Cannabis freigeben oder nicht?

Harmlos ist Cannabis mitnichten; Leserforum 14. Februar

Wenn Cannabis die Einstiegsdroge für weiteren Drogenkonsum ist, dann ist es mitnichten harmlos. Wenn Cannabis nur hin und wider in Joints geraucht oder sonst wie konsumiert wird; mag es relativ harmlos sein. Wird aber bereits in sehr früher Jugend Cannabis konsumiert und das über mehrere Jahre, wird der Drogenkonsum (der Hochgefühl, gehobene Stimmung erzeugen soll) fortgesetzt mit Ecstasy und Kokain führt das häufig zur Süchtigkeit. Dann können vermutlich Schäden im Gehirn auftreten. Es mag nicht bei allen Konsumenten eines Drogenmixes gleich sein, aber etwaige Folgen können sein: Defizite im Bereich des Kurzzeitgedächtnisses bereits in jungen Jahren.

 Elisabeth Niebauer München

Den Argumenten von Dr. Kubo zu der Gefährlichkeit von Cannabis möchte ich voll zustimmen und ein weiteres hinzufügen. Es ist erwiesen, dass Cannabis Einfluss auf die Gehirnentwicklung bei Heranwachsenden ausübt, und zum Beispiel Schizophrenie auslösen kann. Ich glaube nicht, dass diese Tatsache sehr vielen bewusst ist, die für die völlige Freigabe von Cannabis eintreten. Man könnte natürlich anführen, dass es ja nur für Erwachsene (ab 18? ab 21?) freigegeben werden soll. Aber wer glaubt wirklich, dass es bei dieser Freigabe nicht auch für Jugendliche sehr viel einfacher wäre, wie bei Alkohol und Nikotin beobachtbar, an die Droge zu kommen. 

Dr. Wolfgang Hösel Tutzing

Ich bin 64 und in den wilden 70ern in München aufgewachsen. Da waren Drogen alltäglich, wenn man abends wegging. Die Einen haben gesoffen, Bier und kleiner Feigling, die anderen einen Joint geraucht oder einen Haschtee getrunken. Ich war auf der Seite von Mary Jane und Shit, wie das damals hieß. Ab und zu habe ich auch mal einen LSD-Trip genommen und einmal hat mir einer Kokain spendiert. Heroin und Opium habe ich nie ausprobiert, dafür Aufputschmittel wie AN1 und Mandrax. So viel vorab. Ich lebe noch, war nie süchtig und habe irgendwann mit 26 aufgehört, „illegale“ Drogen zu nehmen. Dafür habe ich dann bis 40 gequalmt, bis mich ein Hörsturz ereilte. Ach ja, in den Siebzigern habe ich auf der Fensterbank Marihuana angebaut, immer ein Pflänzchen für den Eigenbedarf, damit wäre ich, hätte man mich erwischt, ein Krimineller gewesen. Bin ich aber nicht. Ich bin 64, trinke in Maßen Wein und würde nie betrunken Auto fahren. ABER: Die Scheinheiligkeit, mit der diese Gesellschaft Marihuana bekämpft, geht mir auf die Nerven. Jeden Tag begehen Voll- und Teilbetrunkene die übelsten Straftaten - von Mord über Vergewaltigung über Verkehrsraserei mit Todesfolge bis hin zu vielen anderen Straftaten- aber unser Staat findet das völlig in Ordnung. Komasaufen bei Jugendlichen, Oktoberfestsaufen und Faschingssaufen, alles legal. Die Sache ist die, und das sage ich seit nunmehr mehr als 40 Jahren: Die Drogenkriminalität wird nur eliminiert, zumindest teilweise, wenn man zumindest Cannabis legalisiert. Warum? Weil das organisierte Verbrechen sich damit dumm und dämlich verdient. In Kalabrien und Sizilien wird jede Menge Cannabis angebaut. Damit verdienen sich diese Kreise eine goldene Nase. Und viele andere, die gegen die Legalisierung sind, verdienen mit. Als Beispiel fällt mir da der Kripobeamte in Memmingen ein, der zu Schulungszwecken 1Kilo Kokain im Spind hatte: Natürlich zu Schulungszwecken, wobei bekannt ist, das Memmingen eine bevorzugtes Rückzugsgebiet für viele Familien ist. Wenn ich damals einen Joint geraucht habe, war ich anschließend so entspannt und müde, dass ich gar nicht auf die Idee gekommen wäre, noch Auto fahren zu wollen. Cannabis ist ein ideales Schlafmittel und meist kriegt man noch einen Riesenappetit. Also mitnichten eine gefährliche Droge, unter deren Einfluss man Menschen umbringt, totfährt oder vergewaltigt. Natürlich gibt es immer Menschen, die keine Grenzen kennen. Aber die gibt es mit und ohne Legalisierung. Viel schlimmer finde ich Crystal Meth und die Badesalzgeschichten, weil die die Menschen wirklich komplett zerstören können. Und Alkoholkriminelle! Das sollte auch der Kripobeamte Loy aus Weilheim wissen. In den USA hat der Kampf gegen die illegalen Drogen schon mehr als 50 Milliarden US-Dollar gekostet. Erfolg: Null! Nur die Drogenkartelle und involvierte Politiker sind megareich geworden. Das sollte uns zu denken geben. 

Joseph Zenz München

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