Leserbriefe

Der Staat hat die Eltern bei der Schulausbildung ziemlich alleine gelassen

Maskenpflicht an den Schulen; Titelseite 1./2. August

So, so, wenn die Infektionszahlen wieder steigen, will die Staatsregierung auf „Online-Unterricht“ oder „Distanzun–terricht“, sogenanntes „Home-Schooling“ umstellen. Als Vater von fünf Kindern (davon drei noch schulpflichtig) erlaube ich mir folgende Bemerkung: Das, was von Mitte März bis Ende Mai abgelaufen ist, war kein „Home-Schooling“. Es war gar kein Schooling! Die Schulen beziehungsweise der Staat haben die Eltern nämlich ab dem sogenannten „Lockdown“ mit der Schulausbildung ziemlich allein gelassen. Daran ändern – jedenfalls in der Realität – auch keine schönfärberischen Berichte von Schulämtern und sonstigen staatlichen Stellen sowie salbungsvolle Worte des Herrn Dr. Söder nichts. Mir kann kein Mensch erzählen, dass hinter dem, was bei uns als Eltern und den Kindern ankam, auch nur ansatzweise eine Leistung stand, die dem entspricht, was ein Lehrer/eine Lehrerin im Klassenzimmer schulalltäglich abliefert.

In der Lehrerschaft wird mehr oder weniger offen von einem „Corona-Sabbatical“ gesprochen, das der Freistaat gönnerhaft in einem vermeintlich fabelhaften Krisenmanagement seinen Beamten hat zuteilwerden lassen. Wenn man ehrlich ist – als Eltern bleibt uns nichts anderes übrig –, dann hat der Staat die letzten Monate einfach seine Leistung eingestellt! Auf das Infektionsgeschehen hatte dieses Staatsversagen – in der Realität – gar keinen Einfluss. Denn statt unter pädagogischer Betreuung – und unter Beachtung von Hygieneregeln – trafen sich die Kinder allenthalben in den Hinterhöfen und Parks sowie Reihenhausanlagen dieser Stadt. Die „politisch Verantwortlichen“ sind jedoch so weit weg von der Realität, dass sie weiterhin glauben, sie hätten etwas bewirkt und müssten nun, bei einer vermeintlich „zweiten Welle“, erneut einfach nur die staatliche Leistung der Bildung von Kindern und Jugendlichen einstellen und alles werde „gut“. Man kann angesichts dieser Naivität durchaus verstehen, wenn immer mehr Menschen glauben, hinter der „Corona-Krise“ stecke System. Denn so viel Ignoranz kann es – noch dazu bei so vielen politischen Verantwortungsträgern, wie wir sie uns leisten – eigentlich gar nicht geben.

Dr. Sebastian Hopfner

München

Dieser Artikel signalisiert: Piazolo/Söder haben in puncto Schule alles im Griff. Bei Stufe 1 bedeutet dies jedoch, dass die Kinder wohl ihre Pause im Klassenzimmer verbringen müssen, damit sie das Pausenbrot essen können. Bedeutet auch, dass fast jede Lehrkraft in jeder Pause Pausenaufsicht hat. Für Vollzeitlehrkräfte Dienst von 7.30 bis 14.30 (mit Förderunterricht) ohne Verschnaufpause. Bei Stufe 2 müssten die Schüler auf das Pausenbrot ganz verzichten und bei Stufe 3 wäre nur zu 50 Prozent Präsenzunterricht möglich. Zudem wird aus der bayerischen Schullandschaft ein Fleckerlteppich, zum Beispiel wird eventuell in Pfaffenhofen Stufe 1 stattfinden und in Nürnberg Stufe 4.

Manuela Reinhardt

Schongau

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