Leserbriefe

Frauen in der Kirche

Auf den Anfang schauen; Leserforum 22. MaiMaria braucht kein Update; Leserforum 24. Mai

Frau Kötter von Maria 2.0 sollte sich einer Ausdrucksweise befleißigen, mit der man sie ernst nehmen kann (hierarchische Gebrabbel“), sie sollte nicht unhinterfragte Forderungen in anmaßendem Ton Vorbringen: (Zugang von Frauen in allen Kirchenämtern und Weihen, Aufhebung des Pflichtzölibats). Sie sollte sich erst mir Kirchengeschichte, Studium der Kirchenväter, vor allem mit den Evangelien und der Person Jesu Christi, des Gründers des Christentums, befassen. Auch das Kennenlernen einiger bedeutender Frauen in der Kirche könnte ihr Wissen über dieses Thema etwas erweitern z.B. Teresia von Avila erhielt den Titel Kirchenlehrerin, Katharina von Siena stand mit kirchlichen und weltlichen Größen in Verbindung, brachte den Papst von Avignon zurück nach Rom und betrieb die innere Reform der Kirche. Äbtissinnen tragen einen Bischofsstab wie Bischöfe. Frauen, die Theologie studiert haben oder sogar den Doktor haben, sind an wichtigen Steilen in der Kirche bis hinauf zum Vatikan tätig. Ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, dass viele katholische Frauen an einem Mangel an Selbstwertgefühl leiden, der ihnen die vermeintliche Macht vorenthält, mit der einer Priester z.B. die Wandlungsworte und die Lossprechung spricht. Das ist keine Macht, sondern ein Dienst vor Gott und für die Menschen, den Jesus bis zum bitteren Ende seines Lebens gepredigt und ausgeübt hat. In seinen Abschiedsreden an die Apostel, deren Nachfolger die Bischöfe und Priester sind, gibt er ihnen den Auftrag, einander die Füße zu waschen wie er selbst es an ihnen getan hat und sein wichtigstes Gebot ist: Liebt einander wie ich euch geliebt habe (Joh. 14. und 15. Kap.). Vielleicht würde es besser um die Kirche stehen, wenn alle sich an diese Worte des Herrn halten würden. Abschließend eine Frage: Steht es um Politik, Staat, Wirtschaft, Zusammenleben der Menschen heute besser, weil Frauen zu allen diesen Bereichen Zugang haben? 

Marianne Gottswinter Haar

Mich wundert es, dass Sie so umfangreich über die protestierenden katholischen Frauen von Maria 2.0 berichtet haben. Dadurch entstand ein sehr einseitiger Eindruck von deutschen Katholikinnen. Nicht repräsentiert fühlten sich diejenigen, die selbstbewusst zur Lehre der katholischen Kirche stehen. Zu diesen zählte auch ich. Deswegen haben wir, mehrere junge Frauen, gemeinsam mit Johanna Stöhr die Initiative Maria 1.0 gegründet. Wir denken: Maria braucht kein Update! Denn Maria hat sich nicht verändert, sie steht seit 2000 Jahren für Glaube, Gnade, Treue und Liebe. Niemals hätte sie ihrem Sohn Jesus widersprochen, der nur Männer zu Priestern berief und der gleichzeitig die Gleichberechtigung zwischen allen anderen Männern und Frauen begründete. Jede Frau kann sich intensiv in der Kirche einbringen, ebenso jeder Mann, jeder Jugendliche. Aber Priester zu sein, ist kein Akt der Selbstverwirklichung, sondern ein Akt des Gehorsams Gott gegenüber. Den meisten Katholiken ist das klar. Auch Papst Franziskus hält sich an dieses Vermächtnis. Wir hätten nicht mit so viel Resonanz gerechnet. Auf unserer Webseite tragen sich viele Unterstützer ein. Besonders erfreulich ist, dass Bischof Konrad Zdarsa heute als erster Bischof unser Engagement lobte. Deswegen werden wir uns weiter für die Lehre der Kirche im Sinne der Muttergottes einsetzen. 

