Wäre es gerecht gewesen, diese Menschen zurückzuweisen?

Keine Kriterien; Leserforum 11. Juli, Josef Ametsbichler: Asylhelfer unter Druck; Bayern 10. Juli

In der letzten Zeit lese ich öfter, so auch bei Herrn Steinhilber, die Flüchtlingshelfer seien schuld an der Situation. Dazu möchte ich sagen: Nicht wir Flüchtlingshelfer haben die Menschen ins Land geholt, das war Frau Merkel, und ich frage mich bis heute, welche Motive sie wirklich geleitet haben. Der Großteil der Helfer, und dazu zähle ich mich, waren auf diese Situation nicht vorbereitet und in keiner Weise geschult. Aber nachdem diese Menschen wie Vieh in unsere Gemeinden gekarrt und abgeladen wurden, sind wir einfach dorthin gegangen und haben Kontakt aufgenommen. Und nachdem sie eine Matratze und einen Löffel hatten, wollten sie natürlich nicht nur herumsitzen und grübeln, also haben wir ihnen Deutschkurse und Arbeit besorgt. Zu Anfang hatte ja Frau Merkel noch vollmundig getönt, „wer etwas schaffe, solle eine Chance bekommen“. Also freuten wir uns über alle kleine Fortschritte. Als Frau Merkel merkte, dass ihre Beliebtheitswerte abstürzten, hat sie klammheimlich eine Wende vollzogen und Bayern, im Wahlkampfmodus, hat noch eins oben drauf gesetzt. Im Grunde will man jetzt all die Menschen, die man zuerst geholt hat, mit allen Mitteln wieder aus dem Land schaffen. In der Zwischenzeit hatten wir aber zu den Flüchtlingen als unseren Nächsten Beziehungen aufgebaut, Freundschaften geschlossen, wurden oft wie deutsche Eltern betrachtet. Die Schuld liegt also nicht bei uns, sondern in der Undurchsichtigkeit der politischen Entscheidungen und heimlichen Weichenstellungen. 

Johannes Appelshoffer Moosinning 

Die Veranstalter des Asylgipfels kennen Ursache und Wirkung gut. Menschen die aufgrund der Sicherheitslage in ihren Länder noch lange Zeit bei uns verbringen müssen, verweigert man die Ausbildung und erzeugt damit eine Klientel, für das die Allgemeinheit die Kosten tragen muss. Der Personalbedarf ist da, sie wollen arbeiten, das Amt verbietet es, und Menschen wie sie machen ihnen zum Vorwurf, dass sie nichts tun. Warum klagen sie gegen die Entscheidungen? Wir haben ähnlich Schicksale in Deutschland, sie kamen als Spätaussiedler nach Deutschland. Bei vielen von ihnen wäre es problemlos möglich gewesen zu beweisen, der Großvater oder die Großmutter ist nicht deutsch gewesen. Wäre es gerecht gewesen, diese Menschen zurückzuweisen? Weil bei den Vorfahren ein Russe, Rumäne oder Jugoslawe in den Papieren nachweisbar war? Menschen die im Iran geboren sind, sollen nach Afghanistan abgeschoben werden, weil von dort der Großvater geflohen ist. Kein Grund zum Klagen? Sie werden im Heimatland verfolgt, sie sind im Iran geboren und sollen nach Afghanistan abgeschoben werden, sie sind hier im Laufe der Jahre persönliche Bindungen eingegangen, können aber mangels Papiere nicht heiraten, sie haben sich Existenzen aufgebaut und sind in keiner Weise von Staat abhängig. Aber sie sollen abgeschoben werden. Die Zertifikate für Deutsch verlangt die Behörde, ebenso den Bildungsnachweis. Warum machen sie den Flüchtlingen, die darauf keinen Einfluss haben, sich aber bemühen, die Vorgaben zu erfüllen, daraus einen Vorwurf. Uns fehlen Pfleger in allen Sparten (Kinder-/Kranken-/Altenpfleger) – wollen wir hoffen, dass die, die diesen Beruf lernen, bleiben und uns helfen, wenn wir sie brauchen. Wir sollten den Flüchtlingen erlauben, sich ausbilden zu lassen. Viele von ihnen wollen wieder zurück. Eine gute Ausbildung versetzt sie in die Lage, aktiv am Wiederaufbau mitzuarbeiten, wenn ihre Länder wieder in der Lage dazu sind. Es steht Ihnen völlig frei eine Demo zu veranstalten, sie können das in unserem Land jederzeit beantragen und durchführen. Wir fordern gerechte Verfahren und Anhörungen, wir fordern die Berücksichtigung aller vorgetragenen Fakten. Wir fordern, Flüchtlinge wie Menschen zu behandeln. Nach unserem Grundgesetz: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

 Edith Thorma Wolfersdorf

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