Alternativenergie mit Infrastruktur für das Auto

Sinnlose Arbeit gegen Klimawandel?, Diesel-Diskussion hält an; Leserforum 14./15. und 12./13. August

Steuervorteile für Diesel? Bei der ganzen Diskussion um die Steuervorteile des Dieselkraftstoffs vermisse ich den Hinweis, dass Besitzer eines Diesel-Pkws eine wesentlich höhere Kfz-Steuer bezahlen müssen. Pkws mit Benzinmotor zahlen 2 Euro pro angefangene 100 Ccm Hubraum und mit Dieselmotor 9,50 Euro. Bei einem Auto mit zwei Litern Hubraum entspricht das einer jährlichen Mehrbelastung von 150 Euro. Wenn die Steuerbegünstigung von 18,4 Cent pro Liter Diesel entfallen sollte, muss auch die Kfz-Steuer auf 2 Euro/100 Ccm Hubraum, wie bei den Benzinmotoren, gesenkt werden. Dann schaut der Steuervorteil für Dieselfahrer bestimmt anders aus. 

Georg Stieglitz Dachau

Die Stellungnahme von Herrn Rainer Erhard findet meine volle Unterstützung. Das derzeit favorisierte Elektroauto kann aus verschiedenen Gründen keine Lösung sein. Einen davon möchte ich kurz erwähnen. Ein in Jever wohnender alter Freund rief mich kürzlich an und beklagte sich dass er von nur 80 m entfernten Windrädern umgeben ist die ihm nun schon den freien Blick zum blauen Himmel verwehren und die Landschaft verschandeln. Herr Erhard weist zurecht darauf hin, dass es in dem sehr billigen, schadstoffarmen und auf lange Sicht zur Verfügung stehenden Gas einen günstigen Ersatz für Diesel und Benzin gibt, welches bisher für Umrüstungen nie in Erwägung gezogen wurde. Eine weitere schnelle Übergangslösung bietet die Hybridtechnik. Auch ich sehe für die fernere Zukunft nur wirkungsvolle Alternativen in der Weiterentwicklung der zurzeit ruhenden Wasserstofftechnologie. 

Walter Wirth München

Hat man sich eigentlich schon einmal Gedanken über die Ursachen des Dieselproblems gemacht? Warum haben die Pkw-Hersteller fast ausnahmslos eine Schmuddelsoftware entwickelt, wo es doch scheinbar viel einfacher gewesen wäre, mit Hilfe einer neuen Motorengeneration das Problem zu lösen? Nur, wer bedenkt denn schon, dass die neuen Grenzwerte, die seit Jahrzehnten immer weiter abgesenkt wurden, eine rein politische Entscheidung sind und sich unter Umständen nicht an der Machbarkeit orientiert haben und inzwischen an Grenzen stoßen?Was wäre denn die Alternative für die Autoindustrie gewesen, wenn zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der neuen Regelung es für viele Firmen keine technische Lösung gegeben hätte, wie es sich jetzt andeutet? Und, wie würde es uns gehen bei einem Absturz der deutschen Automobilbranche auf Grund des Ausfalls der Dieselproduktion? Wenn das alles so wäre, würde die Politik derzeit den Falschen beschimpfen. 

