Leserbriefe

Folgen des Mangels an Impfstoff

Schwarzer-Peter-Spiel beim Impfstoff; Leserforum 27. Januar; Christian Deutschländer: Im Großen und

Am Montag habe ich beim Impfzentrum in Ebersberg angerufen und wie schon x-mal vorher erfahren, dass kein Impfstoff vorhanden sei. Ich blieb in der Leitung und fragte dann, wen man fragen könne, wie es mit unserer Online-Anmeldung weitergehe, die schon ein paar Wochen zurückliegt. Die Antwort des Ansprechpartners lautete, er kenne keinen Ansprechpartner. Heute lese ich, dass die Online-Anmeldung beim Impfzentrum in Eberberg nicht funktioniert habe. Wobei nicht klar ist, wer versagt hat. Die Verantwortung – wie üblich in der Politik – wird hin- und hergeschoben. Ich denke, die Online-Anmeldung hätte nicht die Staatsregierung, die schon bei den Tests an der Autobahn versagt hat, sondern ein mit der Digitalisierung erfahrenes Unternehmen übernehmen müssen. Wenn man weiß, auf welchem Niveau heute Datenbanken arbeiten können, ist die Anmeldung der bayerischen Regierung einfach dilettantisch.

Ein paar Defizite: Ehefrau und Ehemann können nicht auf einer Internet-Adresse angemeldet werden. Die Vorerkrankungen sind ungenau erfasst (zum Beispiel Diabetes 1 und 2) und spielen bei der Vergabe offensichtlich auch keine Rolle. Es gibt keine Antwort auf die Fragen, was mit der Anmeldung passiert und welche Stelle man anrufen kann . Ich denke aber, das gesamte System mit der Vergabe telefonischer Anmeldungen bei den Impfzentren und parallel die Online-Anwendung kann - so wie zur Zeit gehandhabt - nicht funktionieren. Die Vergabe der Termine kann nur zentral erfolgen, nicht durch die einzelnen Impfzentren. Diese sollten eine andere Funktion haben. Damit Menschen, die sich nicht digital anmelden können oder wollen, auch erfasst werden, müssten die Impfzentren deren Daten digital erfassen und an die Zentrale weiterleiten. Da in den Impfzentren zur Zeit kein großer Andrang wegen des Mangels an Impfstoff herrscht, ließe sich die Zeit sinnvoll nutzen. Die Vergabe müsste dann zentral erfolgen. Das hätte den Vorteil, dass der Verdacht von Spezi-Wirtschaft, die bei der lokalen Verteilung immer existiert, weitgehend verschwinden würde.

Dr. Günter Knerr

Hohenlinden

Das hat Europa nun davon, dass Angela Merkel ihre Schwester im Geiste gegen das Votum der europäischen Wähler als EU-Kommissionspräsidentin durchgesetzt hat. Man wird zwar nie wissen, ob es unter Manfred Weber besser gelaufen wäre, doch schlechter als die Leyen-Kommissionspräsidentin hätte er es ja kaum machen können. Doch Frau von der Leyen ist sich eigentlich treu geblieben. Das Chaos, das sie bei der Bundeswehr hinterlassen hat, hat sie nun bei der Imfbestellung fortgesetzt. Und wie die Bundeskanzlerin kann und will sie nicht zugeben, dass etwas schiefgelaufen ist. Im Stile eines schlechten Führers gibt sie Mitgliedern ihrer Mannschaft die Schuld und vergisst dabei, dass der Fisch vom Kopf her zu stinken beginnt.

Als ob das noch nicht genug ist, lässt sie noch in alle Welt hinausposaunen, dass eigentlich alles genau auf der richtigen Linie liegt. Da mag man ja fast dem bayerischen Regenten sein „Ich beginne und beende den Lockdown, wie es mir passt“ und der Kanzlerin ihr „Ich entscheide, wann die Bürger ihre Freiheiten zurückbekommen“ verzeihen. Doch nur fast, denn ein Lockdown ohne vernünftige Hoffnung auf ein Ende und Freiheiten, die despotisch genommen und gegeben werden, sind Gift in einem Land, dessen politische Führung wohl vergessen hat, was Demokratie eigentlich bedeutet. Frau Merkel hat Deutschland mit der Kommissionspräsidenten von der Leyen einen Bärendienst erwiesen. Doch das, was wohl für viele eine Politikerkarriere so interessant macht, hat sich auch hier bestätigt, man muss nur genug Mist bauen in seiner Karriere, um auf einen besseren Posten weggelobt zu werden. Praktisch, wenn man eine unfehlbare Kanzlerin als Freundin hat. Erschreckend, wenn man zu den vulnerablen Personen gehört und es zu wenig Impfstoff gibt.

Thomas Münch

München

Ich fasse es einfach nicht. Es hagelt Proteste auch aus der eigenen Partei, und da stellt sich doch glatt Frau Merkel hin und behauptet, dass im Großen und Ganzen nichts schiefgelaufen ist.

Hallo Frau Merkel, Erde an Raumschiff, aufwachen!

