Leserbriefe

Der pure Luxus

Claudia Schuri: „Wasserkraft ist kein Ökostrom“; Wasserkraft – eine saubere Energiequelle; Leserforum 1. Februar

Ist Wasserkraft gut oder böse? Was stimmt nun? Eigentlich stimmt beides: Wasserkraft ist regenerativ und emissionsfrei (wenn man die Produktion von Beton, von Eisen und Stahl, und was man sonst noch zur Erstellung der Anlagen braucht, außer acht lässt) – insofern gut. Das ist aber nur die eine Seite. Die andere ist: Wasserkraftanlagen, wie sie bisher gebaut wurden, brauchen ein erhebliches Gefälle, müssen deshalb das Wasser anstauen. An Flüssen wie am Lech, der seit 1943 konsequent und rücksichtslos zur Energiegewinnung ausgebaut wurde, bedeutete das die Zerstörung der natürlichen, voralpinen Flusslandschaft, die Zerstörung von Lebensräumen, die sich von den Alpen bis zur Donau erstreckten (Artenbrücke Alpen – Alb), die Zerstörung auch des Lebensraumes für die einst unübersehbaren Fischschwärme (Huchen, Äschen, Nasen) – die Staustufen sind für Fische von unten unüberwindbar, von oben – da durch die Turbinen – tödlich. Wer das als ökologisch bezeichnet, muss auf beiden Augen blind sein. Der Naturschutz hat deshalb schon im vorigen Jahrhundert gegen diese „Nutzung“ der Natur gekämpft – leider weitgehend erfolglos. Das Ausmaß der Zerstörung natürlicher Lebensräume und des Artensterbens, mit dem wir heute konfrontiert sind, war damals noch nicht absehbar. Aber heute sind die Alarmrufe nicht mehr zu überhören! Wir müssen die Art des Umgehens mit der Natur grundlegend ändern – und zwar schnell!

Brauchen wir Strom? Natürlich brauchen wir Strom, wir wollen ja nicht zurück ins Mittelalter. Aber brauchen wir so viel Strom? Muss die halbe Welt nachts angestrahlt werden (siehe nächtliche Luftbilder und Weltraumbilder)? Muss alles, was man früher mit der Hand gemacht hat (auch im Haushalt), heute elektrisch gemacht werden? Vieles, was heute an Geräten angeboten und gekauft wird, ist der pure Luxus, ist schlichtweg unnötig! Wenn man das Potential zum Stromsparen ausgeschöpft hat (da sind wir noch weit entfernt), dann stellt sich die Frage nach der Art der Stromerzeugung. Und da muss ohne wenn und aber gelten: Die Stromerzeugung muss ökologisch vertretbar sein. An Flüssen heißt das: Die Durchgängigkeit für Fische (aufwärts wie abwärts) darf nicht behindert werden. Das Geschiebe (Kies und Sand) muss den Fluss passieren können. Die Durchgängigkeit ist die Grundforderung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Ohne Durchgängigkeit darf es kein Kraftwerk mehr geben. Es gibt heute schon Kraftwerkstypen, die dieser Forderung entsprechen. Der Lech ist heute von mehr als 20 Kraftwerken in Querbauweise mehr als zwanzig Mal unterbrochen. Spätestens wenn (ab 2034) die Kw-Konzessionen auslaufen, müssen die veralteten Querbau-Staustufen entfernt oder durch moderne Anlagen ersetzt werden, die die Durchgängigkeit des Flusses wiederherstellen. Es geht beim Lech nicht um KW-Neubauten in unberührte Flusslandschaft, sondern darum, die Fehler von früher zu korrigieren. Da sind Staat und Energiewirtschaft gefordert. Wir müssen den Kompromiss finden: Wasserkraft ja – aber ökologisch verträglich!

Alfred Gößmann Schongau

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