3 Leserbriefe

Die Nöte der Bauern

Forderungen der Traktor-Armada; Leserforum 30. November/1. Dezember

Eins nach dem anderen, werter Herr Bauern. Die höchsten Agrarsubventionen erhalten Konzerne wie Bayer oder BASF, und z. B. auch das englische Königshaus. Woher haben sie die Zahl 65 200 Euro Gewinn, die jeder (?) landwirtschaftliche Betrieb gemacht hat? Dieser Durchschnittsbetrag errechnet sich aus den Buchführungsergebnissen jener Betriebe, die diese auch für die Statistik bereitstellen. Dass da eher jene dabei sind, bei denen es super gelaufen ist, dürfte auch Ihnen klar sein. Natürlich machen „wir euch satt“. Wer denn sonst? Wächst das alles, was Sie täglich dreimal auf Ihrem Tisch haben, etwa ohne Zutun von irgend jemandem im Supermarkt? Riesige Monokulturen sind hauptsächlich da zu finden, wo sie für Biogas genutzt werden. Und zur von Ihnen kritisierten „dicken Gülleschicht“ ist anzumerken, dass diese – jetzt halten Sie sich fest – ganze 2,7 Millimeter misst. Nicht pro Gabe, sondern in der Jahressumme. Nebenbei bemerkt besteht Gülle zu 90 - 95 Prozent aus Wasser. Auch diese Zahlen können Sie sich bei verschiedenen Organisationen wie LfL oder LKV im Internet besorgen und selber ausrechnen, was wir auf unsere Nutzflächen ausbringen. Und die überwiegend neuwertigen und sündteuren Traktoren laufen meist auf Pump, wie die meisten neuwertigen und sündteuren Autos auf unseren Straßen auch. Sollen wir immer noch mit dem 16er Eicher herumtuckern? Soll der Fortschritt etwa an den Nahrungsmittelerzeugern vorbeigehen? Arbeiten Sie in ihrem Beruf nicht auch lieber mit neuem anstatt altem Equipment? Im vor- und nachgelagerten Bereich hängen ca. 700 000 Arbeitsplätze an der Landwirtschaft. Sparen sie sich Ihr Kopfschütteln lieber für die Politiker auf, die unsere Landwirtschaft am ausgestreckten Arm verhungern lassen, wenn nicht bald der gesunde Menschenverstand in den Parlamenten einkehrt. Und reden Sie MIT uns, statt über uns.

Georg Berwanger

Großpienzenau

Herrn Zöpfl ist für seine Bekenntnisse zu den Landfrauen zu danken. Sie tragen mit ihrer Bodenständigkeit gegen die Anonymität in der Bevölkerung bei. Natürlich gibt es auch bodenständige Stadtfrauen. Was die rasante Ent- wicklung, die auch an der Landwirtschaft nicht vorbeigegangen ist, betrifft: Ich habe sie auch miterlebt, denke gerne zurück, bin aber dankbar für die heutige Zeit. Dank hervorragender Landtechnik, kann man viel verlustärmer ernten. Was eigentlich ein Segen ist, wird zum Fluch gemacht. Wir Bauern sind eine Minderheit, die aber für den wichtigsten Rohstoff der Zukunft, die Lebensmittel sorgt. Der Mensch kann auf vieles verzichten, er braucht aber dreimal am Tag etwas Gutes zu essen. Wir Bauern sorgen dafür.

