Leserbriefe

Nichts gegen den Mohren

Mit ihren Wappenerheischte die Aristokratie Aufmerksamkeit;Leserforum 16. Oktober,Was ist an der Krippediskriminierend?Leserforum 15. Oktober, Claudia Schuri, Katharina Bromberger: Wird der „Mohr“ vom Wappen verbannt?; Bayern 14. Oktober

Ob schwarz ob weiß, das zählt doch gar nicht! Lasst’s doch endlich die Heiligen Drei Könige in Ruah! De ham doch alles richtig gmacht. Haben alle drei an Heiland gsuacht, habn ihn gfundn, haben beschenkt, haben geglaubt und san in Frieden wieder hoam zogn. Was gibt’s denn da zu meckern? De ghörn einfach alle drei in unsa Kripperl hinein – und aus! Kümmerts euch doch um wichtigere Angelegenheiten!

Maria Heiß

Lenggries

Themaverfehlung würde ich gerne über die meisten Leserbriefe schreiben. Es geht nicht darum, ob oder dass ein Farbiger Teil der Ulmer Krippe ist. Das wäre völlig in Ordnung. Das Problem liegt an anderer Stelle: Bei der Darstellung der drei Weisen sind die beiden hellhäutigen wie edle, königliche Reisende gestaltet. Der farbige König aber als widerlicher, hässlicher Gnom. Und das geht nicht. Punkt.

Simone Nandico

Valley


Dazu hätte ich noch einen Vorschlag, und zwar die Abschaffung der olympischen Ringe. Da werden gleich mehrere Kontinente diskriminiert. Welch eine irrsinnige Welt!

Erna Wolf

Lenggries

Es ist eigenartig, dass Mohren aus den Wappen-, Apotheken-, Hotelnamen und Plätzen und aus der christlichen Geschichte (Krippe) entfernt werden sollen, aber in den deutschen Fußballvereinen gefragt und erwünscht sind und für viele Millionen eingekauft werden. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan. Deutschland, was ist los mit dir?

Friedrich Hasselbacher

Garmisch-Partenkirchen

Also mal ehrlich. Warum fühlt sich eigentlich niemand aus dem europäischen Genpool stammender Homo sapiens sapiens diskriminiert, wenn man ihn als „weiß“ bezeichnet? In der Regel kommt diese Form des pigmentlosen Teints nur sehr selten vor, der Rest wird höchstens weiß vor Wut oder er nimmt diese blasse, ungesunde Färbung bei zehrenden Krankheiten oder unmittelbar vor einem Kreislaufkollaps an – ja, und dann noch kurz als Leiche. Will man sich damit wirklich identifizieren?

Bernd Hertling

Grafing bei München

Ja, man sollte sozusagen die Kirche im Dorf lassen. Besonders wir Deutsche finden schlecht den Mittelweg, insbesondere politisch! Entweder extrem links oder rechts. Ich würde sagen, dass das Wort Neger grenzwertig ist, obwohl ich dabei nichts Schlechtes denke. Ein in Afrika geborener Mensch ist normalerweise ein Schwarzer, kann aber in der Minderheit auch ein Weißer sein! Ich kannte vor Jahren einen amerikanischen Staatsbürger indianischer Abstammung. Er sagte zu mir immer Bleichgesicht. Soll ich mich da diskriminiert fühlen? Haben wir in Deutschland keine anderen Probleme, als dass wir uns aufregen, weil ein Hotel „Zum Mohren“ sich seit Generationen so nennt, oder weil in der Krippe von den hl. drei Königen ein Schwarzer ist? Natürlich ist in der Kolonialzeit die schwarze Bevölkerung diskriminiert worden, aber jetzt wird sie von der eigenen schwarzen Regierung auch unterdrückt. In den USA noch heute ein Problem. Übrigens, wenn ein Mensch eine Straftat begeht, dann muss er verurteilt werden, egal ob er weiß, schwarz oder lila-blassblau ist!

Heinz Riedlbeck

Dachau

Nun ist es also so weit, der Freisinger Mohr soll weg! Dieser Angriff auf unsere Kulturgeschichte war bei dieser intellektuell verarmten und verrohten Gesellschaft nur eine Frage der Zeit. Eigentlich ist diese losgetretene Debatte nicht nur überflüssig, sondern unzulässig und man sollte gar nicht darauf reagieren. Aber es kann nicht jede unqualifizierte Äußerung unwidersprochen bleiben. Der Freisinger Mohr, der erstmals 1286 als „dunkles gekröntes Haupt“ in den historischen Quellen erscheint, zierte in der Folge die Wappen der jeweiligen Fürstbischöfe und war über ein halbes Jahrtausend unbestrittenes Herrschaftssymbol des Fürstbistums Freising und somit der „Hochfürstlich Freisingischen Grafschaft Werdenfels“. Im Landkreiswappen von Garmisch-Partenkirchen, auch einem Hoheitszeichen, symbolisiert der Mohr den Teil des Landkreises, der einst besagte Grafschaft bildete. Die Schöpfer haben sich beim Entwurf des Wappens durchaus etwas gedacht und das war sicher nicht rassistisch. Was soll an einem farbigen König anstößig sein?

Diese Attacke auf einen Teil unserer Identität ist im weitesten Sinn ein Angriff auf die freiheitlich demokratische Grundordnung unseres Landes. Es steht zu befürchten, dass genau das das eigentliche Ziel ist. Was fehlt, ist der Aufschrei der bürgerlichen Mitte gegen alle extremistischen Plärrer von links und rechts! Die Verfasser solch einer Petition sind eigentlich bemitleidenswert ob ihrer Unwissenheit. Was noch schlimmer ist, ist der Umstand, dass solch ein Ansinnen auch noch Befürworter findet. Was kommt als Nächstes? Vielleicht fühlt sich jemand von den Gipfelkreuzen auf unseren Bergen diskriminiert, da reicht eine Person und wir kommen in unserer selbstzerstörerischen Toleranz dem Wunsch gerne nach und entfernen diese.

Heinrich Spichtinger

Heimatforscher, Werdenfels

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