Ingolstadt entlässt Walpurgis - Interims-Nachfolger steht fest

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Lebensräume erhalten

Eine hausgemachte Katastrophe; Leserforum 18. Juli, Dirk Walter: Die unheimliche Stille; Kommentar, Tobias Lill: Die Insekten sterben aus; Bayern 17. Juli

Frau Weber hat vollkommen Recht, dass der Mobilfunk einen hohen Anteil an dieser Katastrophe hat. Es gibt Studien, im Internet einsehbar, die zu dem Ergebnis gekommen sind, dass in vielen Bereichen ohne natürliche Hindernisse wie Berge und Täler bereits ein Milliardstel der aktuellen Sendeleistung dieser Masten ausreichend ist, damit alle Netz haben. In anderen Ländern wird bereits mit viel weniger Leistung gefunkt, und es funktioniert. Eine weitere Ursache für dieses Insektensterben sind immer schärfer werdende Abgasnormen, durch die immer noch kleinere Nanopartikel den Auspuffen regelrecht entschweben. Und hier liegt das Problem: Eben weil diese Partikel immer kleiner werden, bleiben sie länger in der Luft. Lungenatmer werden diese eingeatmeten Partikel nicht mehr los, weil die Flimmerhärchen in den Atemwegen aufgrund der Winzigkeit dieser Fremdkörper ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen können, und bei den Insekten verstopfen sie die Tracheen, in denen der Sauerstoffwechsel stattfindet. Ich bin mittlerweile um jeden alten, rußenden Diesel auf der Straße froh, denn da weiß ich, diese Partikel kann ich sehen. Und wenn ich sie sehen kann, dann fallen sie auch zu Boden und ich kann sie wieder aushusten, wenn ich sie eingeatmet haben sollte. 

Georg Berwanger Großpienzenau

Danke für diesen informativen Artikel. Ich wohne auf dem Land und bin an Insekten gewöhnt. Es tummelten sich immer Schmetterlinge, Bienen, Hummeln, Wespen, Hornissen usw. in unserem Garten. Es wurde in den Jahren immer weniger, aber dieses Jahr freue ich mich über jede einzelne Biene, die ich sehe. Die Schmetterlinge, wo sind sie? Sogar die oftmals lästigen Wespen sind fast wie ausgestorben. Das kann es doch nicht sein! Wo bleibt die Regierung mit ihrer Sorgfaltspflicht gegenüber der deutschen Bevölkerung? Unsere Natur wird ermordet! Viele Blumen, die ich als Kind noch kannte, gibt es schon lange nicht mehr. Es werden jährlich bundesweit circa 700 000 Tonnen Glyphosat in die Erde gesprüht. Die EU-Kommission hat nun angekündigt, mit Merkels Zustimmung, das Pestizid für weitere zehn Jahre zuzulassen. Wie sieht unsere Welt in zehn Jahren aus? Wie erklären wir das unseren Nachkommen, dass unsere Umwelt nur für den Kommerz gestorben ist und nur noch Genprodukte auf unseren Feldern wachsen, weil nur diese Pflanzen resistent gegen Glyphosat sind? Danke, Frau Merkel für die tolle Zukunft! 

Annemarie Schatz Maisach

Sehr geehrter Herr Ralf Ostner, dass auch Ihnen das Insektensterben nicht gleichgültig ist, finde ich löblich. Allerdings bezweifle ich, dass weder Herr Trump noch eine Mehrheit der Merkur-Leser die Studie „Biological annihilation via the ongoing sixth mass extinction signaled by vertebrate population losses an declines“ der National Academy of Sciences of the United States of America kennt. Trotzdem haben wir Ihren Leserbrief in der Sache verstanden. 

