Debatte um dritte Startbahn

Dritte Startbahn sorgt für Zündstoff; Leserforum 31. Januar

Prima, dass sich die Herren Söder, Huber & Co. schon vor der Wahl so eindeutig bekennen. Jetzt weiß der Wähler schon heute, wo er bei der nächsten Landtagswahl sein Kreuzchen machen muss (oder nicht). 

Barbara Mayr Moosach

Mit der 3. Startbahn geht es unserer Staatsregierung und Herrn Huber wie den kleinen Kindern, man muss unbedingt das haben, was andere auch haben, und dann hört die Vernunft auf. Dabei könnte man sich mit gutem Gewissen am Drehkreuz London Heathrow orientieren. Heathrow hatte mit 2 Bahnen in 2016 473.199 Flugbewegungen, MUC dagegen „nur“ 394.430. Man sieht, MUC hat für die nächsten 20 Jahre noch genügend Luft nach oben. Hinzu kommt, dass Heathrow aus Lärmschutzgründen grundsätzlich alternierend eine Bahn nur für Starts und die andere nur für Landungen nutzt und sich damit selbst beschränkt. Das britische Verkehrsministerium hat ausgerechnet, dass bei Mischbetrieb (wie bei MUC üblich) die Kapazitätsgrenze für 2 Bahnen bei jährlich 540.000 Flugbewegungen liegt (siehe Flug Revue, Dezember 2008, S. 75ff.) Und noch etwas zu Prognosen: Lt. den von der FMG 2007 veröffentlichten Prognosen müsste die Zahl der Flugbewegungen in MUC bereits 2015 bei 554.000 gelegen haben. Tatsächlich sind es aber sogar in 2016 immer noch 160.000 weniger als für 2015 prognostiziert! Man darf und sollte sich seine Gedanken machen, siehe ganz oben. Und eine Frage an Leserbriefschreiber Höfer: Wie hat sich die Wirtschaftskrise 2008/2009 auf Heathrow ausgewirkt? 

Erich Meier Haag

Am Dienstag kamen die Flughafen Gegner zu Wort am heute am Mittwoch die Fans. Was mir bei beiden Gruppen fehlt, ist Folgendes: Politik und Publikum empören sich zu Recht über Klimawandel, Luftverschmutzung und Umweltschädigung. Meldungen über die Skandale in der Autoindustrie füllen seit Tagen alle Nachrichten. Niemand erwähnt aber, dass vor allem der Flugverkehr erheblichst unsere Luft- und Umweltverschmutzung mit verursacht. Nein, man nimmt die Fliegerei als gegeben hin, ohne Gedanken darüber, was denn daran so wichtig ist. Muss denn von München nach Nürnberg, Stuttgart, Frankfurt, sogar nach Berlin usw. hin und her geflogen werden? Diese Kürzest-Streckenflüge sind so wichtig „wie ein Kropf“. Sie dauern sogar länger als mit der Bahn, obwohl auch dort viel verbessert gehört. Es ist jedoch prestigeträchtig zu f l i e g e n und vor allem billiger als mit anderen Verkehrsmitteln. Nicht wegen großer Wirtschaftlichkeit, sondern wegen der unverschämt hohen Subventionen durch uns die Steuerzahler! Wir finanzieren so unseren Untergang selber! Wer sich die Flugankünfte und Abflüge kritisch anschaut, wird erkennen, dass annähernd die Hälfte aller Flüge solche überflüssigen Inlandsflüge sind. Die könnten und müssten umweltschonend eliminiert werden und man hätte dann auch die nötigen Slots für wirklich Wichtiges. Die Staatskasse wäre entlastet, die Umwelt wäre geschont und der bisher noch gar nicht erwähnte, aber die Gesundheit schädigende Fluglärmterror, wäre erträglicher. Die angebliche Schaffung von vielen Billigjobs? Diese Leute werden in der boomenden Wirtschaft, für sinnvolle Aufgaben, auch so gesucht. 

Hans Pfleger Olching

 Befürworter der 3. Startbahn behaupten gerne, der Flughafen FJS hätte mit seiner Inbetriebnahme den Anwohnern endlich die ersehnten Arbeitsplätze gebracht. Eine glatte Lüge! Richtig ist, dass die Bewohner des Landkreises Freising 1992 sowohl ausreichend Arbeitsplätze, als auch günstigen Wohnraum für sich hatten. Tatsächlich wurde damals in den neuen Bundesländern händeringend nach Mitarbeitern für den Flughafen gesucht. Mit ihnen kamen auch Manager und Industriebosse die, während sie ihre Villen in den hipperen Gegenden der Region bezogen, der Bevölkerung des Münchner Nordens die Welt auf den Kopf stellten. Ihren emsigen Bemühungen - und unter tatkräftiger Hilfe skrupelloser Politiker - haben wir es heute zu verdanken, dass jede Region um München die ihr zugedachte Aufgabe gefunden hat. Da wäre zuerst München: die pulsierende Weltstadt mit Herz, mit Museen, Theatern und Sport - aber bittschön ohne Hauptstadtflughafen. Dann der Süden, Südosten und Südwesten: Eine Mafia aus Politikern und Reichen sorgt dafür, dass zum Beispiel kein Autobahnringschluss im Süden gebaut wird und sie weiterhin die Schönheit der Landschaft genießen können. Am verlängerten Rückgrat als letztes der Norden und Nordosten im An- und Abflugbereich des Flughafens. Wegen der Massen neu zugezogener Bürger aus allen Regionen der Republik gehen die Mietpreise seit langem schon durch die Decke. Und ganz nebenbei verwässern zugleich die alten, kulturellen Strukturen. Und als ob das alles nicht schon genug wäre, donnern über einem die Jets vorbei, wenn man an einem warmen Sommerabend am Haager Badeweiher liegt. Selbst Details lassen sich auf ihren Leitwerken erkennen. In solchen Momenten glaubt man die Abgase ihrer Triebwerke zu riechen. Und mit der 3. Startbahn sollen nun auch die Hopfenfelder der angrenzenden Hallertau mit ihrem Kerosin getränkt werden… Ich sage nur danke Herr Seehofer. Danke Herr Huber. Danke Herr Heimatminister Söder. Danke CSU. Die nächste Landtagswahl kommt. 

Klaus König Haag an der Amper

Es ist durchaus möglich Flugverkehr auf andere Airports zu verlagern. Frachtflug ist am Standort München nicht zwingend notwendig. Das kann auch von Memmingen, Nürnberg oder Hof erfolgen. Problematisch wird der Zuzug von Menschen nach München bei der Schaffung von 10.000 Arbeitsplätzen, denn der hiesige Arbeitsmarkt gibt das nicht her. Auch stellt sich die Frage, wo die Fachkräfte überhaupt herkommen sollen wo es doch jetzt schon einen erheblichen Mangel gibt. Das bedeutet einen enormen Druck auf den Wohnungsmarkt. 10000 Arbeitnehmer heißt durchschnittlich 30.000 Menschen, welche ein bezahlbares Dach über den Kopf brauchen, also um 10.000 Wohnungen, welche es nicht gibt und das bedeutet höhere Mieten und Verdrängung. Dann kommt der zusätzliche Bedarf an Kitas, Schulen und weiterer Infrastruktur dazu bei immer weniger und damit teurem Bauland. Bayern führt in Deutschland bei der Flächenversiegelung und das ist nichts worauf man stolz sein könnte. Auf einer versiegelten Fläche wachsen keine Nahrungsmittel.

Frank Rogalski Straußdorf

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