Wolfgang Jahr Wolfratshausen

Wir müssen etwas an unserer Mobilität ändern. Aber ein hartes Verbot von Diesel-Kfz ist nicht zielführend – außerdem bricht unsere Regierung ihre eigenen Vorgaben andauernd. Aber wir haben aktuell eine Antriebstechnologie mit Infrastruktur, die sich für eine Übergangszeit eignet und eine schnelle, spürbare Entlastung auf unsere Straßen bringt – Verbrennungsmotoren mit Flüssiggas (LPG). Ich fahre seit 2009 einen Mercedes C 200 Kompressor mit Flüssiggas-Antrieb. Das Auto ist von Mercedes, Werk Sindelfingen ausgerüstet und gehört einer Kleinserie an, die leider nie offiziell vorgestellt wurde. Ich bin jetzt 193.000 km, davon 99 % mit LPG gefahren. Keine Probleme, alles funktioniert perfekt ohne Reparatur. Die Technologie ist also vorhanden, erprobt, umweltverträglicher und preiswerter. Flüssiggas (LPG) verbrennt praktisch ohne Feinstaub, hat deutlich weniger Stickoxide und circa 21 % weniger CO2-Ausstoß als ein Benzin- oder Diesel-Betrieb. Und die Infrastruktur: Deutschland hat circa 14 000 Benzin-/ Diesel-Tankstellen, 7000 LPG-Tankstellen, 1000 Erdgas-Tankstellen und 30 Wasserstoff-Tankstellen. Das heißt, statistisch hat jede zweite Tankstelle in Deutschland eine Flüssiggas-Zapfsäule. In Europa existieren mehr als 30 000 LPG-Tankstellen. Schwerpunkte sind Deutschland, Polen, Italien. Deshalb meine Forderung an Politik und Autoindustrie: Stärken Sie diese Übergangstechnologie – sofort!

 Ingo Lutze Geretsried

Zeigt sich nicht an diesem Thema überdeutlich, wie unsere aktuelle Gesellschaft tickt? Da hat ein durchaus bedeutender Industriezweig betrogen und trotz der schwierigen Situation werden noch gute Gewinne erzielt und somit wenig Einsicht gezeigt. In den Meinungsbildern und politischen Statements zeigt sich Verunsicherung, Unverschämtheit und Unwissenheit in gleichem Maße. Da rühmt sich die Politik, zur Zeit seien 43 Millionen Bürger in sozialversicherungspflichtiger Arbeit. Die Autoindustrie hat mit Zulieferbetrieben, Handel und Service circa 1.5 Millionen Menschen in Arbeit. Das sind doch eigentlich nur 3,5 %? Damit will ich nicht sagen, die Autoindustrie ist für Deutschland unwichtig. Nein, die Technikführerschaft ist wichtig, oder? Mir ist immer der Gedanke im Kopf: „Wenn ein Pferd tot ist steig ab, und versuche es nicht scheinbar am Leben zu sehen“. In Deutschland versucht man nun mit fragwürdigen Prämien ein totes Pferd, was zugegeben mal gewinnbringend war, weiter am Leben zu halten. Ist das wirklich sinnvoll? Stickoxide schädigen die Gesundheit von Mensch und Tier auf vielfache Weise. Sie reizen die Schleimhäute der Atemwege und der Augen. Probleme macht auch der Feinstaub aus Dieselmotoren, dieser geht in die Lunge und kann tödlich sein. Nach einer kürzlich im Fachblatt „Nature“ publizierten Studie verursacht Feinstaub pro Jahr etwa 3,3 Millionen Todesfälle weltweit. In Deutschland sterben etwa 35 000 Menschen daran. Wir brauchen Lösungen mit Perspektiven, sonst hat unsere Autoindustrie wenig Zukunft, dann verlieren wir hier wirklich Arbeitsplätze. In Deutschland sind zahlreiche Technologien entstanden und dann leider nicht richtig weitergeführt worden. Hier möchte ich mal an den Computer (Zuse), den Wankelmotor, den Transrapid, das Fax, den Fernseher benennen. Wollen wir nun auch den Anschluss und damit die Zukunft der Autoindustrie verdödeln? Die Welt bleibt nicht stehen und wir sind zu klein um ihr unsere Meinung aufzudrücken. Das gilt es zu erkennen und unseren Ingenieuren wieder zu vertrauen, nicht den BWLern (Gier) und Juristen Arbeit zu bescheren. Während meines Berufslebens habe ich erkannt, Lösungen die sich an Realitäten und den betroffenen Menschen orientieren, sind die Besten. Gutes Handeln ist die verantwortbare Gestaltung der Lebenswirklichkeit vieler. 

Siegfried Wüst Mauern

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