Festung Europa

Eine Sache der Verteilung; Leserbriefe 2. Februar

Damals: eine halbjüdische Familie in Deutschland, der immer mehr die Lebensgrundlage entzogen wurde und die als einzigen Ausweg die Flucht ins Ausland gesehen hat. Aber die Länder ringsum machen dicht. England nimmt nur Kinder auf – der Ehemann kann lediglich mit Bestechung in das weit entfernte Cuba - und die Ehefrau, zunehmenden Drangsalierungen ausgesetzt, hat keine Möglichkeit auszureisen. Die Familie bleibt über Jahre auseinandergerissen und hat später keine Chance wieder zusammenzufinden. Und jetzt: Um die südlichen Mittelmeerstaaten und den dahinterliegenden Ländern toben Kriege, Terror und Hungersnot. Die Menschen ziehen oft monatelang durch Kriegsgebiete, Wüstengegenden und über das Meer, in dem Wissen, daß sie auf diesem Weg der Tod ereilen kann. Und jetzt stehen sie vor der Festung Europa/Deutschland, die ihre Zugbrücken hochgezogen haben und sie in ihrem Elend verharren lässt, obwohl wir dringend auf Zuzug angewiesen sind, allein wenn wir an unsere Sozialsysteme denken. Natürlich erfordern Flüchtlinge Kosten bis sie in unseren Arbeitsmarkt voll einsetzbar sind. Das sind aber nur die, die wir uns mit der geringen Kinderzahl über Jahrzehnte hinweg geglaubt haben, sparen zu können. Hier ließe sich Menschlichkeit mit Eigennutz miteinander verbinden – echter Wille zur Integration natürlich vorausgesetzt. 

Wolfgang Jahr Wolfratshausen

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