Sebastian Springer senior

Schalldorf



Das System der EU-Agrarsubventionen: Es handelt sich dabei um eine finanzielle Ausgleichszahlung für die Grenzöffnung zum freien Agrarhandel, um mit unseren hohen Produktionsstandards auf dem Weltmarkt mithalten zu können. In anderen Ländern auf der Erde gibt es beispielsweise keine soziale Absicherung für die Arbeitskräfte in der Landwirtschaft. Dort sind teilweise auch noch eine Fülle an Pflanzenschutzmitteln erlaubt, die hierzulande schon lange verboten sind. Da der heimische Verbraucher diese Standards von uns Landwirten haben möchte, muss er auch einen vergleichsweise niedrigen Betrag von 12 Cent je Tag und Einwohner über die Flächenbeihilfe an die Landwirte zahlen. Im Vergleich zu den Rundfunkgebühren, für die ich beispielsweise 60 Cent je Tag zu entrichten habe, ist dies ein geringer Beitrag, wie ich finde. In Ländern, die dieses System nicht haben (z.B. Norwegen, Island, Schweiz), sind die Lebensmittelpreise um bis zu 60 Prozent höher. Wenn Sie als Verbraucher zusätzlichen Naturschutz von uns Landwirten haben möchten, dann bieten wir diese Dienstleistung gerne gegen Bezahlung an. Sagen Sie einfach was wir machen sollen und wir kümmern uns darum. Viele Landwirte bieten beispielsweise Blühpatenschaften an – vielleicht wäre das ja etwas für Sie? Sie möchten dass wir Gülle reduzieren… Die Alternative zu diesem natürlichen Dünger wäre Kunstdünger – ist Ihnen dieser lieber? Biologische Landwirtschaft ohne Tiere, d.h. ohne Gülle funktioniert beispielsweise überhaupt nicht, weil aufgrund der fehlenden Nährstoffe keine Pflanzen auf den Feldern gedeihen können. Sie möchten Pestizide reduzieren… Dieses Wort gefällt mir gar nicht. Ich verwende lieber den Fachbegriff Pflanzenschutzmittel. Durch Ihre geforderte Reduzierung dieser ist es dazu gekommen dass der Rapsanbau kaum mehr möglich ist, weil kein effektives Beizmittel und kaum mehr Pflanzenschutzmittel zugelassen sind, die für diese Kultur geeignet sind. Raps ist übrigens zentral wichtig für die von Ihnen angeführten Bestäuberinsekten. Die Rapsblüte ist eine der ersten Nektarlieferanten für die Bienen im Frühjahr und aus der Kultur Raps können bis zu 70 Prozent des Jahreshonigertrages eines Bienenvolkes gewonnen werden. Ich verstehe nicht was es den Insekten bringen soll, wenn aufgrund der Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln kein Raps mehr angebaut werden kann. Sie fordern außerdem dass die Bauern alleine die von der EU angedrohten Strafzahlungen von 850.000 € täglich bezahlen sollen… Ich möchte darauf hinweisen dass nicht die Bauern alleine für das Nitrat im Grundwasser zur Verantwortung gezogen werden können. Auch über Streusalz im Winter auf den Straßen, Schneezusätze auf Skipisten und nicht zuletzt über die Nährstoffeinträge durch Vorfluter der Kläranlagen und direkte Einleitung von ungeklärten Abwässern bei Überwasser der Abwassersysteme von Großstädten in die Flüsse kommen große Nitrateinträge in die Umwelt zustande. Natürlich haben auch wir Landwirte Interesse daran, gesundes Trinkwasser für uns und unsere Tiere zu haben. Dazu ein Zitat unserer Bundesumweltministerin Svenja Schulze: „Wir haben das beste Trinkwasser der Welt“ (Sendung: Hart aber fair - Plasberg). Sie monieren dass wir Landwirte Gewinne machen… Ein landwirtschaftlicher Betrieb ist ein Unternehmen und kann nicht nur von Luft und Liebe leben. Ein gewisses Familieneinkommen ist nötig, um Frau, Kinder und Altenteiler ernähren zu können. Außerdem müssen regelmäßig Investitionen in die Zukunft des Betriebes getätigt werden. Sie kritisieren die teuren Schlepper der Bauern… Der technische Fortschritt schreitet voran und hat auch die Landwirtschaft erreicht. Aufgrund neuer Verordnungen müssen die Maschinen mit immer ausgefeilterer Technik ausgerüstet werden. Mir wäre es auch lieber, wenn sie günstiger wären, aber wir brauchen sie nun mal zum arbeiten, auch wenn Sie darüber den Kopf schütteln müssen. Ich schreibe Ihnen doch auch nicht vor, welches Auto Sie zu fahren haben. Sie können mir glauben dass wir Landwirte durchaus wissen, was wir tun. 

Michael Hamburger

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