In welcher Welt leben Sie eigentlich? In unserer ganz bestimmt nicht. Mittlerweile empfinde ich das ganze Politiker-Gebaren und die endlosen nichtssagenden Diskussionen als eine Frechheit. Die EU klopft sich auf die Schulter, weil sie mehr Impfstoff nachgefordert hat. Wenn ich meine Hausaufgaben nicht zur richtigen Zeit mache, muss ich nachsitzen und nacharbeiten – schon mal was davon gehört? Was läuft da nicht schief? Kann mir mal ein Politiker bitte erklären, was das Ziel der Regierung denn überhaupt ist?

1) Wollen wir einen absolut sicheren Impfstoff? Dann müssen wir in Kauf nehmen, dass das Jahre dauern wird und wir monate- bzw. jahrelang im Lockdown leben. Finanzminister Scholz haut das Geld raus, als gäbe es kein Morgen. Irgendwann brauchen wir dann aber keinen Impfstoff mehr, weil die Menschen bis dahin kaputt sind, und ein Wirtschaftsleben gibt es dann auch nicht mehr.

2) Wollen wir so schnell wie möglich einen Impfstoff?Dann können wir die gefährdeten und wichtigen/sinnvollen Personengruppen schnell impfen und höchstwahrscheinlich viele Todesfälle auch schnell verhindern. Ich frage mich mittlerweile ernsthaft, ob die Rettung der „Alten“ von der Regierung überhaupt wirklich gewollt ist, denn – ich formuliere mal ganz leise und vorsichtig – die überdurchschnittliche Anzahl an Todesfällen in der überwiegend sehr alten Bevölkerung hat Auswirkungen auf den Rententopf.

3) Warum sind die Infektionszahlen ab November sprunghaft in ganz Europa fast zum gleichen Zeitpunkt rasant gestiegen? Hat man Gründe/Erklärungen gefunden? Es ist völlig egal, ob das Virus B 1.1.7 heißt oder XY 123, die Zahlen müssen runter und zwar so schnell wie möglich – oder haben wir alle Zeit der Welt?

4) Wollen wir die Infektionszahlen in einer schlafmützigen Bummelgeschwindigkeit reduzieren oder so schnell wie möglich? Sapperlot, da kommt mir doch der Gedanke, dass eine angepeilte Inzidienz von 50 vielleicht schneller erreicht wird, als es vorgesehen beziehungsweise geplant ist? Dann müssten die versprochenen Lockerungen zwangsläufig folgen. Jetzt könnten wir aber wieder testen, bis die Röhrchen platzen, damit wir die Inzidenz wieder nach oben treiben, damit wir nicht lockern müssen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

5) Wollen wir als EU (kommt immer zuerst) und Deutschland uns auf Teufel komm raus profilieren und gegenüber allen anderen Staaten als barmherziger Samariter dastehen, weil wir die Besten und Tollsten sind und alles richtig machen? Warum wollen wir immer alle dabeihaben und mitnehmen, damit sich bloß kein anderer vielleicht benachteiligt fühlen könnte? Auch an andere zu denken, ist ja grundsätzlich lobenswert, aber wann denken wir Deutsche eigentlich mal an uns? Das muss nicht vorrangig sein wie in den USA, aber zumindest gleichzeitig! Bei uns wird scheinbar alles hundert Mal diskutiert, abgewogen, analysiert und noch mal überprüft, damit ja nichts schief geht und alle zufrieden sind. Jetzt seht ihr Politiker, was ihr angerichtet habt. Wenn ich alle mit ins Boot holen will, dann ist es alleroberste Pflicht, als Kapitän (EU?) das Boot auch so zu steuern, dass die Mitfahrer nicht über Bord gehen! Im Moment haben wir ganz heftigen Seegang – Meuterei auf der Bounty!

6) In welchem finanziellen Verhältnis stehen die Kosten für die Beschaffung von Impfstoffen – und damit baldige Öffnungen und Hochfahren des Wirtschaftslebens – im Vergleich zu den Kosten der Wirtschaftsfolgen, die jeden Monat größer werden? Ganz zu schweigen von den körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen in jeder Bevölkerungsgruppe! Man kann nicht alles mit Geld kaufen.

Da ist nicht nur Vorrücken sehr gefährdet, das bedeutet ganz einfach: Setzen! Sechs!

