Der Wert des Dialekts

Bairisch reden; Leserbriefe 28./29. Mai

Dass in Altbayern und ganz Süddeutschland immer mehr Angehörige der jüngeren Generationen in einer norddeutsch geprägten Umgangssprache reden und die heimischen Dialekte sowie Hochdeutsch nicht mehr verwenden, hat tiefliegende Ursachen. Die von Frau Grasegger in ihrem Leserbrief vom 28. Mai beschriebenen früheren Aktivitäten des Fördervereins Bairische Sprache im Werdenfelser Land kranken daran, dass ihnen keine Analyse der Ursachen dieses Sprachwandels zugrunde liegt. Ich sehe einen der wesentlichsten Gründe jener Entwicklung darin, dass immer noch viele Menschen das Dialektsprechen mit niedriger Bildung in Verbindung bringen. Dagegen kann man etwas tun, indem man wissenschaftlich begründete Erkenntnisse über den sprachkulturellen Wert des Dialekts und die lernpsychologischen Vorteile des Dialektsprechens in verständlicher Form immer wieder in die mediale Berichterstattung bringt, um auf diese Weise einen Umdenkprozess voranzutreiben. Das ist der Weg, den der Bund Bairische Sprache eingeschlagen hat. Hie und da in Kindergärten und Schulen bairische Lieder singen, kann freilich Freude machen und pädagogisch wertvoll sein, die Ursachen des Dialeksterbens kann man damit aber nicht bekämpfen. In der Ellenbogengesellschaft des Jahres 2016 kann man die Mamas, die um den Bildungserfolg ihrer Kinder besorgt sind, nicht mit Gemütswerten überzeugen, sondern nur mit den handfesten Argumenten, die die hohe Wissenschaft liefert.

Niklas Hilber Oberau

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