Anstand ist leider aus der Zeit gefallen

Merkels Haltung im Satirefall; Leserbriefe 18. April, Erdogan-Satire spaltet Koalition; Titelseite,
Georg Anastasiadis: Staatsaffäre; Kommentar, Merkels heikle Entscheidung; Politik 16./17. April

Laut Justizminister ist der Paragraph 103 aus der Zeit gefallen – der Anstand leider auch.

 Christa Voß Garmisch-Partenkirchen

Böhmermann und kein Ende: Schlägt man heute die Tageszeitung auf, oder drückt auf die Einschalttaste des Rundfunkgeräts oder seines Fernsehers, oder trifft man sich Freunden oder Bekannten. Der Name Böhmermann ist omnipräsent. Die Republik ist in einem „Böhmermannrausch“ versetzt und selbst das Ausland nimmt rege daran Anteil. Da muss doch wirklich etwas dran sein, das fragen sich nicht wenige Interessierte, vor allem auch deshalb, weil bei den allermeisten der Name Böhmermann erstmals auftaucht und das weckt bei ihnen die Neugier, sich näher über die Persönlichkeit und die besonderen Leistungen zu informieren, die mit einer solch großen medialen Aufmerksamkeit bedacht werden. Bei der Suche nach dem Besonderen schlägt die positive Neugier alsbald in tiefe Enttäuschung um. Die als Satire dargebotenen, in Form von Reimen vorgetragenen Texte entpuppen sich als eine Aneinanderreihung von Ergüssen aller übelsten Genre. Mit geistreich hat das nichts, aber auch nicht das geringste zu tun und umso erstaunlicher ist, dass Böhmermann trotz allem eine große Anhängerschaft hinter sich weiß. Dem sehr ausgewogenen Kommentar des Herrn Christian Vordemann von der Redaktion Leserbriefe in der letzten Donnerstagausgabe ist nichts hinzuzufügen. Übrigens, eines ist mit der Posse Böhmermann schon erreicht: Bei künftig ausgestrahlten Sendungen à la Böhmermann im ZDF, das loyal zu ihrem Protagonisten steht und deren Resonanz bisher im Minimalbereich tendierten, werden die Einschaltquoten sprunghaft in die Höhe schnellen.

Werner Gutmann Oberschleißheim

Merkels heikle Entscheidung: In der „BamS“ lautete die Schlagzeile: „Zweidrittel der Deutschen gegen Merkel.“ Ich zähle mich aus folgenden Gründen zu dem einen Drittel: Die Frage, die sich mir als Erstes aufdrängt, ist doch, hatte sie überhaupt die Möglichkeit anders zu entscheiden? Sollte sich unsere Bundeskanzlerin vielleicht schützend vor so einen Möchtegernsatiriker stellen und damit sein Schmähgedicht auch noch – wenn auch indirekt- billigen? Ich möchte mir nicht vorstellen, welche Konsequenzen eine andere Entscheidung zur Folge haben würde. Schließlich gibt es leider noch mehr Despoten auf dieser Erde, die von unseren Politikern besucht werden. Frau Merkel hat geschworen, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden und nicht von je- jemanden, dem vermutlich gar nicht recht bewusst ist, was er angerichtet hat, Außerdem sind für den Schutz des Einzelnen andere Instanzen zuständig. Lächerlich ist in diesem Zusammenhang auch der Kommentar in der Samstagsausgabe des Herrn Anastasiadis: Nur weil Frau Merkel zustimmt, dass gegen Herrn Böhmermann auch wegen § 103 StGB ermittelt worden kann, zeigt dies die Erpressbarkeit der deutschen Außenpolitik. Mir fehlen die Worte, Für eine Entscheidung sind alleine die Gerichte zuständig – ansonsten gehört das Schmähgedicht auf den Müll.

Jürgen Gutzeit Hohenpeißenberg

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