Aufbruchstimmung bei der SPD

Vorbehalte gegen Martin Schulz; Leserbriefe 1. Februar, Til Huber: Kandidat im Kreuzfeuer; Politik 31. Januar, Michael Fischer: Alkoholiker, Bürgermeister, Kanzlerkandidat; Politik 26. Januar

Es ist erschreckend zu lesen, mit welcher Polemik und Sachunkenntnis gegen Martin Schulz geschrieben wurde. So machten Rudi Aumiller und Max Lipp Martin Schulz zum EU-Kommissionspräsidenten. Dr. Horst Abel und Max Lipp behaupten, dass Martin Schulz seinen Glauben verraten hätte. Tatsache ist, dass Martin Schulz EU-Parlamentspräsident war – ohne jegliche Exekutiv- und Initiativrechte. Das EU-Parlament hat kein Initiativrecht. Was die religiösen Symbole betrifft, hat der Staat gemäß Verfassung (Grundgesetz) die Religionsfreiheit zu garantieren. Das bedeutet, dass sich der Staat und seine Organe religionsneutral zu verhalten und keine Religion zu bevorzugen haben. Das ist Verfassungsauftrag, nicht mehr und nicht weniger. Nur darauf hat Martin Schulz hingewiesen. Daraus einen Verrat zu konstruieren ist schon sehr daneben. Politiker ist ein Beruf, der keinerlei Bildung voraussetzt und – wie man erleben kann, ist ein akademischer Grad kein Garant für politische Intelligenz. Mir ist ein Mann aus dem Volk, der sich hochgearbeitet und so Achtung verdient hat, allemal lieber als ein abgehobener aalglatter Karriereakademiker mit einer Laufbahn Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal ohne Überzeugung. Ebenso sind mir Politiker, die ihre Karriere als kommunistische Sekretäre für Agitation und Propaganda begonnen haben, nicht geheuer.

 Frank Rogalski Grafing

Als ich am 26. Januar auf Seite 4 die Überschrift des Artikels sah, blieb mir sprichwörtlich die Spucke weg. Es ist Ihnen sicher bewusst, dass es Leser gibt, die nur die Überschriften lesen. Hier bekam man den Eindruck, Herr Schulz wäre immer noch Alkoholiker. Sollte hier bereits einen Tag nach seiner Nominierung die Person verunglimpft werden? Was wollte Herr Fischer damit bezwecken? Ich finde diese Überschrift ungeheuerlich. Ich habe in keiner Zeitung jemals gelesen „Strauß, Alkoholiker, Ministerpräsident“. Obwohl das offensichtlich zutraf. Ich habe Herrn Strauß persönlich gesehen und gehört in den Siebziger-Jahren bei einer öffentlichen Veranstaltung in Veitshöchheim. Er war volltrunken, musste in den Saal geschleppt werden und das nicht im Alter von 20 Jahren! Hat Herr Fischer Angst, dass die SPD in Bayern 1 % mehr bekommt als üblich? 

Birgit Herbert Haimhausen

Martin Schulz wird als Heilsbringer für die SPD und unser Land hingestellt. Für mich ist er ein reiner Eurokrat und der letzte Strohhalm der SPD. In den bisherigen Leserbriefen wurden deshalb auch viele kritische Stimmen laut, die ich nur unterstützen kann. Alle seine Forderungen im Hinblick auf soziale Gerechtigkeit, Kriminalität, bessere Bildung, gerechtere Verteilung der Flüchtlinge etc. hätte er als EU-Parlamentspräsident und seine SPD, die schon Jahrzehnte in Regierungsverantwortung steht, bisher schon wirkungsvoll anpacken können. Doch Fehlanzeige! Seine genannten Ziele sind deshalb nur purer Wahlkampf. Reden und fordern ist eben viel einfacher als konsequent handeln. Er bringt nichts Neues. Seine Aussagen sind Klassenkampf-Parolen aus den 50er und 60er Jahren. Und genau diese Politik wäre auch zu erwarten, wenn Rot-Rot-Grün regieren würde. Das kann nicht die Zukunft unseres Landes sein. Was wir bräuchten, wäre ein junger, moderner und ideenreicher Politiker, wie es Karl-Theodor zu Guttenberg ist. Das würde einen Schub für unser Land bedeuten. Und sollte das nicht zu verwirklichen sein und Angela Merkel wieder unsere Kanzlerin werden, dann sollte zumindest die CSU starke Persönlichkeiten nach Berlin schicken, um mehr Einfluss ausüben zu können. Dies wäre immer noch besser, als wenn SPD, Grüne und Linke unser Land in den Sozialismus treiben würden. 

