Pro und contra Schulz

Schulz will Kanzlerin entmachten; Leserbriefe 6. Februar

Wenn man die überwiegende Anzahl der Leserbriefe zu dieser Überschrift liest, müsste man zwangsweise zu der Überzeugung gelangen, dass fast ganz Deutschland bzw. auch Bayern auf dem rechten Auge blind zu sein scheint. An Herrn Schulz wird überwiegend kein gutes Haar gelassen, ob als Präsident des Europaparlamentes als auch seines persönlichen Aufstiegs. Es wird in allen Kisten gekramt, um nur irgendetwas zu finden, um diesen Mann zu diskreditieren. Schulz besitzt eine gehörige Menge an Durchsetzungskraft und eisernen Willen. Außerdem bringt er ein beträchtliches Maß an Europa-Erfahrung mit, die für einen Kanzler nicht unerheblich sein dürfte. Die Bundesrepublik ist mit ehemaligen Kanzlerkandidaten der SPD so schlecht nicht gefahren (Willy Brandt, Helmut Schmidt). Wenn ich mir nur die letzten Jahre CDU/CSU-Kanzlerschaft Revue passieren lasse, fällt mir dazu das pausenlose Bekriegen in der Flüchtlingsdebatte zwischen Merkel und Seehofer ein, die zum Ende der Legislaturperiode in keiner Weise zufriedenstellend gelöst ist, bei der Maut-Frage das gleiche Dilemma. Kurz vor Beginn des Wahlkampfes liegt man sich in den Armen, und die sonst so vehement diskutierte Obergrenze wird kaum noch erwähnt. Noch befinden wir uns Gott sei Dank in einer Demokratie und warum sollte Herrn Schulz, so er gewählt würde, nicht die Möglichkeit bekommen, es besser zu machen, wie jeder andere Kandidat auch. 

Georg Denk Polling 

Was hat dieser Mann zu bieten, außer lauthals zu verkündigen wie gut er ist und was er für das arbeitende Volk alles in Bewegung bringen wird. Dass man ihn als Held tituliert, weil er in den 70er-Jahren ein Alkoholiker war und nun trocken ist, ist wohl das Dümmste, was ich je gelesen habe. Was hat er den in Brüssel geleistet? Die Asylantenfrage wird er genau wie die Partei der Grünen nur mit unüberlegten unverantwortlichen Parolen argumentieren und die große Mehrheit des deutschen Volkes übergehen. Seine Ansicht westlicher und christlicher Werte mit Füßen zu treten und Kreuze nicht mehr zu dulden, zeigt doch, wo seine Politik hingehen soll. Sie hatten Recht, lieber Leser, wir haben nur noch die Wahl zwischen Cholera und Pest. 

Hildegard Nachtweyh Fischbachau

Stimmt, die SPD ist derzeit scheinbar auf Droge und viele Journalisten und Bürger mit ihr. Aber wen erstaunt das angesichts der tief verwurzelten deutschen Sehnsucht, jemanden bejubeln zu können - man denke nur an Obamas Antrittsbesuch in Berlin. Martin Schulz ist meiner Ansicht nach ein Mann, der stets zu wissen glaubt, was richtig und was falsch ist. 2014 versprach er, - sollte er Kommissionspräsident werden - die EZB aufzufordern, von ihrer Finanzpolitik Abstand zu nehmen. Kommissionspräsident wurde er nicht, dennoch wäre es interessant, zu erfahren, ob er tatsächlich meinte, Draghi zu einer geldpolitischen Kehrtwende veranlassen zu können? Wenn ja, deutet dies ebenso auf eine ausgeprägte Selbstüberschätzung hin, wie die Überzeugung, seine kleinstädtische Bürgermeister-Erfahrung reiche aus, um in einer überaus komplizierten, globalisierten Welt innen- wie außenpolitische Probleme zu lösen. Zugegeben, rhetorisch ist er Angela Merkel überlegen, nicht jedoch was Diplomatie und Disziplin anbetrifft: Als Kanzlerkandidat Trumps Wahlkampf eine Niedertracht zu nennen, die ihm (Schulz) den Atem verschlägt (aktuelles Spiegel-Interview) mag berechtigt sein, lässt jedoch auf einen Mangel an politischer Weitsicht schließen, da dergleichen Äußerungen einer Entspannung der mittlerweile ohnehin etwas prekären Beziehung zwischen Deutschland und Amerika in keiner Weise förderlich sind. Der amerikanische Präsident ist ein nachtragender Mensch, mit dieser Aussage dürfte Schulz, sollte er Kanzler werden, es schwer haben, mit Trump in einen konstruktiven Dialog zu gelangen. Und zu glauben, wir könnten auch ohne Amerika, ist eine realitätsferne Denkungsweise. Aber es ist nun mal so, viele verunsicherte und enttäuschte SPD- Wähler sehen in Martin Schulz den ersehnten Heilsbringer, der nichts falsch machen kann. Ich persönlich sehe in ihm einen Karrieristen, welcher mit Juncker um Posten klüngelte und von diesem für seine beinahe unterwürfige Ergebenheit mit - nicht eingehaltenen - Versprechen, Sympathie-Bekundungen, Küsschen auf die Stirne und Umarmungen belohnt wurde. 

Annemarie Fischer Wielenbach

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