Bayer ist, wer sich für seine bairische Heimat einsetzt

Bayer ist nur, wer bairisch spricht; Leserforum 12. Oktober

Ihren Aussagen, „Bayer ist nur, wer bairisch spricht“ sehr geehrte Frau Romana Bigl, möchte ich dagegensetzen, Bayer ist, wer sich für seine bairische Heimat einsetzt, egal wie er spricht, woher er kommt. Ich habe als Norddeutscher vor über 55 Jahren eine Oberbayerin geheiratet. Meine Frau und meine Kinder und Enkelkinder sprechen bairisch und, wo erforderlich, Hochdeutsch. Die bairische Sprache, sowie alle im deutschen Sprachraum gesprochenen Dialekte, lernt man zu allererst im Elternhaus und im befreundeten Umfeld. Ich selbst spreche Hochdeutsch und ob Sie es glauben oder nicht, ich kann sehr wohl die bairische Sprache in ihrer besonderen Klangfarbe und vielen, heute nicht mehr benutzen und manchen Bayern nicht mehr bekannten Worten, sehr gut verstehen. Einer meiner Mitarbeiter, ein Urbayer, hat einmal zu mir anerkennend gesagt, du bist ein preußischer Bayer. Über diese Aussage fühlte ich mich ausgezeichnet. Neben meiner beruflichen Tätigkeit, war und bin ich, auch heute noch, ehrenamtlich für meine bairischen Mitbürger auf dem sozialen und kulturellen Sektor tätig. Ich bin Kulturpreisträger und für meine ehrenamtlichen Tätigkeiten als Mitglied einer sozialen Einrichtung mit dem Sozialpreis meiner Stadt ausgezeichnet. Ich kann die bairische Sprache zwar nicht sprechen, aber Sie dürfen mir glauben, ich bin trotzdem ein Bayer. 

Jörg Berner

Frau Romana Bigl aus München fragt: „Was tun eigentlich die vielen Dialektschützer?“ Die tun sehr viel! Mein Mann und ich z.B., wir sind seit einigen Jahren aktive Mitglieder im FBSD = Förderverein Bairische Sprache und Dialekte; den Verein gibt es schon seit über 25 Jahren. Wir FBSDler haben grad 18 Tage Standdienst in 36 Schichten auf der Oidn Wiesn gstemmt. Dazu kommen noch Standauf- und abbau und im Vorfeld viiiele Gespräche mit den Wiesn- und Festzeltverantwortlichen. Wir hatten die Fragebögen 1 - 5 dabei von Woaßt as … ? Testen Sie Ihre Bairischkenntnisse. Der Großteil der Besucher ist wirklich nett und interessiert und wir hören oft: „Schön, dass Ihr das macht!“ und auch „Bitte weiter so!“ Aber wir redn uns sMei gfransert für die Dipferlscheißer, Gscheidhaferl und Grantler, die eh alles besser wissen, und heuer hatten wir sogar einen militanten Vegetarier, der sich aufgführt hat wie Rumpelstilzchen, weil wir den Begriff: Gschwoine = bayrische Wurstsorte verwendet haben. Alle machen wir das aus Spaß an der Freud an unserer Bairischen Sprach! Und natürlich ehrenamtlich! Wir sind der einzige Stand auf der Wiesn, der nix verdient. Unsere MVV-Fahrtkarten, Brotzeiten, Klo-Fuchzgerl und Lutschguadln für Hals und Stimme zahlen wir selbst. Wir sind auch sonst noch auf schönen Veranstaltungen, u.a. dem Münchner Stadtgründungsfest. Und jetzt sollen die Dialektschützer Workshops (!) anbieten für Senioren, die dann ehrenamtlich Hausaufgabenhelfer machen (für welches Fach bitte? Bairisch ist kein Schulfach) und in Kindergärten gehen, um den Zwergerln die Bairische Sprache näherzubringen. Wir gehen schon länger in Kindergärten und Schulen. Aber manchmal fragen wir uns, ob das überhaupt noch erwünscht ist, angesichts der Tatsache, dass es dort keine Kreuze mehr zu sehen gibt, dass kein Schweinefleisch - nur noch Pute oder Kalb - auf den Teller kommen (kein Wunder, dass die Beiträge steigen) und dass auch kein „Sankt-Martins-Umzug“ mehr stattfindet, der heißt jetzt nämlich „Laternenfest“. So schaut’s aus! 

Elfie Kupferschmid gebürtige Münchnerin, 58 Jahre Gilching

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