Schwierige Geschichte

Bundeswehr und Wehrmacht; Keine Widerstandskämpfer; Leserforum 11. und 12. Mai

Ich habe unsere Verteidigungsministerin immer sehr geschätzt, sie ist klug, außerordentlich intelligent und obendrein noch charmant und über so viele Soldaten zu verfügen und verantwortlich zu sein, ist sicherlich keine leichte Aufgabe. Aber jetzt ist sie mit ihren Bemerkungen über die Bundeswehr völlig außer Tritt geraten. Plötzlich gelten unsere Söhne, Brüder und Väter, die zu Millionen heldenhaft gekämpft haben, gestorben sind und so wie auch mein Vater auf immer vermisst sind, als nicht mehr erinnerungswürdig? Und es ist ein Verbrechen, wenn man in Kasernen diesen tapferen Soldaten mit Erinnerungen gedenkt? Ja, wo sind wir denn? Das ist schlichtweg eine Schande, sollen wir vielleicht die Kriegerdenkmale schleifen und unsere Veteranen bestrafen? Nur weil ein paar hirnlose Idioten, die zufällig den grauen Rock tragen, absoluten Irrsinn vor hatten? Also Schluss mit den Nestbeschmutzern unserer Wehrmacht und den Schreiern, die keine Ahnung haben, was Krieg bedeutet hat. Frau Minister rücken Sie die Dinge zurecht und geben Sie die Ehre denen zurück, die sie mit ihrem Blut und ihrem Tod für unser Vaterland verdient haben. Ein kleiner bescheidener Hinweis an die Soldaten in den Kasernen mit den Erinnerungsstücken: Schreibt einfach noch an die Wand: nie wieder Krieg! Und schon sieht alles anders aus. 

Frank Steinhofer Pähl

Erschreckend wie alte deutsche Militaristen die Wehrmacht in den Leserbriefen hochleben lassen. Das Massenverhungernlassen von 3 Millionen „slawischen Untermenschen“/Russen sei legitim, weil Russland nicht die Konventionen des Internationalen Roten Kreuzes unterzeichnet habe. Quasi: Selbst schuld. Kaum an Zynismus zu überbieten. Am schockierendsten wird es aber, wenn Herr Riegert den israelischen Militärhistoriker Martin van Creveld zur Legitimation des Vorbildcharakters der deutschen Wehrmacht zitiert: „Aber er hat sie in Sachen Organisation, Training, Lehre und Taktik, aber auch was Disziplin und Moral der Soldaten betrifft als (auch heute noch)vorbildhaft bezeichnet“. Der rhetorische Kunstgriff ist, Fragen der Effektivität mit denen der Moral, wenn schon nicht der Demokratie oder Menschenrechte zu vermengen. Wenn Creveld von Moral der Truppe spricht, so meint er Kampfmoral und Kampfgeist/willen, nicht aber eben Moral oder humane Werte oder Verhältnismäßigkeit der Mittel. Eine Wehrmacht, die ganz Europa und Russland in Schutt und Asche legte mit 30 Millionen Toten, auch Millionen von Deutschen, die sich scheinbar selber gar nicht als Kriegsopfer einer verbrecherischen deutschen Diktatur sehen, sondern nur volksgemeinschaftlich als Opfer fremder Mächte, war allerdings effizient. Wenn man nur Effizienzkriterien anlegt, könnte man auch die KZ und den Holocaust als effiziente Killermaschine sehen oder Pol Pots landwirtschaftliche Kommunen oder Stalins Gulags und Vernichtung von Kulaken und Oppositionellen mittels seiner durchaus effizienten Tscheka. Und wenn Helmut Schmidt zitiert wird, so antwortete Oskar Lafontaine seinem Altmeister auch schon mal: „Mit diesen deutschen Primärtugenden von Effizienz, Pünktlichkeit und Disziplin konnte man auch KZs betreiben.“ 

Ralf Ostner Murnau

Ich habe als Wehrpflichtiger in der Bundeswehr 15 Monate Wehrpflicht abgeleistet. Während dieser Zeit habe ich auch den Fallschirmspringer-Lehrgang der Luftlande-Lufttransportschule mit Erfolg absolviert. Im Vorfeld der Gründung der Bundeswehr gab der Nato-Oberkommandierende Dwight D. Eisenhower 1951 dem Bundeskanzler Konrad Adenauer eine Ehrenerklärung für die Offiziere der Wehrmacht – verfasst worden war der Text von den Ex-Wehrmachtsgenerälen Hans Speidel und Adolf Heusinger. Die Wehrmacht galt jetzt als unbeteiligt am NS-Terrorstaat. Mit dem zweiten Traditionserlass 1982 distanzierte sich die Bundeswehr jedoch klar von der Wehrmacht. Der Mythos der „sauberen Wehrmacht“ sollte mittlerweile jedoch überwunden sein. Die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee mit „innerer Führung“. Kadavergehorsam gibt es, anders als in der Wehrmacht nicht mehr. Befehle dürfen dann nicht befolgt werden, wenn sie seine Straftat beinhalten. Das sind die Koordinaten moderner Militärpolitik und Truppenführung. Terroristen, wie Franco A., müssen aufgedeckt und bestraft werden. Sie schädigen nicht nur den Ruf der anderen Soldaten, sie gefährden diese sogar. Daneben bedrohen solche Strukturen die gesamte Bevölkerung. Rechte Strukturen in der Bundeswehr wurden von den Vorgängern von Frau Dr. von der Leyen über Jahrzehnte übersehen. Das muss jetzt abgestellt werden. 

Thomas Wagner Murnau

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