Harmlos ist Cannabis mitnichten

Marihuana sollte endlich legalisiert werden; Leserforum 13. Februar, Dominik Göttler: Polizei streitet um Cannabis-Verbot; Bayern 8. Februar

Nachdem Cannabis bei bestimmten Indikationen zur Behandlung von Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen infolge einer Chemotherapie freigegeben wurde, war zu erwarten, dass Forderungen laut wurden, diese Substanz gleich ganz freizugeben. Unter anderem wird argumentiert, dass eine Freigabe zu einem derartigen Preisverfall führen würde, dass sich Dealen nicht mehr lohne. Das ist mit Sicherheit eine falsche Überlegung. Angenommen eine gewisse Portion Cannabis kostet jetzt auf dem Schwarzmarkt 5 Euro. Zukünftig erfolgt der legale Verkauf in einer speziellen Verkaufsstelle, die einen Aufpreis verlangen wird. Hinzu kommen gewisse Steuern, die nach Berechnung gewisser Kreise bis zu 3 Milliarden Euro in den Staatssäckel bringen sollen. So würde diese Cannabismenge nicht mehr 5 Euro, sondern mindestens 10 Euro kosten. Der Dealer verlangt weiterhin 5 Euro. Wo glauben Sie, wird der Interessent seine Ware beziehen? In seinem Leserbrief beschreibt Herr Joseph Zenz, dass er durch das Rauchen eines Joints müde wurde. Dies ist eine persönliche Erfahrung, die aber keineswegs bei allen Usern in gleicher Form eintritt. Andere Menschen beschreiben die Wirkung ganz anders mit Entspannung, Steigerung der Körperempfindung, Euphorie bis Lachkoller, gesteigertes Selbstwertgefühl, Gefühl der erhöhten Intelligenz, Gefühl der Tiefsinnigkeit. Leider ist dies aber nur Einbildung. Aus diesem Gefühl heraus kann es durchaus sein, dass sich ein Mensch hinter das Steuer setzt und im Drogenrausch losfährt. Bei manchen Menschen kann Cannabis aber auch zu ausgesprochen negativen Empfindungen führen mit Angstzuständen, Wahnvorstellungen, Unruhe bis Todesangst. Wie ein User re-agiert, ist somit nicht vorhersagbar und dies hängt auch von der persönlichen Tagesverfassung ab: Harmlos ist Cannabis mitnichten! Seitens bestimmter Polizeikreise wird ebenfalls eine Freigabe von Cannabis gefordert, speziell um den bei Gericht anfallenden Papierkram zu reduzieren. Hier habe ich einen ganz einfachen Vorschlag: Beim Besitz kleiner Mengen von Cannabis erfolgt keine Anzeige mehr bei Gericht, sondern es wird eine Ordnungsstrafe verhängt (zum Beispiel von 15 Euro). Der Besitz von größeren Mengen (zum Beispiel mehr als 15 oder 20 Gramm) führt weiterhin zur Strafanzeige. Das schlechteste Argument zur Freigabe von Marihuana ist dies: Alkohol und Nikotin sind auch legal erwerbbar. Diese beiden Substanzen sind oft genug Ursache von vielerlei Erkrankungen und Unfällen. Dies ist zweifellos richtig. Aber wieso soll man, wenn man schon zwei Schadstoffe legal erwerben kann, noch einen dritten Schadstoff legalisieren? Dies kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. 

Dr. Reinhard Kubo Moosinning

Cannabis entkriminalisieren, Smartphone nicht suchtgefährdend? Wenn Frau Huml (CSU) schreibt, dass die Hemmschwelle sinkt und mehr Menschen Drogen konsumieren mit all ihren Folgen, was ist dann mit Zigaretten, Alkohol und vor allen Dingen Smartphones? Auch diese drei Dinge machen stark abhängig. Will man das dann auch verbieten? 

Margit Weber Schöngeising

Lob und Unterstützung für André Schulz, den Vorsitzenden des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, zur weiteren Arbeit bei der Entkriminalisierung und vernünftigen Regulierung der Nutzung von Marihuana. Auch Dank an die vielen Schreiber der Leserbriefe, die wieder einmal beweisen, dass die Bürger vernünftige Schlüsse ziehen können. Hoffentlich liest Thomas Loy, Leiter des Kommissariat für Rauschgiftbekämpfung in Weilheim, hier mit und erweitert seinen Horizont. Besteuertes Marihuana könnte Geld freimachen um süchtig gewordenen zu helfen, denn die meisten Nutzer sind Langzeitkonsumenten (bei Konzerten, Musikveranstaltungen, Parties etc.- also nicht täglich) und wie bei Alkohol meist nicht die Leidenden, da nur die geringste Anzahl von ihnen Drogen süchtig wird. Auch der Einstieg in andere Drogen wäre durch die Regulierung vermieden, da die meisten Dealer Marihuana als Köder nutzen, um die Nutzer dann möglichst schnell auf gefährlich, abhängig machende Drogen umlenken. Ich habe 15 Jahre (1968 bis 1983) in USA und Mexiko gelebt. Dort wurde Marihuana überall verkauft, in Mexiko sogar von Polizisten, da der Glaube an die Durchsetzung des Verbot schon lange aufgegeben war. Auch ich habe bei Gelegenheiten in diesen Jahren mit vielen anderen Joints geraucht oder Grascookies gegessen. Keiner von uns ist süchtig geworden und wir sind alle erfolgreich in der Wirtschaft oder Gesellschaft geworden. Herr Loy kommt leider zu wenig in Kontakt mit der Vielzahl der Nutzer, die nicht auffällig werden und die doch die Mehrzahl sind. 

Hugo Wiedersperg Ohlstadt

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