Reale Menschen

Ein fast zynischer Rat; Leserbriefe 14. November

Auch ich bin ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe tätig und gebe Deutschunterricht in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Garmisch-Partenkirchen. Ich selbst hatte eine afghanische Familie, Eltern mit zwei Kindern, unter meine Fittiche genommen. Bis sie kurze Zeit später nach Zorneding verlegt wurde. Jetzt kümmere ich mich um einen jungen Mann aus Nigeria, 33 Jahre alt. Damit sein Hirn nicht einrostet, wie er mir erklärte, lernt er nicht nur intensiv Deutsch und hat sich von seinem Taschengeld für 26,50 Euro ein entsprechendes Lehrbuch gekauft. Er hat sich auch bei einem kostenfreien Kurs für Wirtschaftsrecht im Internet eingeloggt. Das über alles entscheidende Interview hat 65 Minuten gedauert und umfasst 4 Seiten. Wie mir der junge Mann glaubhaft versichert, haben sich Interviewerin und Dolmetscher ausführlich über Südafrika ausgetauscht. Und danach wird über die Zukunft eines Menschen voller Begeisterung für seine vermeintlich neue Heimat entschieden. Wir zittern diesem Bescheid entgegen. Es ist etwas anderes, ob man Zahlen liest oder reale Menschen kennenlernt.

 Sibylle Pander Farchant

Frau Zorn bezeichnet die Rückführung eines rechtmäßig abgelehnten Asylbewerbers als zynisch. Afghanistan mag nicht so angenehm sein als Deutschland, aber das Land ist nahezu doppelt so groß, irgendwo sollte es schon einen Landstrich geben an dem es sich einigermaßen sicher leben lässt. Den anderen 35 Millionen Einwohnern mutet man dies schließlich auch zu. Ja, eigentlich sollte man auch erwarten können, dass der zukünftige Rückkehrer seine Heimat und Familie selbst verteidigt und dies nicht Amerikanern und Deutschen überlässt. Die Flüchtlingshelfer unterliegen einem massiven Irrtum, das Asylrecht mit einem Zuwanderungsrecht mit Qualifikationsanforderungen gleich zu stellen. Dies war vom Grundgesetz niemals beabsichtigt. Ich verstehe zwar durchaus, dass bei einer Betreuung eines Asylbewerbers sich durch Empathie auch Solidarität entwickelt und eine Ablehnung zu Enttäuschung führt. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch Gesetze gibt und neben Gefühl auch noch Verstand. Die Flüchtlingshelfer sollten sich darüber im Klaren sein, dass es ihre Aufgabe ist, den Menschen bei ihrem Aufenthalt in Deutschland zu helfen, aber nicht um sie für das Asylrecht zu qualifizieren. Ich habe nahezu 10 Jahre auf dem indischen Subkontinent gelebt und auch ich verspüre große Empathie für die Armen in diesen Ländern. Ich empfinde es daher als schreiende Ungerechtigkeit, wenn eine kleine Minderheit, die es nach Deutschland geschafft hat, durch öffentlichen Druck der Flüchtlingshelfer, auf Kosten der wirklich Armen, die sich kriminelle Schleuser nicht leisten können, eine Vorzugsbehandlung erhielte. 

Josef Sporer Seeshaupt

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