Diskussion über Corona-Auswirkungen

GesunderMenschenverstand;Leserforum 8./9. AugustBeeinflussbarkeit der Massen; Leserforum 10. August

Eine der herausragendsten Merkmale einer Demokratie ist die Meinungsfreiheit und so sei dem Münchner Merkur auch gedankt für den Austausch divergierender Meinungen in seinem Leserforum. Der „Gesslerhut“ ist von Herrn Kreuels gebührend behandelt worden. Gefährlich wird es aber bei pseudowissenschaftlicher Argumentation wie der von dem Mathematiker Hans-Georg Wolf. Sicherlich richtig ist, dass derzeit die Gefahr, sich in München (dort bewege ich mich und das ist für mich vorrangig relevant) mit dem Sars-CoV-2-Virus zu infizieren, äußerst gering ist, auch wenn Herr Wolf einige Variable, wie persönliche Kontaktraten, durchgeführte Tests, regionale Komponenten, nicht gemeldete Fälle etc. etc. vergessen hat. Aber anstatt dankbar darüber zu sein, dass wir durch kluge Politik und der Disziplin der Mehrheit der Bevölkerung eben genau das hier (noch!) feststellen dürfen, wird exakt dies als Beweis dafür angeführt, dass das Virus kaum eine Gefährlichkeit darstellt. Eine gefährliche, unhaltbare, leider auch verführerische These auf Basis äußerst dünner Mathematik! Früher kannte man keine Impfungen – das alleinige Mittel gegen Virusinfektionen war Isolation (Absonderung von Lepra-, Pest-, Cholera- und Grippekranken). Genau dahin bringen uns solche propagierte Weisheiten wieder. Vielleicht verifiziert der Wissenschaftler Wolf ja seine Thesen anhand des Ausgangsmaterials von Italien, Frankreich, England, den USA, Brasilien und Israel? Damit ist er dann hoffentlich für eine lange Zeit ausreichend beschäftigt.

Peter Hartung

München

Die Leserzuschrift von Herrn Hans-Georg Wolf wollte (und sollte) die Leser zum Nachdenken anregen. Als Ergebnis nennt er 91 Tote und 231 Erkrankte bei derzeit 1535 bestätigten Infektionsfällen von insgesamt 343 000 Einwohnern im Landkreis München. Er kommt zu dem Schluss, dass er keine außergewöhnliche Gefährlichkeit erkennen kann. Mit etwas Bedenken kann man das so sagen. In Wirklichkeit ist es aber eine Folge der bisher von der Regierung getroffenen Maßnahmen. Ohne diese Maßnahmen wäre die Zahl der Infizierten, der (schwer) Erkrankten und der Toten wesentlich höher. Ich überlasse es den Lesern, den Dreisatz der Mathematik auf diese Zahlen anzuwenden.

Dr. Roland Klaiß

Wörthsee


Ich bin außerordentlich positiv überrascht, in einem öffentlichen Medium das erste Mal seit März eine Überschrift zu lesen, die den „gesunden Menschenverstand“ hervorhebt, aus einem Leserbrief herausgenommen, in dem Herr Wolf Zahlen nennt, die die Verhältnismäßigkeit der heutigen Situation beschreiben. Jeder kann Zahlen beim RKI und Statistischen Bundesamt nachlesen und sich über die „Verhältnismäßigkeit“ ein Urteil bilden. Das habe auch ich im März getan und gehöre seitdem zu den „Corona-Zweiflern“, „Corona-Leugnern“, „Covid-Idioten“ usw. Die Wahrnehmung der natürlichen Lebensgrundlagen (Immunsystem, Gesundheit und gesunde Lebensführung) und der Respekt gegenüber dem „Gesunden Menschenverstand“ scheint weitgehend aus dem Blick geraten zu sein. Deshalb als Ergänzung einige „persönliche“ Erlebnisberichte: Die Rassismusdemo in Berlin hatte trotz fehlender Hygieneverordnungen keine Epidemie zur Folge. Die Corona-Demo am 1.8. ebenda hat nun nach 10 Tagen keine Epidemie zur Folge. Völlig unüblich für Medienberichte kam kein einziger Bühnenredner derselben Demo zu Wort. Nach dem Besuchersturm zu Pfingsten auf die bayerischen Berggipfel mit bisherigen absolut einmaligen Überfüllungserscheinungen folgte keine Epidemie im Alpenvorland. Über die „Hotspots“ in der Fleischindustrie und Landwirtschaft gibt es meines Wissens keine einzige Veröffentlichung über die Anzahl der eigentlich Erkrankten, geschweige denn dort Gestorbenen und deren Alter. Die täglichen Statistiken zu Neuinfektionen werden - wissenschaftlich völlig unhaltbar - nicht in ein Verhältnis zu der Zunahme der Tests gesetzt. Die Medien zeigen täglich Berichte von Brasilien, Afrika, USA usw., wie ist es mit Schweden? Einen riesigen, leeren Spielplatz betreten mehrere Familien mit Masken (Erwachsene und ihre Kinder); die Kinder (mit Masken) wenden sich den Spielangeboten zu, die Eltern (mit Masken) ihren Handys. Ein Virus macht an der Landesgrenze Halt: Ich betrete hinter einer Familie, die Masken trägt, eine Tiroler Rezeption und höre, wie der Chef die Gäste sinngemäß anspricht: Sind Sie vergiftet? Oder warum verstecken Sie sich? Ich möchte Ihr Gesicht sehen! Ich verstehe Sie sonst nicht richtig!.... Ich sage für die kommenden Wintermonate eine Zunahme der viralen Infektionen voraus. Dazu muss ich nicht Virologe sein! Es gibt bei uns schon Jahrzehnte, Jahrhunderte, Jahrtausende Erfahrungen - und eigentlich den „gesunden Menschenverstand“!

