Geduld, Mut, Toleranz, Langmut

„Gutmensch und guter Mensch“; Leserbriefe 14. Januar

„Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich beherbergt.“ Dieser Satz aus der Bibel sollte Richtschnur des Handelns jedes christlich geprägten Menschen sein. Pater Dr. P. Boekholt stellt diesen wichtigen Satz dankenswerterweise in seinem Leserbrief in den Mittelpunkt. Bevor wir uns allzu spitzfindig über „Gutmensch“ oder „guter Mensch“ unterhalten, sollten wir zuallererst die Werte benennen, die unsere Gesellschaft hoffentlich ausmachen und die wir so lautstark von den nun ankommenden Migranten einfordern: Geduld, Mut, Toleranz, Langmut und vieles mehr. Liest man jedoch den Großteil der Leserbriefe zum Thema Migranten in dieser Zeitung, ist man mehr als betroffen über die groben Vereinfachungen, Pauschalisierungen und Verunglimpfungen. Mit dieser Haltung lässt sich die immense humanitäre Herausforderung der Migration sicher nicht bewältigen.

Monika Reitmajer Oberding

Das Unwort des Jahres 2015 lautet „Gutmensch“ (ein Wort, dass in der deutschen Rechtschreibung im Lexikon nicht zu finden ist). Es gibt nur gute und böse Menschen. Gute Menschen tun das Gute, böse Menschen tun alles andere als Gutes. Was bitte ist das Gegenteil von Gutmensch, ist etwa Bösmensch? Nein, Gute helfen, Böse missachten unsere Hilfsbereitschaft auf das Äußerste, siehe Silvesternacht 2015. Schafft lieber Frieden und Ordnung auf der Welt! Bildet ein Gremium, dass sich um die Sicherheit der Bürger in unserem Land kümmert, haben wir keine anderen Sorgen, als uns um Worte zu streiten? Ein Wort, dass uns Angst macht und bis ins Mark trifft, ist – Selbstmordattentäter.

Karlheinz Dettweiler Haimhausen

Die Gutmenschenjury an den Stellschrauben unseres Wertesystems Sinn und Unsinn des Unworts des Jahres Dass das Wort „Gutmensch“ von wohl eher bildungsfernen und wenig sprachgewandten Zeitgenossen gegenüber wirklich guten Menschen irrtümlich, eigentlich missbräuchlich verwendet wurde, ist ebenso töricht wie bedauernswert. Jemand, der Gutes tut, ob ehrenamtlich oder nicht, hat keine abfällige Titulierung mit sarkastischem Unterton verdient - wohl aber jene, die ihre eigenen naiven Fehleinschätzungen der objektiv absehbaren Konsequenzen von Entwicklungen und Tatsachen militant nach außen tragen. Überall dort, wo der gesunde Menschenverstand verdrängt wird durch (meist links-) ideologisch motiviertes Ausblenden vorhandener Risiken und Perspektiven, ist der Begriff „Gutmensch“ in all seiner Schärfe angebracht. Er soll provozieren und wachrütteln – es handelt sich um eine in ihrer Ironie und Tiefsinnigkeit als Sprachbaustein überaus effiziente und prägnante Vokabel, wenn man diese denn im richtigen Kontext verwendet und auffasst - so man dazu bereit und intellektuell im Stande ist. Es ist schon bemerkenswert, wie ein Gremium ein – ursprünglich auf eine bestimmte Personengruppe mit spitzer Feder sehr präzise gemünztes – Wort absichtlich missversteht, um dessen Verwender, natürlich als politisch ausschließlich dunkelbraun-reaktionär zu verorten, ins Abseits unserer gesellschaftspolitischen Diskussion zu stellen. Zu SED-Zeiten waren derlei Machenschaften in Merkels Heimat sicherlich ein probates Mittel, um kritische Geister kaltzustellen. Umso erschreckender, wie solch tendenziöse Propagandamechanismen nun in unserer ach so freiheitlich-liberalen Sprachkultur und in unserem Medienwesen ihre ideologisch bezweckte Maulkorbfunktion erlangen. Die Political Correctness unserer offensichtlich aus besagten Gutmenschen bestehenden Sprachpolizei in Form einer offensichtlich überforderten Jury ist Ausdruck des von Merkel betriebenen Linksrucks in unserem Land, sonst wäre ja wohl der Begriff mit den weitaus meisten Einsendungen – „Willkommenskultur“ – als Unwort des Jahres gebrandmarkt worden, und zwar zurecht. Ich finde diese Form von Sprachzensur unerträglich. Wenn einige Dumpfbacken besagtes Wort völlig sinnentstellt verwenden, darf das noch lange kein Grund sein, es auf den Index zu setzen. Ich werde es weiterhin benutzen, jetzt noch bewusster und deshalb wohl auch häufiger. Soweit das Statement eines Menschen, der kurz davor ist, Wutbürger zu werden. Ist politisch korrektes Um-den-heißen-Brei-Herumreden wirklich besser als Klartext? Ist das Unwort des Jahres wirklich eine Bereicherung unserer Sprachkultur oder eher ein zensorisch ausgerichtetes Instrumentarium, welches eher als geeignet ist, Misstrauen zu erwecken? Am Ende wundern sich manche über den nächsten Rechtsruck in unserer politischen Landschaft – wundern diese sich wirklich?

 Peter Wimmer Schliersee

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