Zurück zur Nüchternheit

„Vielleicht schaffen wir es dann“; Leserbriefe 28. Januar

Die Bibel wird ja dieser Tage oft hervorgezogen und zitiert, allerdings immer im Sinne der Merkelschen Grenzenlos-Politik und der anschließenden Empfehlung nur genug zu beten, dann würde schon alles gut. Die Bibel hat aber - glücklicherweise - für jeden einen passenden Ausspruch parat. Und dieser Spruch aus der Bibel scheint mir doch für die derzeitige Situation in unserem Land sehr sinnig zu sein: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt?“ (Lukas 9,25) Ja, das trifft es haargenau, denn wenn unsere Regierung weiterhin so planlos (nicht) regiert, sind wir tatsächlich auf dem besten Wege, uns selbst zu verlieren und dauerhaft Schaden zu nehmen.

Angelika Winkler Mammendorf

Man kann ja über Seehofer und seine Leute in der Regierung geteilter Meinung sein, aber sie sind immerhin die einzigen, die Druck machen, in einer Situation die man, was die Flüchtlingsfrage betrifft, auch Stillstand nennen kann. In unzähligen Talkshows höre ich die Herren Politiker von CDU und SPD nur immer tönen, wir müssen das, wir müssen dies und wir müssen jenes machen. Was ist passiert bis jetzt? Nahezu nichts! Dass unsägliche Gezänke zwischen den regierenden Koalitionen ist schon fast unerträglich, alles was vom Anderen kommt ist grundsätzlich nicht akzeptabel, auch wenn der Vorschlag gut wäre. Aber er kommt ja von der anderen Partei, wie soll man da sein eigenes Profil schärfen. Die bayerischen Landkreise sind aber jetzt schon nahezu bis auf den letzten Unterkunftsplatz ausgereizt. Bei den Prognosen der Experten von etwa 1 bis 1,5 Millionen Menschen, die in diesem Jahr, wohlgemerkt in diesem Jahr, kommen wollen, wird das eine spannende Angelegenheit. Leider ist, so wie es aussieht, in nächster Zeit auch niemand in Sicht, der es richten wird, also ist der permanente Druck Seehofers nach ganz oben unbedingt von Nöten. Ja, reichlich Kritik üben, aber keine Vorschläge für eine Lösung haben, war schon immer die große Fähigkeit bestimmter menschlicher Spezien.

Hans Huber Erding

Ich lese in diversen Leserbriefen immer wieder die Behauptung, dass der Zustrom von Asylsuchenden zu einem Wirtschaftsboom führen wird, da wir dadurch mehr Wohnungen, Polizei, Sozialarbeiter usw. benötigen. Dieser Unsinn kann nicht unwidersprochen bleiben. All diese Gemeinschaftsausgaben müssen schließlich von Netto-Steuerzahlern erwirtschaftet werden, um die Steuergeldempfänger bezahlen zu können. Die Alternative ist die größere Verschuldung des Staates, damit folgt die Kaufkraft Abwertung des Einzelnen. Es gibt das wirtschaftstheoretische Beispiel des eingeschlagenen Fensters das – angeblich – zu einer wirtschaftlichen Belebung dazu führt, weil das Opfer einen Glaser beauftragen muss, um das Fenster zu ersetzen. Durch die Bezahlung des Schadens hat der Glaser mehr Geld, das er entsprechend ausgeben kann. Dieser Schaden führt also - angeblich - zu mehr Geld und Arbeit in den sich ausbreitenden Kreisen. Was dabei übersehen wird, ist das Opfer, also der mit dem kaputten Fenster. Dem fehlt nämlich das Geld, eventuell für eine dringende Anschaffung, die im besten Fall wertschöpfend ist. Etwa ein neues Werkzeug. Stattdessen hat er nur ein neues Fenster. Es ist also in diesem Beispiel keine zusätzliche Beschäftigung oder ein Gewinn entstanden. Nach Medienberichten sollen alleine die Zahnreparaturen der Asylbewerber Milliarden an Euro verschlingen. Gut für Zahnärzte, schlecht für Beitragszahler, deren Beiträge dafür verwendet werden. Wenn hunderttausende Sozialwohnungen gebaut werden, die Mieten eventuell noch über Hartz IV oder andere Sozialprogramme finanziert werden, wer wird wohl die Rechnung dafür bezahlen?