Ingrid Weidauer

Zorneding

Die aktuelle Diskussion über Öffnungen, speziell für Geimpfte, ist für mich nicht zielführend. Der Grundsatz war und ist es hoffentlich immer noch, dass wir unser Gesundheitssystem nicht überlasten wollen! Wenn wir also den vulnerablen Teil der Bevölkerung, vor allem die Älteren über 70 oder 80 Jahre, geimpft haben beziehungsweise ein Impfangebot gemacht haben, dann dürfen wir uns nicht über Freiheiten/„Privilegien“ nur für diese Gruppe unterhalten, sondern es muss eine Rückkehr zur Normalität für alle geben. Der Logik nach kann ein Junger einen geimpften Älteren nicht mehr anstecken und gefährden, der jüngere Teil der Bevölkerung steckt eine Infektion, mit Ausnahmen, gut weg. Wer sich unsicher fühlt und jegliches Risiko vermeiden will, braucht nicht in Restaurants, Sportstätten, Kulturveranstaltungen gehen, Geschäfte aller Art sollten dabei selbst entscheiden dürfen, ob sie öffnen wollen oder nicht. Wir wissen noch gar nicht, wie wir mit den 16 Prozent Kindern unter 18 Jahren bezüglich Impfen planen können, wollen aber mindestens 60 bis 70 Prozent Durchimpfung der Gesamtbevölkerung erreichen bei einem nicht unerheblichen Anteil Unwilliger. Das kann rechnerisch fast nicht funktionieren in absehbarer Zeit! So lange im aktuellen Zustand verharren und bei niedrigen Inzidenzen auf mögliche Mutationen verweisen, ist zu wenig. Über die Risiken und Nebenwirkungen, nicht nur bezüglich unserer Finanzen und der Wirtschaft, wird ohnehin nicht diskutiert, psychische und physische Gesundheit der Bevölkerung in allen Facetten ist offenbar unwichtig.

Im Übrigen wird über alternative oder sinnvolle Maßnahmen viel zu wenig gesprochen oder berichtet: Der ÖPNV ist für mich logischerweise ein Haupttreiber. Wo sonst befinde ich mich über längere Zeit unter 1,5 Meter Abstand mit vielen Leuten in einem schlecht durchlüfteten Raum? Trotzdem gab es darüber lange keinerlei Diskussionen/Maßnahmen, und jetzt soll das Homeoffice die Lösung sein, obwohl ohnehin schon in vielen Bereichen praktiziert, wo es möglich ist. Lasst zum Beispiel Schulen et cetera mit versetzten Zeiten beginnen, dann kann der (öffentliche) Verkehr entzerrt werden! Setzt Reisebusse, Taxen und deren Fahrpersonal für alle möglichen Zusatztransporte ein! Wir wissen bisher praktisch nichts über die Infektionsquellen, warum bekommt ein Infizierter, der in Quarantäne muss und zwangsläufig Zeit hätte, nicht einen umfassenden Fragebogen zu Beruf, Zusammensetzung Haushalt, Nutzung ÖPNV, Hobbies und vieles mehr? Warum wird nicht zumindest versucht, die Corona-Todesfälle in an C- und mit C-Gestorbene zu unterscheiden? In Lokalteil-Meldungen wird das interessanterweise gemacht. Unter Berücksichtigung, dass wir 2020 circa eine Million mehr über 80-Jährige in der Bevölkerung hatten als 2016, ergäbe sicherlich auch die Interpretation der Übersterblichkeitsstatistik andere Erkenntnisse.

Sämtliche Auswertungen könnten übrigens viele Kurzarbeiter übernehmen, wenn wir mal die unsägliche DSGVO einschränken würden. Rückschlüsse daraus würden einen Lockdown-Rundumschlag, wie wir ihn aktuell haben, sicherlich ausschließen können, und wir könnten gezielt Maßnahmen ergreifen.

Gottfried Jais

Gilching

Der groß angekündigte Impfgipfel erwies sich als große Luftnummer. Vorsorglich wurde die Bevölkerung schon eingestimmt, nicht zu große Hoffnungen bezüglich Lösung der Impfmisere zu hegen. Die eingeladenen Brüsseler Kommissare, zuständig für die Beschaffung des Impfstoffs behaupten, alles richtig gemacht zu haben. Unsere Ministerpräsidenten außer Herrn Söder nicken alle devot und kriecherisch diese Aussage ab. Wir müssten jetzt nach vorne schauen, hieß es, Schuldzuweisungen helfen uns jetzt nicht weiter. Ja, geht es noch! Diese Brüsseler Bürohengste versemmeln die Impfstoffbeschaffung, schachern um Impfstoffpreise, genehmigen aber Hilfsprogramme für EU-Länder in dreistelliger Milliardenhöhe und bestellen zu guter Letzt viel zu spät und viel zu wenig. Jeder Unternehmer, ob klein oder groß, schreibt in seine Bestellungen einen definitiven Liefertermin und vereinbart, wenn der nicht eingehalten wird, eine entsprechende Vertragsstrafe.

Unsere hochbezahlten EU-Beschaffer (Juristen) bringen das anscheinend nicht fertig und gefährden dadurch Menschenleben. Es wäre besser gewesen, wie kürzlich in einem trefflichen Leserbrief Ihrer Zeitung beschrieben wurde, die Impfstoffbeschaffung den Lidl- oder Aldi-Einkäufern zu überlassen, die wissen wie man eine Bestellung formuliert! Unsere Kanzlerin, der ich den guten Willen zur Bewältigung der Pandemie nicht absprechen will, sollte man doch öfter darauf hinweisen, dass sie Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland und nicht EU-Kanzlerin ist. Ich neige immer mehr zu der Auffassung, dass das Konstrukt EU gescheitert ist. Diese Auffassung wird noch bestärkt durch die auffallend schwach agierende Ursula von der Leyen, eingesetzt von Macrons Gnaden. Man hätte es, wie ursprünglich geplant, bei einer Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) belassen sollen.

Engelbert Breitenladner

Miesbach

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