Katrin Schwegele München


Inzwischen wirkt die katholische Kirche wie eine Wagenburg, die sich vehement gegen die aktuelle öffentliche Kritik an ihrer Verfassung stemmt. Und natürlich geht es – wie immer auch in Politik und Wirtschaft – um Macht und Privilegien. Und nun auch noch Maria 2.0, eine in Deutschland an Einfluss zunehmende Initiative katholischer Frauen, die ehrenamtlich oder beruflich für die Kirche tätig sind und sich nicht länger auf die Rolle fraglos solidarischer Mitarbeiterinnen reduzieren lassen wollen. Das funktionierte solange, bis das skandalöse Ausmaß des Kindesmissbrauchs durch Priester und Ordensleute und dessen Vertuschung durch die Kirche an die Öffentlichkeit kamen. Der im System einer männerbündischen Hierarchie begründete Faktor, der Frauen keine eigenständige, den Männern gleichgestellte Rolle zubilligte, hatte zu dem einwöchigen Kirchenstreik der überzeugten Katholikinnen geführt. Die früher unvorstellbaren technischen Möglichkeiten, mit Gleichgesinnten weltweit zu kommunizieren, lieferten - wie auch bei der globalen Klimaschutz-Aktion junger Menschen - die sozialen Netzwerke des Internets. Diese Entwicklungen hatte die Kirche nicht auf der Rechnung. Jede Krise birgt eine Chance! Zum zweiten Mal seit der Reformation vor 500 Jahren öffnete sich ein historisches Zeitfenster, das der katholischen Kirche den Ausgang aus ihrer selbst verschuldeten tiefen Vertrauenskrise ermöglichen könnte. Sie sollte dies als römische Kirche - auch in ihrer Eigenschaft als historische Brücke zwischen dem aus dem Vorderen Orient stammenden Urchristentum und dem antiken griechisch-römischen Kulturerbe – zu einer moralischen und strukturellen Erneuerung tatkräftig nutzen. 

Karin Motz-Glasow Schongau

Zwei Streitfragen brennen zurzeit der Kirche besonders unter den Nägeln: Der Zölibat der Priester und die Nichtzulassung von Frauen zu den Weiheämtern. Das Bemühen, besonders von Frauen, das zu ändern, besticht viele und ist aus ihrer Sicht her verständlich, aber ihr Ansatz ist fragwürdig. Dieser sollte überprüft werden. Für viele steht das Geschehen im öffentlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben im Vordergrund. Von daher wird auch die Kirche beurteilt. Aber sie unterscheidet sich diametral von irgendeinem Unternehmen, von einem wirtschaftlichen Betrieb oder einem gesellschaftlichen Zusammenschluss. Hier sind irdische, weltliche Maßstäbe, Kriterien und Programme gefragt. Die Kirche ist anders angelegt, von Gott, dem Schöpfer, und von Christus, dem Sohn Gottes, her. Er ist der neue Maßstab, er gibt die neue Ausrichtung des Menschen vor, der die vergängliche Welt nicht als den Anfang und das Ende von allem sieht, Gott schenkt uns seinen Geist, den Hl. Geist, den Geist der Freiheit, der Loslösung von Bindungen, der Offenheit für die neue Zukunft. Der geweihte Priester steht an der Schwelle: Er gehört der Welt an, aber noch mehr dem Christusgeheimnis, das er in sich trägt, und darum ist er der Lebensführung Jesu verpflichtet, wie die der Apostel und der frühen und späteren Kirche bis heute. Zölibat heißt; Frei sein, selbstlos, ohne irdische Bindung, für Alle da sein und Vater im übertragenen Sinn Beschützer, Hüter, Vermittler der Gnaden Gottes sein, für eine weltweite Familie, neben den Frauen in der Kirche, mit ihren eigenen, mütterlichen Gaben, die in ihrer Weise, gleichwertig und unentbehrlich, in den Gemeinden als liebevolles Bindeglied für das Heil aller mitwirken. Mit Sicherheit gäbe es für diese, den Frauen ureigenen Charismen, noch weitere Einsatzmöglichkeiten, die außerhalb einer amtlichen Beauftragung umso glaubwürdiger gelebt werden können. Das alles muss noch besser in unser Bewusstsein eindringen, dann sind für uns die genannten Probleme ausgestanden. 

