Amerika und Deutschland

Dankbarkeit an die USA; Leserbriefe 9./10. April

Auch ich gehöre zu jener Generation, die nach dem Krieg bettelnd und hamsternd (auch stehlend) mit dem Radl auf ´s Land fuhr. In meinem Buch: „Damals und danach“ beschrieb ich alle meine Erlebnisse aus der Kriegs- und Nachkriegszeit, aber auch die Absicht der Siegermächte bei der Konferenz in Casablanca, der drei Politiker aus den USA, England und Frankreich. Präsident Roosevelt stellte den Antrag, dass Deutschland zu einem Agrarland umgeackert werden muss. Deutschland muss hart angefasst werden! Tatsache ist leider auch, dass nach Kriegsende 600 000 von der amerikanischen Armee gefangengenommene deutsche Soldaten meist in Freien (Rheinwiesen) verhungerten oder durch Krankheit starben. Dass die Rote Armee (Stalin) schon während des Krieges beabsichtigte, Europa bis zum Atlantik zu erobern, war den Amerikanern längst bekannt, reagiert aber zu spät, Gott sei Dank noch rechtzeitig. Marshallplan und viele andere Hilfen (Luftbrücke Berlin und mehr) machten uns zu Freunden mit den Amerikanern Jetzt können wir uns glücklich schätzen. Dass sich dann Deutschland durch die Hilfe Amerikas zu dem entwickelte, was es heute ist. So gesehen ist „Dankbarkeit an die USA“, wirklich gerechtfertigt.

Erich Friedl Ebersberg

Lieber Herr Bialas. Die Zeiten der Rosinenbomber, der fast angenehmen Kriegsgefangenschaften in Amerika - gute Behandlung für die deutschen Kriegsgefangenen, leider übler Umgang mit den texanischen Schwarzen, Indianern und Mexikanern - ist Geschichte. George Bush jr. schickte junge Soldaten, die wirklich glaubten, dass Massenvernichtungswaffen ihr Land bedrohen, in ein fremdes Land. Für mich ist Bush ein Kriegsverbrecher. Und ich habe auch nicht vergessen, dass Oscar Romero, der wohl einmal heilig gesprochen wird, von Todesschwadronen ermordet wurde, die von den Amerikanern unterstützt worden waren. Die Schuld der Amerikaner zu sehen, die seit nach dem 2. Weltkrieg immer überall mitgemischt haben zum Leid der Menschen, heißt ja nicht, dass ich nicht die Schuld Putins sehe. Aber ich erwarte, dass sich alle zusammenreißen und 2020 Russen und Amerikaner Seit an Seit stehen und in die Augen der letzten Holocaustopfer gucken, die eben auch von den Russen befreit worden waren. Wenigstens an diesem Tag sollte man es tun. Erbärmlich, dass es 2015 nicht möglich war.

Martina Lenzen München

Der Tenor des Leserbriefes von Herrn Bialas lässt vermuten, er ist jetzt noch in gewisser Hinsicht von den Care-Paketen abhängig. Nein, ich möchte nicht persönlich werden, vermutlich gehört er bereits jener Generation an, die vom „american way of life“ derart begeistert sind und daher gar nicht mehr erfasst, wie sehr sie am Nasenring vorgeführt wird. Im Ernst, auch ich bin den Amerikanern dankbar, weil mir durch ihren mit massiven Bomben auf die Zivilbevölkerung erzielten Sieg ein unbequemer Verwaltungsjob im fernen Sibirien erspart blieb. Niemand wird je genau erfahren, welche Anlässe letztendlich zum 2. Weltkrieg führten. Fest steht, Churchill war nicht unbeteiligt, von welcher Geschichtsbuchseite man diese Zeit auch betrachten will. Auch war, das wird meist vergessen, so wie derzeit, nicht nur unseren Nachbarn, die wieder erreichte Wirtschaftkraft ein Dorn im Auge. Übrigens, die Amis halfen auch deshalb den Berlinern, weil sie „dummerweise“ den Russen weiters Vorrücken jenseits von Berlin zuließen. Das Leid durch Napalmbomben in Fernost und durch die zahlreichen Kriege, die die USA im „Dienst am Weltfrieden“ bis rüber nach Nahost führen mussten, scheint Herr Bialas völlig auszublenden, ebenso was die Amerikaner neuerdings der EU und vor allem Deutschland abtrotzen werden. Stellt sich die Frage: Müssen sich dereinst die Nachkriegsgenerationen, die diese Entwicklung akzeptieren, als „Mitläufer“ einstufen lassen? Wie praktisch für manche Zeitgenossen, dass die Augenzeugen jener Zeit allmählich aussterben, so können sie sich auf die in zahlreichen Veröffentlichungen festgelegten und erwünschten Wahrheiten berufen.

Max Wagner Lenggries

Was der Herr Bialas in seinem Leserbrief den Kritikern an der amerikanischen Politik vorwirft, ist eine äußerst einseitige Beurteilung, denn eigentlich müsste er wissen, dass die Amerikaner weder vor Kriegseintritt unsere wahren Freunde waren und auch nicht danach, denn sie vertraten und vertreten immer unstreitig ausschließlich ihre eigenen Interessen und zwar bis heute noch! Die von den Amerikanern uns zuteil gewordene „Hilfe“, haben die fleißigen Deutschen auf Heller und Pfennig mit Zins- und Zinseszins zurückgezahlt. Dies war für die Geldgeber ein risikoloses Bombengeschäft und dies scheint Herr Bialas vollkommen auszublenden. Außerdem haben die Amerikaner im 2. Weltkrieg die Russen mit militärischen Material im Kampf gegen die Deutschen kräftig unterstützt und nicht gegen die Russen gekämpft. Dies war übrigens 1941 der eigentliche Grund dafür, dass Deutschland und Italien den USA den Krieg erklärt hatten. Wenn er nun einigen Deutschen vorwirft, dass ihnen dies immer noch nicht klar ist, dann muss er sich die Kritik gefallen lassen, dass er nur die halbe Wahrheit zu Wort kommen lässt! Im Übrigen hat nicht nur er in der Nachkriegszeit hungern müssen, obwohl ich das kaum glauben mag, da er erst 1954 geboren wurde und dieser grausame Krieg bereits 9 Jahre zu Ende war. Da ich bereits 1941 geboren wurde, habe ich als Kind noch den ungeschützten Bombenteppich der Alliierten auf deutsche Städte miterleben dürfen und dies war Völkermord. Wie dem auch sei, das ist alles Vergangenheit und kann nicht mehr geändert werden, aber die friedliebenden Menschen haben ein Gespür dafür, dass das weltweite Zündeln der USA und einiger Verbündeter eines Tages auf Europa zurückfallen könnte und davor hat die Bevölkerung leider berechtigte Angst.

Axel C. Baumgart Rottach-Egern

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