Klaus Grünebach

Bruck

Gerne lese ich die Leserbriefe aus dem Holzkirchner Merkur. Zum einen aus Interesse an gewissen Themen, wie Politik und speziell Corona und zum anderen aus reinem Vergnügen an den Äußerungen von so manchen Mitbürgern. Es erstaunt mich doch immer wieder wie viele Hobby Wissenschaftler/Mediziner mit Zahlen und Fakten um sich werfen. Die offenkundige Kritik an gefühlt sämtlichen Entscheidungen in der Krise äußern. Sicher besitzen diese Mitbürger neben dem wissenschaftlichen und medizinischen Aspekt eine hohe Führungskompetenz und somit auch einen unheimlichen Weitblick wie es z.B. unserem Herrn Söder (dieser steht ja auch zu gerne im Zentrum der Kritik) anscheinend fehlt. Stellt sich mir also die Frage wieso haben diese engagierten Mitbürger sich in der heißen Corona Phase nicht an die Regierung gewandt und ihr scheinbar großes Know-how geteilt um uns besser aus der Sache zu führen?! Meinungen ändern, Regelungen überdenken, all das bedeutet nicht lügen - sondern sich selbst und seine Entscheidungen zu hinterfragen und an solch enormen Proben zu wachsen. Fehler zu machen und diese eingestehen ist für mich persönlich eine Stärke. Im Nachhinein ist es immer ein leichtes seine Meinung und Kritik zu äußern. Aber in einer Ausnahmesituation - die jeden Einzelnen von uns überrollt hat, vorne hinzustehen und eine Lösung zu finden braucht schon mehr als ein paar altkluge Kommentare so mancher frustrierter Kleingeister. Ich bedanke mich für das Lesen meines Kommentars und freue mich auf die nächsten Wahlen mit so viel neuen, aufstrebenden und intelligenten Nachwuchspolitikern, die uns mutierten Untertanen zeigen, wie man es richtig macht.

