Leserbriefe

Das Gesetz und das Wohl der Kinder

Corona macht die Lehrer fertig; Bayern 1. Oktober

Ich muss jetzt meinem Ärger Luft machen. Unser Enkel geht in Bad Tölz in die Grundschule. Im dritten Schuljahr hatte seine Klasse zwei Lehrerinnen, von denen eine öfter krank war. Die andere war Lehramtsanwärterin und hat Ende des Schuljahrs die zweite Lehramtsprüfung gemacht. Da die Kinder schon durch die Corona-Maßnahmen viel Unruhe erlebt hatten, hofften die Eltern, dass diese junge Lehrerin die Klasse im entscheidenden vierten Schuljahr vor dem Übertritt weiterführen kann. Sie haben sich bis an die zuständige Stelle in München gewandt und um das Verbleiben dieser Lehrerin bemüht. Die Antwort war, dass das bayerische Schulgesetz die Noten der Prüfung zur Grundlage des Einsatzes vorsehe.

Ich war selbst Grundschullehrerin und weiß, dass die Noten nicht unbedingt etwas über die Qualifikation im Klassenzimmer aussagen. Wir waren immer bemüht, den Kindern in der dritten und vierten Klasse eine Kontinuität zu geben.

Das Ergebnis war, dass diese Klasse eine Lehrerin bekam, die nach zwei Wochen ausfiel. Dann bekamen die Kinder eine Lehrerin der „Mobilen Reserve“, die sie gerne mochten. Aber auch diese wird nach zwei Wochen abgelöst, und sie bekommen wieder eine neue Lehrkraft. Und das in der vierten Klasse! Innerhalb von wenigen Monaten müssen sich die Kinder auf vier Lehrkräfte einstellen! Steht denn das bayerische Schulgesetz über dem Wohl der Kinder?

Irina Thiede

München

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