Wir-Gefühl

Nationales Denken; Leserforum 19. Dezember

Ich finde, wir sind von Europa nicht weiter entfernt, denn je. Das wäre der Fall, wenn die EU völlig zerbrechen und sich die Nationalstaaten wie früher feindlich und feindselig gegenüberstehen würden. Die EU ist im Gegenteil quicklebendig, funktioniert hervorragend und das ist gut so. Darf ich einmal danach fragen, was nationales Denken denn eigentlich ist? Irgendeine Art des Wir-Gefühls, das sich aber genau genommen nicht näher definieren lässt. Wilhelm Korff nannte es einmal: der gemeinsame Stallmief. Ich bedaure, dass wir gerade in Deutschland nach 150 Jahren preußischem Stallmief unsere tausendjährige Tradition eines umfassenden Wir-Gefühls im Heiligen Römischen Reich vergessen haben, in dem Deutsche, Tschechen, Polen, Italiener, Franzosen und andere im Wesentlichen friedlich unter der Kaiserkrone zusammenlebten. Dass uns dieses Bewusstsein eines größeren Ganzen durch all die Orbans, Kaczynskis, Le Pens, Wilders und wie die Kleinkarierten alle heißen, nicht verloren geht, und wir noch besser schätzen lernen, was wir am gemeinsamen Haus Europa haben, das wünsche ich mir. 

Karodin Tarien München

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