Peter Blüml Schongau

Die punktgenaue Buchpräsentation und der Schachzug des Rücktritts von Gabriel, taktisch klug, aber Aufbruch mit Schulz? Man rechne mal die offiziellen Staatsschulden, 2,5 Billionen bei 80 Millionen Bürger ergibt für jeden 30 000 Schulden – 1998 brach die SPD auch auf, EU-Verträge umgesetzt, obwohl Dutzende vor dem Abenteuer warnten, Griechenlandbeitritt, die Hartz-IV-Gesetze, die Vorstufe zur Einheitsrente – aber nicht für Beamte. Die Personen werden ausgetauscht. Das Elend, was die Politiker in den letzten 26 Jahren angerichtet haben, bleibt. Völker im Schuldenwahn der Eliten – fehlt nur noch die Bargeldabschaffung. Auch ein Schulz wird die Züge, die über das Volk wegrollen nicht aufhalten.

 Helmut Kühn Murnau

Schulz - der neue SPD-Hoffnungsträger So hat nun die SPD einen Heilsbringer und es herrscht eine Euphorie. Oppermann und Stegner werden sich grün und blau ärgern, dass ihnen ein abgehalfterter Europa-Abgeordneter vor die Nase gesetzt wurde. Ich halte nichts von „Hoppla, jetzt komm ich - Typen“. Ich will zuerst einmal Leistung sehen und das fehlt bei Schulz bisher gänzlich. Nur gut reden können - das ist mir zu wenig. Schulz war federführend in dem überbezahlten Club der Besserwisser, die mit zum Teil hirnrissigen Entscheidungen vernünftige Ergebnisse der einzelnen Mitgliedsstaaten überstimmt haben. England hat es als erstes kapiert. Wer lange Jahre teilweise viel Blödsinn produziert hat, kann sich nicht innerhalb von Tagen um 180 Grad drehen. Die SPD wird bestimmt bald merken, dass nur dumme Sprüche nicht zum Regieren reichen. 

Nikolaus Klotz Germering

Das Kreuzfeuer ist berechtigt, und Herr Matthias Jung, Chef der Forschungsgruppe Wahlen muss schon unterstützt werden. Denn noch ist das Rennen bis zur Bundestagswahl nicht gelaufen! Wenn sich Herr Schulz nach wie vor weigert, eine eventuelle Koalitionsaussage zu machen, zeigt er sich als völlig unrealistisch. Er wird wahrscheinlich doch nur mit der Unterstützung der Linken eine Regierungsmannschaft bilden können. Wenn ich es mir vorstelle, dass Sarah Wagenknecht eine wichtige Position, etwa als Außenministerin, erhält, dann wird die totale Linksausrichtung perfekt. Herr Schulz ließ sich in Berlin im Willy-Brandt-Haus mit der übermächtigen Figur des einstigen SPD-Kanzlers im Hintergrund von seinen Genossen bejubeln. Herr Gabriel hat ihm ein Porträt von jenem zum Empfang bereits geschenkt. Da muss ich fragen: Geht es der SPD nur um die Wiedererstarkung der Partei oder geht es um das Wohl des deutschen Volkes? Sollen nur die Genossen bedient werden? Ja, eines könnte den Kandidaten ehren, wenn er endlich das Millionen-oder bald Milliardengrab des Berliner Flughafens, der nach dem großen SPD-Kanzler benannt ist, erfolgreich besiegeln würde! Das würde viele Steuerzahler erfreuen. Aber kein Wort kommt ihm da über die Lippen! Lieber soll sich Brandt im Grabe noch umdrehen und des Jubels in seinem Haus schämen!

 Helmut Kissel Pastor i. R., Bad Tölz

Wenn in einem christlich geprägten Land wie Deutschland (und ganz Europa) ein Mann, der in der Öffentlichkeit das christliche Symbol des Kreuzes entfernen möchte, dann müsste er - was leider rechtlich nicht möglich ist - umgehend des Landes verwiesen werden. Dieser Unsympath möchte auch noch Bundeskanzler werden. Wenn die SPD keinen besseren Kandidaten hat, dann kann man nur noch sagen: armes Deutschland, Bei der SPD ist Charakter scheinbar Glückssache!! Sollte in einem muslimischen Staat jemand auf die Idee kommen, den Koran in der Öffentlichkeit zu entfernen, bräuchte er sich für seine Zukunft keine Sorgen machen, denn er würde den nächsten Tag mit Sicherheit nicht mehr erleben. Nebenbei bemerkt: viele meiner Bekannten denken genauso. 

Johann Ott Holzkirchen

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