Mehr Rücksicht von allen Verkehrsteilnehmern wäre geboten

Die Arroganz der Radfahrer; Leserforum 7. August

Zwei Stellen als Beispiel, an denen ich immer wieder erlebe, dass erfolglos von Radfahrern mit großen Schildern ausdrücklich Rücksicht gefordert wird: Starnberg, Unterführung im Bahnhof am See („Radfahrer absteigen“). Nahezu ohne Ausnahme muss ich Slalom fahrende Radfahrer erleben. Häufig geht das nicht ohne Körperkontakt (Rempler) und Beleidigungen („schleich Dich, Du alter Depp“) ab. Schiebende Radfahrer sehe ich sehr selten. München, Fußgängerzone zwischen Rathaus und Theatinerkirche (Schrittgeschwindigkeit). Auch hier geht es mit Tempo im Slalom durch die Fußgänger durch. Schrittgeschwindigkeit: Totale Fehlanzeige. Neu: auch Herrschaften gesetzten Alters rasen mit dem E-Bike durch. Die Polizei schaut weg. 

Franz Lergenmüller Tutzing 

Es war so was von klar, dass auf den Artikel über die rücksichtslosen Gehwegradler eine Flut an Leserbriefen kommt, die ins gleiche Horn stößt. Die bösen Radler, immer und überall fahren sie gegen Recht und Ordnung und zahlen nicht mal Steuern. Und überhaupt – die armen Fußgänger. Ich möchte – nachdem die Leserbriefe alle Anti-Radler waren, die Seite der Radler einnehmen. Denn es stimmt nicht, dass wir keine Steuern zahlen. Das wäre ja total fein, ist aber nicht so. Lediglich, wer kein Auto hat, zahlt keine Kfz-Steuer. Aber wer keinen Hund hat, zahlt auch keine Hundesteuer. Und woher wissen denn die Leserbriefschreiber, dass der Radler keine Kfz-Steuer bezahlt? Und ja, es gibt rücksichtslose Radler. Über die ärgere ich mich als Dauerradlerin auch. Denn sie bringen sich und andere in Gefahr und schaden dem eigentlich guten Ruf der Radler. Wenn man aber jetzt pauschal über alle Radler schimpft, kann man auch gleich über alle Autofahrer schimpfen (schauen nicht beim Rechtsabbiegen, schneiden Radler, parken auf Radlwegen) und auch über die Fußgänger. Die sind nämlich auch nicht besser. Da kann ein Fußweg noch so breit sein (Waisenhausstraße in Gern) – gegangen wird an der Abgrenzung zum Radweg, auf der Linie. Allein, wohlgemerkt. Fußgänger stehen auch gern an Ampeln in der Radlfurt, obwohl für sie eine Fußgängerstelle vorhanden ist. Sie sehen schon - die Liste ließe sich ewig fortsetzen. Hier ist die Politik gefragt. Sie sollte sichere Radlwege schaffen, die breit genug sind. Damit Radler schnell und sicher voran kommen. Schließlich soll das Radl ja als Auto-Ersatz dienen. An der im Artikel genannten Stelle an der Brienner Straße ist meines Wissens auch auf der Straße kaum Platz zum Radln. Da wird man von den Autofahrern angehupt und geschnitten. Als Alternative erscheint der Fußweg sicherer. Doch da müsste man Rücksicht nehmen, was sich eigentlich von selbst versteht. Am Rotkreuzplatz wurde vor einiger Zeit eine Fußgängerzone eingerichtet. Dass man jetzt aber aus südlicher Richtung den Platz nicht mehr queren kann, ohne abzusteigen, scheint den Planern nicht aufgefallen zu sein. Denn die nächste Straße westlich ist eine Einbahnstraße in die falsche Richtung und auf der Nymphenburger Straße kann man auch nur in Richtung Süden fahren. An der Marsstraße, bei der Spatenbrauerei, stehen regelmäßig die Lkw auf dem Radweg (der ohnehin viel zu schmal ist), die Polizei unternimmt da nichts. Und an vielen Stellen in der Stadt müssen die Busfahrgäste über den Radweg gehen, um zum Wartehäuschen (oder umgekehrt) zu kommen. Hier würde sich ein Blick nach Kopenhagen lohnen, da wurde derartiges entzerrt, wie es sich für eine Radlhauptstadt gehört. Auch diese Liste ließe sich ewig fortsetzen. Es ändert sich nur leider nichts. Mehr Rücksicht von allen wäre geboten, wenn die Politik schon nichts unternimmt. 

Petra Martin München

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