Anmerkung zu Ernst Nolte

Unterschiedliche Interpretation der Geschichte; Leserbriefe 23. August

Die Leserbriefe konzentrieren sich auf die Aussage, dass das stalinistische Gulag-System ursprünglicher als Auschwitz war. Andere wesentliche Teile von Noltes Geschichtsrevisionismus werden ignoriert. Den unsäglichen Leuchter-Report aus dem Jahr 1988 sah Nolte als Diskussionsgrundlage und hielt ihn für wichtig. Ein gewisser Fred Leuchter hatte damals versucht, den Holocaust zu leugnen, weil er keine Spuren von Blausäure in den ehemaligen Gaskammern des Vernichtungslagers Auschwitz gefunden haben wollte. Der Autor wurde schnell als Hochstapler entlarvt. Neonazis hatten zu diesem Report in den 1990er Jahren in München einen Leuchter-Kongress unter dem geschmacklosen Slogan „Wahrheit macht frei“ veranstaltet. Dieser Kongress kam im Verfassungsschutzbericht in der Rubrik Rechtsradikalismus zu Ehren. Was deutsche Neonazis nicht dürfen, scheint einem konservativen Akademiker wie Professor Nolte erlaubt zu sein. Hier wurde eindeutig die Grenze zum Revisionismus und zur Verharmlosung des Holocaust überschritten. Nolte gestand Hitler einen gewissen Antisemitismus als legitim zu, da es auch Juden unter den Bolschewiken gab. Der CDU-Abgeordnete Martin Hohmann bezeichnete 2003 auf Noltes einseitig abstruser völkischer Argumentation aufbauend die Juden als „Tätervolk“. Als ob es keine jüdischen Menschen gegeben hätte, die den Kommunismus durchaus abgelehnt haben. Martin Hohmann wurde übrigens wegen dieser üblen antisemitischen Entgleisung aus der CDU ausgeschlossen. Der Antisemit Martin Hohmann ist heute übrigens Mitglied der AfD. Wie die AfD-Mitglieder Martin Hohmann und Wolfgang Gedeon beweisen, lebt Noltes Gedankengut in den fest geschlossenen Reihen der AfD ungebrochen weiter. 

Thomas Wagner Murnau

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