Zu viel Verkehr auf zu engem Raum

Streit ums Dieselfahrverbot; Leserforum 2. März, Manuela Dollinger: Wer entschädigt betroffene Diesel-Fahrer?; Geld & Markt, Debatte um Diesel-Autos; Leserforum 1. März

Wenn ich mir die Leserbriefe vom 2. März ansehe, so stellt sich mir die Frage: Was wollen wir eigentlich? Wahrheit, Populismus, Gesundheitsschutz, Klimaschutz oder? Wenn man sich die aktuelle Abgasthematik ansieht, so muss man sich fragen, wer wird hier geschützt, die Autoindustrie, das Klima, die Menschen? Wer betrügt, muss leiden und es in Ordnung bringen, so habe ich es bisher gekannt. Was ist das für eine politische und Wirtschafts-Führungsklientel, muss man sich das bieten lassen? 

Siegfried Wüst Mauern

Bei allem berechtigten Ärger über die Autoindustrie stellen sich nach dem Urteilsspruch und der Ankündigung einiger Städte, Fahrverbote für Diesel zu erlassen, weitere Fragen: Werden diese Städte die enorme Feinstaubbelastung, die durch das Silvesterfeuerwerk (circa 17 % der jährlichen Feinstaubbelastung; siehe UBA www.umweltbundesamt.de/themen/dicke-luft-jahreswechsel) entsteht konsequenterweise auch verbieten? Wird es Fahrverbote für Benziner geben, wenn der Grenzwert für CO2 überschritten wird? Wenn man diese Vorgehensweise konsequent weiter anwendet, wird eine enorme Fülle an Maßnahmen zu erwarten sein. Jeder pickt sich isoliert den Grenzwert heraus, der ihn besonders erzürnt ohne die Verhältnismäßigkeit und die Bedeutung für das Gesamtgefüge zu betrachten und zu bewerten. Zumindest hat man beim aktuellen Vorgehen zum Thema Stickoxide diesen Eindruck. Erstaunlich ist auch, dass die Autoindustrie augenscheinlich sehr saubere Lkw-Motoren bauen kann, dies aber bei den Pkw nicht leistet. Warum eigentlich? Wann wird man endlich sehen, dass es nicht den einen Verursacher gibt, sondern dass es ein Mengenproblem (zu viel Verkehr auf zu engem Raum in den Städten) ist. „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht’s, dass ein Ding kein Gift sei“, wusste schon Paracelsus. 

Axel Jühne Anzing

Jahrzehntelang haben Lobbyisten verhindert, dass intensiv nach alternativen Antrieben für Fahrzeuge geforscht wird. Die gleiche Klientel ignoriert auch weiterhin einige der schlimmsten Dreckschleudern auf der Erde, nämlich Flugzeuge und die Kreuzfahrt-Riesenschiffe, die umweltgefährliches Schweröl verbrennen! Besonders der forschreitenden Flugwut muss endlich Einhalt geboten werden. Es ist doch krank, wenn gewisse Leute über Umweltverschmutzung reden und dann für ein paar Euro in eine andere deutsche Großstadt fliegen, nur mal so zum Shoppen. Fliegen ist ganz klar zu billig! Die Taxifahrt zum Flughafen ist oft teurer als der Flug. Der erste Schritt wäre endlich die längst überfällige Besteuerung von Flugbenzin. Es muss endlich mal klar gesagt werden, was Kerosin für ein Dreckszeug ist und was da ohne jede Abgasfilterung verbrannt wird! Die Reduzierung des Flugverkehrs muss beim Umweltschutz höchste Priorität haben, auch wenn es den Lobbyisten nicht passt! Bei der Feinstaubbelastung in München frage ich mit, ob sich jemals jemand Gedanken gemacht hat, welche Umweltbelastung durch die abertausend Grillfeuer im Sommer in der Stadt entstehen, von den Unmengen Müll, die an der Isar und in Parks entstehen, mal abgesehen. Wie ich beobachten konnte, wird auch gerne mal der Kunststoffabfall in Lagerfeuern verbrannt. Wer von Fahrverboten redet, sollte auch mal über Grillverbote nachdenken! 

Werner Niemeyer Eichenried

Wenn es zu einem Fahrverbot in den Städten nicht kommen soll, dann kann es nur heißen: saubere Dieselfahrzeuge zu nutzen. Die meisten, die bis dato auf den Straßen fahren zählen nicht dazu. Es sei denn, sie werden in der Hardware nachgerüstet und würden somit wieder der vorgegebenen Norm entsprechen. Das Nachrüsten ist aber allein die Aufgabe der Diesellieferanten. Sie wussten von den Normen für die Stickoxid-Emissionen und haben trotzdem diese PKW‘s verkauft. Also sind sie in der Pflicht zu liefern und sie werden liefern, weil sie sich, als eine in der Welt führenden Autobranche, nicht erlauben können, das Beheben von technischen Mängeln an die Verbraucher abzuwälzen. Insofern kann heute der Kauf eines gebrauchten Dieselfahrzeugs durchaus eine solide Option sein. Nachgerüstete Dieselfahrzeuge behalten schließlich ihren Wert. 

Helmut Schmidt Baldham

Bei den Stickstoffdioxid-Grenzwerten von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter geht es nämlich um den Schutz der Allgemeinbevölkerung, besonders aber um empfindliche Menschen. Der Grenzwert soll Säuglinge, Kinder, Kranke, Schwangere oder alte Menschen schützen, die von einem solchen Schadstoff stärker als andere gefährdet werden könnten. Wie man leicht recherchieren kann, sieht es bei manchen anderen Arbeitsplätzen (Stahlkochen, Schweißerei, Autowerkstatt u.ä.), wo durch dieselbetriebene Maschinen Stickoxide entstehen können, anders aus. Für Tätigkeiten an solchen Arbeitsstätten gelten die Vorschriften der Gefahrstoffverordnung. Dort finden sich besondere Grenzwerte, unter anderem für Stickstoffdioxid. Der zentrale Unterschied: Der Grenzwert bei Arbeiten mit Gefahrenstoffen zielt auf gesunde Erwachsene, die in einer definierten Zeit – fünf Tage pro Woche maximal acht Stunden am Tag – diesen Substanzen ausgesetzt sein dürfen. Im Fall von Stickstoffoxid darf dann nicht mehr als 950 Mikrogramm pro Kubikmeter in der Luft sein. Der viel niedrigere Wert für die Außenluft hingegen gilt für alle Menschen und bezieht besonders auch die Schwächsten mit ein. 

Uli Fey Murnau

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Was würde Jesus wohl heute zu Trump sagen?
Krankes Geldsystem;Leserforum 16. August
Was würde Jesus wohl heute zu Trump sagen?
Einfache und veraltete Sicht
Debatte um Flüchtlinge;Leserforum 17. August
Einfache und veraltete Sicht
Fuß vom Gas rettet Rehleben
wer auf Landstraßen entlang von Wäldern und Feldern sein Tempo von 100 auf 80 Stundenkilometer drosselt, der reduziert seinen Bremsweg um 25 Meter.
Fuß vom Gas rettet Rehleben

Kommentare