Europa auf der Suche nach Stärke

Debatte um den neuen US-Präsidenten; An Trump scheiden sich die Geister; Leserbriefe 25. und 24. Januar, „Das Ende der alten Weltordnung“; Titelseite, Georg Anastasiadis: Die falsche Antwort; Kommentar 23. Januar

Dass Donald Trump, der neue US-Präsident, seine Erziehung in der Kinderstube im Schnelldurchgang durchlaufen und auch all dieses auch noch vergessen hat, ist Fakt. Seine Aussage „Amerika zuerst“ ist also ein logischer Schluss seiner Denkweise, erst komme ich und ich bin nun mal Amerika. Diese Aussage, bezogen auf „Deutschland zuerst“, wünschen sich nun auch einige in unserm Lande von der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Aber, sie alle beziehen diese Aussage nur und ausschließlich auf die Asylpolitik. Der Wohlstand Deutschlands und damit der unserer Bürger ist sehr stark von den Exporten unserer Industrie und dem Handel unserer Unternehmen abhängig. Dieser Aufgabe folgt unsere Politik in Deutschland, egal unter welcher Farbe die Regierung gerade im Amt ist, unablässig. Und das ist gut so. Ein europäischer Binnenmarkt und ein damit einhergehendes starkes Europa, um sich in einer globalen Welt und einem globalen Welthandel durchzusetzen, sind auch für Deutschland und seine Bürger nur von Vorteil. Europa muss sich auf seine Stärken besinnen und viele in diesem Europa müssen das egozentrische Denken ablegen. Solch ein Denken hat, wie das Handeln des US-Präsidenten Herbert Hoover 1930 schon einmal zeigte, schwere Folgen für die eigene heimische Wirtschaft als auch für die Weltwirtschaft. Das Schuss „Amerika zuerst“ ist dabei nach hinten losgegangen. 

Jörg Sczesny Maisach

Sehr geehrter Herr Anastasiadis, Ihre Schlussfolgerung, Deutschland solle sich mit den europäischen Nachbarn enger zusammentun und gemeinsam mit ihnen seine Interessen vertreten, überzeugt nicht. Sie formulieren damit lediglich einen derzeit häufig gebrauchten Euphemismus, der letztlich nur kaschieren soll, dass Frau Merkel Deutschlands europäischen Nachbarn ihre Vorstellungen oktroyieren möchte. Sinnvoller wäre doch, anzustreben, mit ihnen unsere gemeinsamen Interessen zu realisieren. Hierbei besteht zwischen uns und der Mehrzahl unserer Nachbarstaaten allerdings ein unübersehbarer Dissens. Deutschland ist weder verteidigungsbereit, noch schützt es seine Grenzen, noch packt es die Migrationskrise in konzeptuell nachvollziehbarer Weise an. Solange diese Missstände von deutschen Politikern nicht nachhaltig bereinigt werden, wird die EU weiterhin auf der Suche nach Stärke sein. Erforderliche Abschlüsse mit Herrn Trump dürften deshalb – aus deutscher Sicht – eher verhalten ausfallen.

 Manfred Huber München

Es gibt wenige Gründe, die US-Präsidentschaft unter Trump zu fürchten. Als Geschäftsmann weiß Trump, dass sich langfristig erfolgreiche Geschäftsbeziehungen nur entwickeln, wenn beide Partner gewinnen und nicht einer der Verlierer ist. Wenn einer glaubt, nur er könne der Gewinner sein, wird auch er zum Verlierer. Er weiß, dass Europa die Handelsbeziehungen mit China, Indien, Russland, Südamerika u.a.m. ausbauen kann, wenn die USA ihre verringern wollen. Es gibt auch erste positiv zu bewertende Ansätze für die USA: So gibt Trump der Schaffung von Arbeitsplätzen (Einnahmeseite) Vorrang und nicht dem Ausbau der Sozialleistungen (Ausgabeseite), wie es sozialistisch geführte Länder oft erfolglos versucht haben. Trump geht richtigerweise entschieden gegen die illegale Einwanderung vor. Es ist richtig, dass Trump die lange vereinbarten Eigenleistungen der Nato-Partner zur militärischen Sicherung ihrer Grenzen einfordert. Gefordert ist jetzt auch die EU, ein angesehenes Europa der Vaterländer bei Verteidigung, Grenzschutz, Handel. Außenpolitik etc. zu schaffen. Es fehlt dazu jedoch derzeit eine überzeugende europäische Führungspersönlichkeit. 

Dieter Lewig Holzkirchen

Es wird immer wieder versucht, die Wahl Trumps als illegitim hinzustellen, weil er wie seinerzeit schon George W. Bush nicht die Mehrheit der Stimmen im ganzen Land auf sich vereinigen konnte. Nach dem amerikanischen Wahlrecht ist aber im ersten Schritt festzustellen, auf welchen Kandidaten sich die 50 teilsouveränen Bundesstaaten zuzüglich Washington D. C. festlegen. Hierbei hat Trump in 60 Prozent der Staaten gewonnen und von den Wahlmännern, die die Staaten entsandten, schließlich 57 Prozent der entscheidenden Stimmen. Bei uns ist das Missverhältnis von Stimmgewicht und Bevölkerungszahl noch gravierender, wenn man an Abstimmungen im Bundesrat denkt. Dort müsste zum Beispiel Nordrhein-Westfalen (6 Stimmen) gemessen an der Bevölkerungszahl 18-mal mehr Stimmrechte haben als das Saarland (3 Stimmen), in der EU Deutschland gar 150-mal mehr als Luxemburg. Hätten wir das britische Wahlrecht, säße lediglich ein einziger Grüner (Herr Ströbele) im Bundestag. Insgesamt soll es 250 verschiedene Wahlverfahren auf der Welt geben. Gründe für die einzelnen Verfahren wird es in allen Fällen geben. Es waren sicher keine Hohlköpfe, die sich das alles so ausgedacht haben. 

Winfried Mayer Seefeld

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