Dialekt kein Bildungshemmnis

Experten uneins?; Leserbriefe 17. November

Die Sprachwissenschaft begründet die Entstehung von Hochdeutsch im mittelalterlichen südlichen germanischen Sprachraum mit der nur im Süden vollständig durchgeführten Lautverschiebung. Sie brachte eine von der damaligen Sprache deutlich abweichende Variante hervor. Nicht als Wertbestimmung, sondern angelehnt an die topografischen Verhältnisse, im Süden der bergige, höher liegende Landesteil, im Norden dagegen der flachere, niedere Landesteil, entstand schon früh die Trennung nach Hochdeutsch im Süden und Niederdeutsch im Norden. Somit werden Bairisch und alle anderen Regionalsprachen des Südens korrekt dem Hochdeutschen zugeordnet. Das eigentliche Dilemma ist aber, dass die Auseinandersetzung über Hochdeutsch eine scheinbar generelle Unkenntnis offenbart über regionale Sprachgeschichte. Vorurteile und Gerüchte entstehen, werden vererbt und führen zur Respektlosigkeit im Umgang mit Regionalsprachen und Mundarten. Unkenntnis und fehlender Respekt festigen falsche Behauptungen wie: Dialekt ist ein Bildungshemmnis. Obgleich schon längst widerlegt, hält sich solch ein Unfug über Generationen und beschleunigt das Verschwinden von Regionalsprachen und der mit ihr untrennbar verbundenen, in unserem Fall, bairischen Identität. Es wird allerhöchste Zeit, dass Verantwortliche und Autoren im Schulwesen, in der Politik und in den Medien ihre Allgemeinbildung um regionale Sprachgeschichte erweitern.

 Horst Münzinger 1. Vorstand Förderverein Bairische Sprache und Dialekte, München

Dass in vielen Leserbriefen Bairisch als Hochdeutsch bezeichnet wird, muss ein Begriffsirrtum sein. Das deutsche Sprachgebiet wurde und wird in drei Sprachräume eingeteilt: nämlich in Oberdeutsch, mit Bairisch/Österreichisch und Alemannisch; in Mitteldeutsch mit Fränkisch, Thüringisch, Sächsisch und Hessisch; Niederdeutsch mit Niedersächsisch, Holsteinisch, Mecklenburgisch und andere. Die hochdeutsche Schriftsprache wurde geschaffen, damit ein Dithmarscher Bauer sich mit einem eben solchen aus Niederbayern verständigen kann. Zumal es im wilhelminischen Kaiserreich zehn ethnisch-sprachliche Minderheiten gab. Angefangen von Litauisch im Memelland über Polnisch, Französisch bis zu Dänisch, Friesisch und Sorbisch. Letztere Drei sind noch heute in Deutschland anerkannt. Bedauerlich ist es trotzdem, dass die Dialekte deutschlandweit abnehmen. Bleibt nur zu hoffen, dass die Leserbriefschreiber sich Ihren Dialekt weiterhin sprechen und bewahren.

 Jens Rehders Dachau

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