Leserbriefe

Privilegierte Immobilienbesitzer

Privilegierte Erben;Höhere Freibeträge;Leserforum15. und 17. Januar

Ich muss dem Leserbrief von Frau Reitmajer widersprechen: Immobilienbesitzer werden in Deutschland in vielfacher Hinsicht vom Staat bevorzugt! Nicht nur bei der Erbschaftssteuer, sondern auch bei Leistungen wie Arbeitslosengeld II oder Elternunterhalt bei Pflegebedürftigkeit der Eltern. Ist man lange arbeitslos und rutscht in das Arbeitslosengeld II oder müssen Kinder für pflegebedürftige Eltern aufkommen, so prüft der Staat das Vermögen. Im Regelfall muss das Vermögen bis auf ein eher geringes Schonvermögen komplett verbraucht werden, bevor der Staat einspringt. Besitzt man hingegen eine „angemessene“, selbst genutzte Immobilie, so muss dieses (Immobilien-) Vermögen in keiner Weise angetastet werden. Dabei ist eine „angemessene“ Immobilie bei einer Familie ein Haus, was in München locker eine Million kostet. Provokativ formuliert: Der Millionär muss sein Vermögen nicht antasten, der kleine Verdiener, der lediglich etwas Geld für das Alter zurücklegen wollte, muss es weitgehend verbrauchen, bevor der Staat Leistungen zahlt. Ist das gerecht?

Dr. Peter Rein

München

Danke für Ihren Leserbrief. Mein Erbe: Mein Großvater hatte, als er sich als Handwerkermeister selbstständig machte, ein kleines Haus mit Laden und drei Stockwerken in München gekauft. Natürlich auch mit hoher Bankbelastung. (im Jahre 1912 - das Haus war circa 30 Jahre alt). Dann der 1. Weltkrieg – die kommenden Jahre waren nicht leicht (so ein Haus wurde damals als Rentehaus bezeichnet, da selbstständige Handwerker keine Rentenversicherung hatten).

Dann der 2. Weltkrieg, der dem Haus natürlich viele Schäden zufügte. Dann waren die Zwangseingewiesenen, in jeder Wohnung so viel wie Zimmer. Mieteinnahmen gleich null. Nach dem Krieg mussten die Schäden einigermaßen beseitigt werden. Und als dann die besseren Zeiten kamen, erwartete man ein bisschen Luxus, wie eine Heizung. Also wurde die Fernheizung eingebaut, dann kamen neue Fenster, die Leitungen mussten unter Putz gelegt werden die Bäder neu gefliest.. Usw. usw. Nicht zu vergessen die Auflagen: das Wasser muss kontrolliert werden, man braucht Brandschutzmelder, die energetischen Auflagen betr. Dach. Meine Traben waren zu alt und wassergeschädigt, also war ein neuer Dachstuhl samt Dach nötig. Dann wurde festgestellt, daß das Treppengeländer, 120 Jahre alt, zu niedrig ist und erhöht werden muss. Nebenbei bemerkt – meine Mutter war dement und musste betreut werden.

Und dann denkt man: das Haus ist in Ordnung und kann an die nächste Generation vererbt werden! Aber durch den guten Zustand, in den man es mittlerweile gebracht hat, ist es so wertvoll geworden, dass die Erben es sich nicht mehr leisten können. Ist das gerecht? Und nicht im Sinne meines Großvaters, der dafür geschuftet und gespart hat.

Helga Kronwinkler

Baldham

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