Barbara Mayr Moosach bei Grafing

Mit dem Kommentar, dass die Naturschutzverbände sich fragen lassen müssen, den Insektentod genug Aufmerksamkeit geschenkt zu haben bzw. sich nur auf prestigeträchtige Arten wie Seeadler oder Storch zu konzentrieren, zeigt in aller Deutlichkeit, wie wenig die meisten Menschen heute noch von der Natur im Allgemeinen (Artenkenntnisse) und den ökologischen Zusammenhängen (Einnischung, Lebensraumspezialisten, Ökologie, u.a.m) im Speziellen wissen. Storch, Seeadler, Apollofalter, Feldhamster, Fledermäuse, Frauenschuh und andere sind die Flaggschiffarten, die als Aushängeschild für Lebensräume gelten, die überall bedroht sind. Mit den Bemühungen Lebensräume für diese Arten zu erhalten, zu pflegen und vielleicht auch neu zu schaffen, kommen auch hunderte wenn nicht gar tausende weiterer Arten aus Flora und Fauna in den Genuss, bessere Überlebenschancen zu erhalten.

Ein Beispiel: Coptotriche szoecsi, ein winzig kleiner Schmetterling, dessen Raupen in den Blättern des Großen Wiesenknopf fressen, kennt keiner, interessiert auch kaum einen, ihn gibt es aber nur an einer einzigen Stelle in ganz Deutschland! Flaggschiffart? Nein! Hier muss der Große Brachvogel als Vorzeigeart herhalten, um den Erhalt dieser Art zu bewirken. Wir in der Kreisgruppe des Landesbund für Vogelschutz pflegen ca. 30 Hektar ökologisch hochwertiger Lebensräume, darunter seit 1985 die Halbtrockenrasen entlang der Bahnlinie zwischen Buchenau und Schöngeising. Trotz ausgefeilter Pflegemaßnahmen haben auch hier die Bestände von Schmetterlingsarten drastisch abgenommen oder sind gar Arten verschwunden. Da im Umfeld keine landwirtschaftlichen Flächen sind, kommt hier nur der Eintrag von Giften und zu viel Nährstoffen, insbesondere Stickstoff, über die Luft in Betracht. Im Artikel wird der Anstieg der ausgebrachten „Pflanzenschutzmittel“ um das 7,5-fache in nur wenigen Jahren aufgezeigt, da kann man der großartigen Arbeit der Chemielobby nur herzlich danken! Genau hier „liegt der Hund begraben“: Lobbyisten der Großkonzerne kennen nur eins - die Gier nach mehr und immer mehr. Dazu kommen der Flächenfraß durch monotone Gewerbegebiete und Straßenbau und seit einigen Jahren die Spekulation mit bäuerlichen Land. Wo soll diese Gier hinführen? Gibt es mehr und wichtigeres als gut und gesund leben und essen? Das es auch anders gehen kann zeigen die ökologisch wirtschaftenden Landwirte oder auch einige Gemeinden in Franken. Auch das Thema Gärten und was kann jeder Einzelne tun, wurde angerissen. Ausgestreute Blumensamen sind erwiesenermaßen gut anzuschauen, verschönern den Garten oder den Straßenrand, bringen einigen wenigen Arten etwas Positives, aber an dem großen Sterben werden sie nichts ändern. Hierzu würden Zehntausende Gartenbesitzer notwendig sein. Wenn ich mir aber die Kirschlorbeer-, Bambus-, Thujenhecken- und Kiesbeet-Monotonie in den Gärten anschaue, dann kommen mir da so die Zweifel. Dabei gäbe es so unglaublich viele schöne, auch Nahrung und Lebensraum spendende Pflanzenarten. Auch die so oft zitierten Wildbienen-Nisthilfen bringen nur dann etwas, wenn eine Vielzahl von (meist) heimischen Pflanzenarten im Garten angeboten werden. Um hier etwas fundamental zu ändern, ist ein Umdenken auf allen Ebenen absolut vordringlich, sowie eine effiziente und am gleichen Ziel arbeitende Gemeinschaft an Landwirten, Politikern, Naturschützern und allen, die am Leben und an der Vielfalt Interesse haben, notwendig. Dann ändert sich auch etwas zum Positiven! 

Gerald Fuchs

 Gärtnermeister zuständig für die Pflege der LBV-Flächen Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Entomologen, Fürstenfeldbruck

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