Tolerante Belgier

Kolonialgeschichte wird verdrängt; Leserbriefe 1. April

Zunächst erschließt sich mir nicht der Zusammenhang zwischen der kolonialen Vergangenheit Belgiens und dem heutigen Terror. Schließlich sind die bisher identifizierten Terroristen nicht die aus dem Kongo Zugewanderten oder deren Kinder oder Enkel, die es in Brüssel auch in großer Zahl gibt, sondern in Belgien aufgewachsene Kinder oder Enkel von Zuwanderern aus Marokko. Die hatten im belgischen Ganztagsschulsystem mit Mensa die gleichen Bildungsmöglichkeiten wie jeder Belgier und viele von ihnen haben das auch genutzt und sind inzwischen integriert. Soweit man das bisher weiß, waren die bis jetzt identifizierten Terroristen bereits vor ihrer religiösen Radikalisierung Klein- oder Schwer-Kriminelle, die das ausgezeichnete Bildungssystem in Belgien nicht genutzt haben. Ebenso abwegig ist die Behauptung, in Belgien herrsche ein „struktureller Rassismus“. Das Gegenteil ist wahr, nach meiner Erfahrung gehören die Belgier zu den tolerantesten Menschen in Europa, jedenfalls die meisten von ihnen. Dass diese Toleranz in manchen Stadtvierteln von Brüssel und Antwerpen inzwischen arg strapaziert wurde, hat allerdings in den letzten Jahren zur Entwicklung einer fremdenfeindlichen Partei geführt, ähnlich unserer AfD. Man darf übrigens nicht vergessen, dass mehr als ein Drittel der Bevölkerung Brüssels aus Nicht-EU-Ländern stammt. Vielleicht hat ja diese große Toleranz dazu geführt, das Fehlentwicklungen bei der zugewanderten Bevölkerung aus Nordafrika nicht rechtzeitig korrigiert wurden, sicher aber nicht ein struktureller Rassismus.

Herbert Börkey Freising

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