Zur Beruhigung

„Prüfung an den Grenzen“; Leserbriefe 15. Januar

Viele Migranten warten auf ihre Interviews, haben noch kein Recht, hierzubleiben. Sie sind in Sicherheit aber nur geduldet. Sie leben in Heimen, oft überfüllt, und auf der Straße, weil ohne Beschäftigung. Ihr Leben ist ohne Sinn. Die Täter aus Köln sind zu ermitteln und zu bestrafen. Die, die keine Täter sind, brauchen weiterhin unsere Hilfe, sie müssen befragt und ggf. integriert werden. Die Kölner Ereignisse sind Wasser auf die Mühlen derjenigen, die immer schon zornig auf Ausländer waren, den Islam ablehnten. Nach Köln verroht der Protest noch mehr, wird noch gewaltbereiter. Mit Worten wird Lunte gelegt, dann fliegen Brandsätze. Die Gewalttaten gegen Ausländer/innen in Deutschland haben sich binnen eine Jahres verdreifacht. Und die Politik reagiert auch. Sie verschärft Gesetze, stockt Polizei auf, ruft nach Grenzkontrollen, Obergrenzen, will die Nation nach außen hin abschotten. Das ist so wie Schreckschusspistolen und Pfefferspray zur Beruhigung kaufen. Die Leserbriefe der letzten Tage im Merkur sind - auch immer wieder – unterstützt durch eine in meinen Augen vordergründige Kommentierung von Herrn Anastasiadis und Frau Bäumlisberger – geprägt von Sorgen, Ängsten, aber auch von Aggressivität, ja Hass. Ich frage mich, wie demokratisch sind wir Deutschen wirklich? Wie selbstbewusst vertrauen wir unserem freiheitlichen System? Die deutsche Mittelschicht hat Frau Merkel gewählt und jetzt, da sie die demokratischen Werte hochhält und eine realistische, umsichtige Politik macht, wird sie von ihren eigenen Leuten, der CSU und den Pegidas vor sich hergetrieben. Statt sich über muslimische Männer und deren Verhältnis zur Sexualität, zu Recht und Freiheit aufzuregen, sollten wir mehr über uns Deutsche reden und über das, was uns als Demokraten wichtig ist. Und wir sollten überprüfen, wie belastbar oder wie brüchig unser freiheitliches System hinter der Wohlstansfassade noch ist.

Rolf Neuhaus Garmisch-Partenkirchen

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