Bodo Staron Garching

Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlinge aus aller Welt und deutsche Politiker haben eins gemeinsam. Wenn es um Hilfe oder ein besseres Leben geht, dann ist dafür – abgesehen von den kleinen Moralsatelliten Schweden und Österreich – allein Deutschland verantwortlich. Deutschland, das ist das Zentrum ihrer gemeinsamen Welt. So wie einst im Mittelalter die Erde als Mittelpunkt galt, um die sich nach den damaligen Vorstellungen das ganze Weltall drehte. In die Heutezeit übersetzt heißt das: Deutschland, Deutschland vor allen anderen. Geht es vielleicht auch etwas bescheidener? Deutschland ist nicht mehr und nicht weniger nur eines von annähernd 200 Mitgliedern der Staatengemeinschaft unseres Erdballs. In Katastrophen, Kriegsfällen oder Notzeiten ist unser Land so wie alle Mitgliedsländer der Staatengemeinschaft aufgerufen, seinen – nach Lage, Größe, Wohlstand und Wirtschaftskraft – angemessenen Beitrag zur internationalen Hilfe zu leisten. Jeder vernünftig denkende und verantwortlich fühlende Deutsche würde das für gut und richtig halten. Eine Spaltung in Hell- und Dunkeldeutsche bliebe uns erspart. Aber stattdessen spielen sich Regierung und Opposition in Deutschland gemeinsam als die unvergleichlich viel besseren gegenüber dem Rest der Welt auf. Sie sind in moralischem Übereifer überzeugt davon, auch noch die fehlende Hilfe der anderen Staaten, insbesondere der kriegführenden USA, der steinreichen Araberstaaten und sonstigen moslemischen Ländern, ihren eigenen Bürgern auf die Schultern laden zu müssen. Gemessen an dem Hilfebeitrag, zu dem Deutschland verpflichtet wäre, haben wir mit der Aufnahme von 1,5 Millionen allein 2015 bereits ein Vielfaches geleistet. Um des lieben Friedens willen in unserem Land und in Europa, wir müssen zurück zur Nüchternheit. Das leisten, zu dem wir verpflichtet sind, aber nichts mehr. Schluss mit dem moralischen Komasaufen, um sich die Schande der Nazizeit wegzutrinken.

Germut Bielitz Grainau

Mit der Zeit wird es unerträglich die täglichen Diskussionen über richtig und falsch. Die Politik scheint sich nur um den nächsten Wahlkampf zu drehen, um Stimmen und Machterhalt. Es ist an der Zeit, dass alle und damit meine ich alle Gruppierungen, Parteien und Verbände sich an einen Tisch setzen, sachlich abklären um eine beste Lösung zu finden und es kann nur eine beste Lösung geben. Dazu gehört aber Ehrlichkeit, Respekt, Offenheit und Sachlichkeit und kein blinder und schneller Aktionismus. Die Versäumnisse und absehbaren Folgen können im Nachhinein nicht mehr rückgängig gemacht werden. Dafür hat Europa zu lange geschwiegen. Man musste in der Zeit Kapital und Wirtschaftswachstum sichern. Solange aber der ein oder andere nur Nein sagt, weil´s vom anderen vorgeschlagen wurde, wird es diese beste Lösung nicht geben und man versucht weiter durch wortgewaltige Hülsen wie Krise, Katastrophe und anderen Szenarien die Bürger in „Angst und Schrecken“ zu versetzen. Der Nährboden, der uns am wenigsten weiterbringt. Die Globalisierung schreitet immer schneller voran, ebenso die Technik, von allen gewünscht, ob dies der Menschheit wirklich weiser Entschluss? Was geben wir dafür auf? Und jetzt wollen auch noch alle Menschen dieser Erde vom Kuchen, oft nach jahrhundertelanger Ausbeutung von den Industriestaaten noch was davon abhaben. Wie würden wir uns in der gleichen Situation verhalten? Das möge jeder für sich selbst klären. Der Refrain eines Liedes von einem Allgäuer Liedermacher könnte dabei eine Überlegung sein (übersetzt ins Oberbayerische Hochdeutsch):“Ja was hab i denn zum jammern, i´woaß es wirklich it, i hab ja gnuag vo allem, inra Welt wo´s Hunger gibt“. Was ist, wenn der Zeitpunkt kommt, wo Wasser knapp wird oder das Leben in einigen Regionen nicht mehr möglich ist und die Menschen müssen weichen, wie stellen wir uns dann die Lösung vor oder wird es keine geben? Dazu vielleicht auch eine kurze Betrachtungsweise von einem bedeutenden Menschen unserer Zeit, nämlich von Martin Luther King: „Das ist das große Problem der Menschheit. Wir haben ein großes Haus geerbt, ein großes Haus der Welt, in dem wir zusammen leben müssen; Schwarze, Weiße, Morgenländer und Abendländer, Juden und Nichtjuden, Katholiken und Protestanten, Moslems und Hindus, eine Familie, die in Ideen, Kultur und Interessen zu Unrecht getrennt ist. Weil wir niemals wieder getrennt leben können, werden wir lernen müssen, in Frieden miteinander auszukommen. Alle Bewohner der Erde sind Nachbarn. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Thomas Hoschka Vierkirchen

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