Männliche bornierte Willkürherrschaft

„Religion ist Privatsache“; Leserbriefe 8. Februar

Der Staat sollte so unabhängig wie möglich seine Aufgaben erfüllen. Daher ist u.a. weiter an einer Trennung von Religionen und Staat zu arbeiten. Wie finanzieren sich die Kirchen unserer Nachbarländer (unvollständiger Überblick): In den Niederlanden gibt es keine Kirchensteuer und auch keine staatliche Förderung der Religionsgemeinschaften (nur Spendengelder). Im Zuge der Französischen und der Amerikanischen Revolution wurde in Frankreich und in den USA der Kirchenzehnt abgeschafft. Die Kirchen erhalten eine staatliche Förderung, sind im Wesentlichen jedoch auf Spenden angewiesen. In Italien wird eine obligatorische Kirchen- und Kultursteuer (8?‰ bezügl. Bruttoeinkommensteuer) erhoben. Der Steuerpflichtige kann auf der Steuererklärung angeben, welcher Religionsgemeinschaft die Steuer zugutekommen soll oder ob sie sozialen Zwecken oder dem Staat zufließen soll. In Spanien gilt seit 2007 dasselbe System, jedoch liegt der Steuerbetrag, der der katholischen Kirche oder anderen sozialen und kulturellen Zwecken zufließt, bei 0,7 %. Trifft der Steuerzahler keine Entscheidung, wird das Geld automatisch den „anderen Zwecken“ zugeleitet. De facto zahlen auch Deutsche Staatsbürger, die keiner Religionsgemeinschaft angehören und keine Kirchensteuer zahlen, über ihre Einkommen- oder Lohnsteuer für Religionsgemeinschaften, da der Staat zB die Gehälter der Bischöfe bzw. der Geistlichen bezahlt und Leistungen für diözesan-eigene Schulen, Kindertagesstätten und den Religionsunterricht erbringt. Dies kollidiert mit dem Artikel 3, Absatz (3) des Grundgesetzes. Es ist längst überfällig, den Staat und damit die Bürger (bes. diejenigen, die keiner der Religionsgemeinschaften angehören), von nicht mehr zeitgemäßen Zahlungen an die (großen) Religionsgemeinschaften zu befreien. Nur noch religionsunabhängige (soziale und caritative) Einrichtungen sollten vom Staat bezahlt bzw. bezuschusst werden und nur ein „Ethik- bzw. Religions“-Unterricht, der die wesentlichsten Weltanschauungen möglichst neutral aufzeigt. Die vielen engagierten Laien, die unter dem Dach der Kirche nicht-religiösen, sozialen Dienst am Menschen tun, könnten dies mindestens genauso gut oder vielleicht noch besser im Rahmen von glaubens-unabhängige Laien-Organisationen leisten, welche vom Staat unterstützt werden. Dies wäre gerade im Hinblick auf die unterschiedlichen Konfessionszugehörigkeiten der jetzigen Flüchtlinge von großem Vorteil. Jede einseitige religiöse Beeinflussung, wohl bis zur Volljährigkeit, besonders in den staatlichen Schulen und Kindergärten und damit auch jeder konfessionsbezogene Religionsunterricht und jede Taufe vor der Mündig- bzw. Volljährigkeit sollten unterlassen werden. Andernfalls wird ein Mensch, ohne jegliche Entscheidungsmöglichkeit, in eine Konfession hineingeboren bzw. im Kindes- und Jugendalter zu stark bis oft unveränderbar für eine bestimmte Religion geprägt. Es darf nicht sein, dass die (großen) Kirchen durch die großzügigen staatlichen Zahlungen wieder wie vor dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 Vermögen und damit Macht anhäufen, welches den Bürgern nur zum Teil oder (fast) gar nicht mehr zu Gute kommt. Solange Religionen einen Alleingültigkeits- und Unfehlbarkeitsanspruch für sich erheben, zum Glauben von Offenbarungen und Dogmen, mit doch gewissem Widerstand zum kritischen Hinterfragen, aufrufen, den Sexualtrieb zum Todfeind erheben (katholische Kirche) und offenkundig nicht geschlechterneutral, eher jahrhundertelang frauenverachtend konstruiert zu sein scheinen, sind sie mit Vorsicht zu betrachten bis (leider) gefährlich: Unterdrückung der Wissenschaft (Kopernikus, Galilei, Giordano Bruno...), Kreuzzüge, Inquisition, Hexenverbrennung, IS-Terror im Namen des Glaubens: Tötung „Ungläubiger“. Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu zu den Kölner Übergriffen (6./7.2.2016 im Münchner Merkur): „Frauenverachtung ist geradezu ein Gebot im Judentum, im Christentum und im real existierenden Islam“ Frau Prof. Uta Ranke-Heinemann, erste Frau der Welt mit einer Professur für Katholische Theologie in „Eunuchen für das Himmelreich“ (5.Auflage 02/12, S.201): „Nimmt man die Repressionen gegen die Frauen, ihre Zurückdrängung, Diffamierung und Verteufelung alles in allem, so bedeutet die ganze Kirchengeschichte eine einzige lange Kette männlicher bornierter Willkürherrschaft über die Frau.“ Die Grundsteinlegung hierfür fand bereits in der Genesis statt. Die Frau, nämlich Eva, war es, die primär für den Sündenfall im Paradies und somit für die Erbsünde verantwortlich gemacht wurde und von da ab der Mann über sie herrschen sollte. Weiter Frau Prof. Heinemann: „Die Männerkirche hat niemals begriffen, dass die Wirklichkeit der Kirche sich auf die Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit von Mann und Frau gemeinsam gründet. ... Der christliche Glaube ist zu einem Zölibats-Credo ausgetrocknet.“

Dr. Max Hailmann Egling

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