Mehr Schul- statt Leistungssport

„Die Spiele gehen weiter“; Leserbriefe 4. Dezember

Staatlich subventionierter Leistungssport – wofür eigentlich? Gerade hörte ich im Radio, dass für das kommende Jahr 160 Millionen Euro in irgendeinem Etat für die sogenannte Sportförderung eingeplant werden. Und kürzlich war zu hören, dass das zuständige Innen-Ministerium quasi als Gegenleistung von irgendwelchen Sportverbänden eine höhere Erfolgsquote erwarte; also Millionen für Medaillen. Wozu ist das eigentlich gut? In den Schulen hat man die wöchentliche Zahl der Turnstunden von drei auf zwei ermäßigt; wohl weil das zu teuer ist. Und dann erfährt man, dass unsere Kinder immer fetter, unbeweglicher und kränklicher werden. Zwischenschritt: kaum Geld für Schulsport - Millionen für den sogenannten Leistungssport. Und es dürfte hinzukommen, dass die ausgewiesenen 160 Millionen Euro nur ein Teil des effektiven Aufwandes ist; die Spitze des Eisberges. Da werden z.B. Polizisten oder Soldaten beiderlei Geschlechts dazu abgestellt, statt Dienst ausschließlich Biathlon oder Eisschnelllauf zu betreiben. Bei der Winterolympiade z.B. in Vancouver 2010 waren von 153 deutschen Athleten fast die Hälfte, nämlich 63, sogenannte Sportsoldaten. Nicht zu vergessen die fast zahllosen anderen Sportsoldaten, die nicht zur Olympiade (manche nennen sie Dopiade) mitkamen. Und deren aller Salär erscheint natürlich nicht in den Zahlen des Innenministeriums, sondern des Verteidigungsministeriums. Und für diesen „Spitzen“-Sport müssen natürlich teure - in der Anschaffung und im Unterhalt - Sportstätten gebaut werden; z.B. Eislaufzentren. Dies alles mit Steuergeldern, die in den Schulen fehlen! Und wehe, es gibt nicht genug Medaillen! Natürlich ist es schön für das Ego vieler Staatsbürger, im Medaillenspiegel etwa der Olympischen Spiele unser Land vor irgendeinem - manchmal recht kleinen - Nachbarn zu sehen. Aber wo liegt der echte Wert? Und dazu kommt noch, dass dieser sogenannte Leistungssport extrem Doping-gefährdet ist, Und viele Verbände mühen sich redlich, das Thema Doping unter den Teppich zu kehren. Ist ja klar, ohne Doping keine Siege, ohne Siege kein Geld. Man denke nur an den Bund der Radfahrer, der das Thema Doping mehr oder weniger ignoriert hat. Dort fiel es dann letztlich doch auf, woanders (noch) nicht. Und die Verbände selbst: So allmählich kommt ans Tageslicht, dass viele Sportverbände fast mafiöse Strukturen aufweisen und viele Funktionäre primär danach trachten, sich mit Ruhm und Geld zu segnen! Und das sind vielfach die Ansprechpartner unseres braven Innenministers, der sich mit der vagen Hoffnung auf viele Medaillen erpressen lassen muss. Sollte man da nicht anfangen, einmal umzudenken? – Mehr Breiten- und Schulsport statt „Leistungs“- Sport.

 Dr. Friedrich Brych Schwarzhofen

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