Der Staat sollte unbedingt neutral sein

Verzicht auf Heidenspaß; Leserforum 13./14. April

Es kommt noch so weit, dass wir uns wegen unserer christlichen Werte entschuldigen müssen. Aber die Freizeit unserer Feiertage wollen sie alle. Man sollte überlegen, ob Menschen ohne christliche Werte an den Tagen arbeiten dürfen. Dann können sie am Abend Heidenfeste feiern, wenn sie dann noch Lust haben. Am Karfreitag sollten die Menschen zur Besinnung kommen und nachdenken, zu welchen Grausamkeiten die Menschen bis heute fähig sind. 

Ingrid Schröcker Schwabbruck 

Ich bin entsetzt über die intoleranten und teilweise hasserfüllten Leserbriefe zur Berichterstattung über das Urteil zur Karfreitagsruhe und dem Verbot für eine Lehrkraft, im Unterricht ein Kreuz zu tragen! Es wird so getan, als seien Christen in Bayern eine verfolgte und schutzbedürftige Minderheit, dabei gehören ungefähr 77 % der Bayern der katholischen oder evangelischen Kirche an und haben damit das Sagen im Land. Wir konfessionslosen Ungläubigen machen gerade mal 18 % der Bevölkerung aus und sind damit eine Minderheit, die sich, zumindest hier in Bayern bedingungslos unterzuordnen hat. In Bayern haben Konfessionslose kaum eine Chance, verbeamtet zu werden (was natürlich verfassungswidrig ist und deswegen im Verborgenen so gehandhabt und nie öffentlich so begründet wird). Unsere Kinder werden in der Grundschule nach Religionszugehörigkeit auf die Klassen verteilt, das Kreuz hängt in jedem Klassenzimmer, jeder Amtsstube, jedem Krankenhauszimmer, jedem kommunalen Sitzungssaal. Religionsunterricht in der Schule gibt es nur für Christen, alle anderen, ob anderweitig religiös orientiert oder Atheisten, werden in einem undefinierten Ethikunterricht zusammengewürfelt. Wie passt das zu Artikel 3 Absatz 3 in unserem Grundgesetz: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden“? Jetzt wurde uns zugestanden, hinter verschlossenen Türen unter der Bedingung, dass kein Lärm nach außen dringt, am Karfreitag zu feiern (und das auch nur, weil der Bund für Geistesfreiheit als weltanschauliche Gemeinschaft anerkannt wird – also Privatpersonen dürfen auch weiterhin nicht einmal hinter verschlossenen Türen feiern, heißt das im Umkehrschluss) und die Christenheit steht Kopf. Wo bleibt hier die Toleranz, die uns Ungläubigen in Bayern Tag für Tag abverlangt wird? Karfreitag ist, nebenbei bemerkt, ein protestantischer Feiertag, kein katholischer, gilt also für circa 21 % der bayrischen Bevölkerung. Und noch ein Wort zum Kreuz am Hals einer Lehrerin: Wir müssen uns schon entscheiden, ob wir das Tragen religiöser Symbole an Personen, die unseren Staat repräsentieren, während der Ausübung ihrer öffentlichen Funktion dulden wollen oder nicht. Hier Unterschiede zu machen, also zum Beispiel Kopftuch nein und Kreuz ja, ist klar verfassungswidrig. Der Staat sollte hier unbedingt neutral sein, also keine religiösen Symbole in öffentlichen Gebäuden und an staatstragenden Personen und auch kein konfessioneller Religionsunterricht an öffentlichen Schulen, stattdessen ein weltanschaulicher Unterricht, in dem alle Religionen erklärt werden. Das wäre demokratisch und förderlich für ein friedliches Zusammenleben. 

Claudia Wenzl Benediktbeuern

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