Kindererziehung daheim

Liebe und Geborgenheit; Leserbriefe 10. Juni, Dirk Walter: Digitale Demenz; Kommentar 9. Juni

Dem Leserbrief von Frau Fischer kann man nur zustimmen. Schlimm genug, wenn eine Mutter ihr Kind nach einem Jahr in die Krippe geben muss, weil sie arbeitet. Aber es gibt zu viele Eltern, die ihr Kind neun Stunden in der Krippe parken, obwohl sie zuhause oder gar in Elternzeit mit einem zweiten Kind sind. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein knapp 2-jähriges Kind lieber neun Stunden in der Krippe verbringt, als mit dem Geschwisterchen bei der Mutter zuhause zu bleiben. Ich bin glücklich und dankbar, dass ich bei unseren vier Kindern zuhause bleiben konnte. 

Sibylle Gutwill Isen

Zu dem von Dirk Walter in seinem Leitartikel thematisierten Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) und bundesweit im Volksmund bekannten Zappelphilippsyndrom möchte ich auf das mittelbairische Pendant „Iwadiwa“ hinweisen, das vor einigen Wochen im Merkur Dialekt-Sprachrätsel „Woaßt-as?“ fälschlicherweise als das „Drunter und Drüber“ übersetzt worden ist. Mir und dem Schriftsteller und Münchner Turmschreiber Josef Fendl ist die Diagnose „des is a Iwadiwa“(Überdüber), gleichbedeutend mit einem Treibauf oder Wiltling, seit unserer Kindheit im Bayerischen Wald ein fester Begriff und gilt mit dem noch treffenderen Synonym „ der hod koan Sitzatn“ als Paradebeispiel für die mundartliche Bildhaftigkeit. 

Sepp Obermeier Konzell

ADHS ist kein Versagen der Eltern oder ein Erziehungsfehler, es ist leider ein sehr kompliziertes Vorgang, in dem Umweltreize, Ernährung und auch Veranlagung eine große Rolle spielen. Allein die Vertrauensbildung zu Mama und Papa ist da kein Allheilmittel. Natürlich ist die Vertrauensbildung gerade in den ersten Lebensmonaten ein Gesichtspunkt, aber dieser ist nicht abhängig von der biologischen Verwandschaft, es muss eine beständige Bezugsperson und eine liebevolle Umgebung sein. Eine Mutter die unter beständiger Existenzangst leidet kann dieses Gefühl ebenso wenig vermitteln wie ein Mensch der seine Arbeit und seine Kontakte vermisst. Tagesmütter und auf Kinderkrippen sind heute keine Aufbewahranstalten mehr sondern qualifizierte liebevolle Pflegestellen. Was ist an einer Ganztagesschule so schlimm? Ein Einzelkind Nachmittags Musikunterricht, Englisch, mindestens 1 angesagte Sportart, Nachhilfe und Hausaufgaben, hier sehe ich die gravierende Fehlentwicklung. Beschäftigung damit sie keine Zeit haben und nicht auf dumme Gedanken kommen. Oder das Gegenteil, nach der Schule TV, Computerspiele, kein Interesse an der Entwicklung des Kindes. Keine Zeit mehr sich zu entwickeln vor lauter Frühförderung und Entwicklungshilfe oder Vernachlässigung. Lieber gut geplante Zeit mit den Kinder zu verbringen, Fahrradtouren, Wanderungen, Rollenspiele, Brettspiele, Freunde der Kinder dazu nehmen oder einfach reden und zuhören auf die Bedürfnisse der Kinder hören auch wenn es schwer fällt akzeptieren „ohne Dich“. Wer Kinder liebt gibt ihnen Wurzeln und zur richtigen Zeit Flügel. Kinder brauchen Freiheit und einen sicheren Landeplatz. Weder Zeit noch Geld und schon gar nicht Chemie sind der Schlüssel. Aber manchmal kann man auf die Chemie nicht verzichten, bis ein gangbarer Weg gefunden ist, der die Chemie überflüssig macht. 

Edith Thorma Neufahrn

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