Bernhard Glaser München

Den Frauen von Maria 1.0 ins Stammbuch: Liebe Frau Schwegele, als ein evangelischer Christ genieße ich die oft unprätentiösere, schlichtere Art, in der unsere Pastorinnen die Gemeinden führen und die Gottesdienste leiten und fühle mich dabei sehr gut aufgehoben. Ein Umstand, den sich Martin Luther noch nicht vorstellen konnte. Der Frau die Gleichberechtigung vorzuenthalten zieht sich natürlich bis tief in die Antike hin, es scheint aber, dass die katholische Kirche sich in ihrer Geschichte nicht unerheblich angestrengt hat dieses Unrecht zu zementieren. - Wird ein menschheitsgeschichtlicher Fehlstand dadurch richtig, dass man ihn beibehält? Wird eine Lüge, wenn man nicht aufhört sie zu behaupten, irgendwann wahr? Es gehört Mut dazu, sich von Privilegien zu lösen. Der heutige Mann ist Feminist, es wäre ihm peinlich einen geschlechtsbezogenen Vorteil zu genießen, der aus einer Unterdrückung oder Beschränkung der Frau resultiert. Es gehört Mut dazu sich von Priviliegien zu lösen, aber es ist unbedingt richtig, absolut notwendig und längst überfällig.

Ich glaube, Frau Schwegele, dass Ihre resolute Unterwürfigkeit und die Ihrer Mitstreiterinnen von Maria 1.0 der katholischen Kirche, den Katholikinnen und den Katholiken schadet. Lassen Sie mich Ihrem Lernen dienen: Eine andere Maria, Maria von Magdala, wurde katholischerseits durch die Jahrhunderte diffamiert, als Sünderin hingestellt, als Prostituierte verkauft - solange, bis Ihr Papst Franziskus sie 2016 als Apostola Apostolorum rehabilitierte. Die Apostelin der Apostel ist dem Kreis der zwölf mitsamt dem Fels, auf dem Ihre Kirche steht, somit nicht bloß gleichgestellt, sondern übergeordnet worden. Das tut gut, das hat Richtigkeit.

Daniel Eltinger

Ohlstadt

Die katholische Kirche müsste endlich daran gehen, den Augiasstall aus den abergläubiger, finsteren Mittelalter auszumisten. Zum Beispiel das unmögliche Dogma von Hölle und Fegfeuer. „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt“ verkündete damals ein gewisser Tetzel in ganz Europa und fuhrt nicht schlecht dabei. Mit dem so erschwindelten Geld wurde dann die Peterskirche in Rom errichtet. Weder Hölle noch Fegfeuer haben jemals existiert, sondern es sind Bilder aus dem Alten Testament. Die meisten Katholiken glauben jedoch immer noch an diesen Unsinn. Welche Bedeutung sollen dann die Seelenmessen, Seelenrosenkränze u. a. für den Verstorbenen haben? Außer, dass die Kirche damit Geld verdient? Auch Gebete für Verstorbene sind sinnlos. So könnte man lange fortfahren. Ich kann es nicht mehr anders sehen: Wenn die Amtskirchen wieder Fuß fassen wollen, dann werden sie sich an den Freikirchen orientieren müssen. Das sind keine Sekten, wie manch einer glaubt, sondern seriöse Glaubensgemeinschaften auf der Basis der Bibel, die das Evangelium weitgehend so verkünden, wie Christus und die Apostel, also die Urkirche, es taten. Bei denen erfährt man wenigstens, was in der Bibel steht, und Kirchensteuer braucht man auch keine zahlen. Übrigens: Der Glaube an die ewige Höllen-Qual grenzt an Gotteslästerung.

Werner Fuchs

Mühlhausen

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