Franziska Stückle

Valley

Ich bedanke mich bei Frau Fliegner für ihren freundlichen Leserbrief und bei Herrn Meier und Herrn Schurr für den moderaten Ton der anderslautenden Meinung. Im Interesse einer lebhaften Diskussion, wie von Herrn Redakteur Kreuels gewünscht, sei es mir gestattet, darauf zu erwidern. Liebe Frau Fliegner, was die Politik dazu treibt, gegen den gesunden Menschenverstand an den Grundgesetzeinschränkungen festzuhalten, das kann derzeit wohl niemand mit Sicherheit wissen. Eine Erklärung wäre vielleicht, dass aufgrund der anfänglich mangels gesicherter Informationen sicher verständlichen Maßnahmen die Menschen ein großes Vertrauen in die Regierung entwickelten, was die hohen Zustimmungswerte gerade für die Union zeigen. Angesichts der Wahlen im nächsten Jahr und der Befürchtungen vieler Wirtschaftsexperten, dass die EU schwerste wirtschaftliche Einbrüche aufgrund schlechter Politik in diesem Jahr erlitten hätte, ist dieses neue Vertrauen geradezu ein Geschenk für die sogenannten Altparteien. Es ist auch menschlich verständlich, dass es schwierig bis unmöglich ist, zuzugeben, dass all die fürchterlichen wirtschaftlichen, gesundheitlichen und psychologischen Kollateralschäden unnötig waren, das wäre der Supergau für die Regierungen. Herr Meier, Sie haben völlig recht, Zahnärzte tragen schon immer Schutzmasken bei der Behandlung, sie hängen nämlich direkt über dem Patienten und es geht bei Zahnbehandlungen stark um Bakterien und Kokken, und vor diesen und vielen anderen oralen Keimen schützen die Masken. Masken gehören natürlich in den klinischen Bereich, aber warum soll eine zu 99 % nicht infektiöse Bevölkerung zu einer Maskenpflicht gezwungen werden. Zumal die Masken insbesondere für Kinder mindestens psychologisch eine Katastrophe sind, und das Einatmen unter der Maske von Kohlendioxid, konzentrierten Keimen und Pilzen stellt auch für gesunde, insbesondere aber für anfällige Personen eine schwere gesundheitliche Gefährdung dar. Selbstverständlich darf und soll jeder, der sich mit einer Maske sicher fühlt, eine solche tragen. Herr Schurr, auch Sie haben recht, dass Hygiene und Abstand, und zwar nicht nur wegen Sars Cov2, sondern immer, wenn man an einer Infektionskrankheit leidet, sehr wichtig sind und dass man dadurch seine Mitmenschen schützt. Dass man aber ansteckend ist, ohne Symptome zu haben, das ist ein längst überholtes Gerücht, auch die Weltgesundheitsorganisation hat endlich zugegeben, dass nur Husten, Schnupfen, Halsbeschwerden einen Infizierten zum Ansteckungsrisiko machen. Last not least bedeutet positiv getestet nicht infiziert und infiziert nicht krank, denn der Mensch hat ein Immunabwehrsystem und wird mit den meisten Keimen fertig. Und, Herr Schurr, Sie mögen mir bitte glauben, dass ich nicht gegen das Tragen von Alltagsmasken bin, weil ich jeden Tag bis zu 99 Cent pro Maske sparen will.

Elisabeth Schulz

Valley

„Ich lehne ab, was Sie sagen, aber ich werde bis auf den Tod Ihr Recht verteidigen, es zu sagen“. So zitiert Voltaires Biografin, Evelyn Beatrice Hall, die Meinung des großen französischen Philosophen über die Meinungsfreiheit. Und was geschieht heute, in Zeiten von Corona, des „Klimawandels und der SPD-Politik“? Ich möchte nur 3 aktuelle Ereignisse zur Diskussion stellen: 1. Der Herauswurf von Thilo Sarrazin aus der SPD. Heuchlerischer Grund ist der Vorwurf, er wäre rechtsradikal und AfD Sympathisant. Tatsächlich ist es sein viel diskutiertes Buch „Deutschland schafft sich ab“, in dem er, mag sein überspitzt, die Deutsche Migrationspolitik 2015 kritisierte. Auch heute noch ist es ein Zankapfel, ob es richtig war, ohne jede Absprache mit den europäischen Nachbarn, Millionen von Flüchtlingen, auch solche, die es nur behaupteten, ohne jede Kontrolle nach Deutschland zu holen. 2. Dieter Nur, einer meiner politischen Lieblingssatiriker, er eckt immer wieder an, wenn er fragt „was macht Greta Thunberg, wenn es kalt ist, heizen geht wohl nicht....“ oder seine gnadenlose Kritik an der „#fridaysforfuture-Bewegung“, wenn er sagt: „nicht die Verhinderer werden die Welt retten, sondern die Erfinder“. Und ganz aktuell, wenn er die Wissenschaft, insbesondere im Zusammenhang mit der Deutung des Klimawandels, nicht für absolut unfehlbar hält. Beispiel: das unsägliche Verhalten der DFG ihm gegenüber, ein Wiederaufleben der Inquisition! 3. Die Coronapandemie. Da enthalte ich mich einer privaten Meinung, denn davon verstehe ich nichts, vertraue aber auf die wissenschaftliche Diskussion unter Fach-Virologen und vor allem, auf einen baldigen, wirksamen Impfstoff. Ich bezweifle aber, dass alle, die sich äußern, substanziell etwas davon verstehen. Aufs Schärfste aber verurteile ich die Äußerung von Frau Saskia Esken, welche Kritiker der Coronamaßnahmen generell als „Covidioten“ beschimpft. Vielen Dank

Karl Schlicht 

Anzing

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