 

Wolfgang Mielke Starnberg

Frau Möllers bezeichnet die Kampagne von Frau Hendricks als niveaulos. Wenn man mit offenen Augen durch unsere Landschaft geht, dann kann man ohne große Sensibilität zum Beispiel den Spruch bestätigen: „Haut Ackergift die Pflanzen um, bleiben auch die Vögel stumm.“ Wenn im Frühjahr die Lerchen über die Felder trällern, so muss man nur die erste Giftsspritzaktion der Landwirte abwarten und man sieht und hört keine Lerche mehr. Leider trifft dies auch auf andere Vogelarten zu, nur ist es bei diesen nicht so offenkundig nachvollziehbar. Bezüglich niveauvoll darf man Frau Möllers die Frage stellen: Ist es niveauvoll, wenn das ewige Thema Vergeudung von Steuermittel als Argument herhalten muss? Nachdem die Landwirtschaft zu den größten Subventionsnehmern gehört, ist dies ein schlechtes Beispiel. Der Vorschlag von Frau Möllers, sich mit Interessensvertretern an einen Tisch zu setzen, ist bekannterweise mit dem Ergebnis von faulen Kompromissen verbunden und wirkungslos (siehe Thema Glyphosat). Gerade deshalb finde ich die Aktion von Frau Barbara Hendrick so gut. Es ist einer der wenigen politischen Beiträge, die mit Witz und Esprit verbunden sind. Ich bin davon überzeugt, dass er mehr Wirkung zeigen wird als leere Diskussionen am runden Tisch.

 Ernst Weichselgartner Aschheim

Der Landwirt ist ein Unternehmer wie viele andere, der mit möglichst wenig Aufwand den größtmöglichen Gewinn aus seinem Betrieb erwirtschaften will. Früher war sein Erfolg weitgehend von der Natur abhängig. Heute geben ihm Industrie und Politik viele chemisch-technische Mittel an die Hand um sich von ihr unabhängig zu machen. Wenn er sie aber nutzt, ist das Geschrei groß. Der Grünlandschwund zugunsten von Dauermaiskulturen z. B. ist doch nur eine Folge der abenteuerlichen Politik, fossile durch nachwachsende Energieträger ersetzen zu wollen.

 Eberhard Koenig Baiern

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