Die Menschen verlieren ihre Heimat

Was ist das für ein Recht, das da gesprochen wird? Da entscheidet eine Regierung, dass ein Unternehmen (FMG) etwas bauen darf, auf einem Land, das ihm gar nicht gehört.

Was sind das für Politiker, die einem Unternehmen eine Baugenehmigung auf ein fremdes Grundstück geben? Da sollen Menschen umgesiedelt und vielleicht sogar enteignet werden. Den Massentourismus abzufertigen, wird über das Recht auf Heimat und eigenen Grund und Boden gestellt. Mit einem Recht, dem die Bewohner dieser Region rechtlos gegenüberstehen. Denn in den anstehenden Gerichtsverhandlungen wird Wohnrecht und Heimat keine Rolle spielen. Die Richter müssen nach Gesetzen entscheiden, die Politiker nach ihrem Gutdünken zurechtgeschnitzt haben. Und wenn es nicht passt, wird es eben ganz schnell geändert. Im Namen des Volkes. Eigentlich müsste es „Im Namen der Politik“ heißen. Horst Tippelt München

Wir haben von 1969 bis 1988 drei Kilometer westlich (Luftlinie) der Riemer Startbahn in Trudering gewohnt. Dort war es wirklich laut. Seit drei Jahren wohnen wir in der Altstadt von Freising. Hier hören wir nur gelegentlich etwas. Das Geräusch und die Lautstärke der Flieger hat sich zum Positiven geändert. Der Protest vieler Freisinger ist uns nicht vermittelbar. In Attaching und anderen peripheren Orten ist das anders, in Freising stört es wenig. Es werden sicher viele Menschen in den An - und Abflug-Korridoren belästigt, aber unter dem Strich sollte man die Herausforderungen der Zukunft und die wirtschaftlichen Notwendigkeiten und unsere Wettbewerbsfähigkeit nicht blockieren. Gestritten worden ist genug. Jetzt gilt es, die Emotionen abzubauen und das Beste für die Betroffenen zu erreichen. Bert Kegel Freising

Es ist ein bodenloser Skandal, wie hier Lobbypolitik mit dem Brecheisen gemacht wird und 90 000 berechtigte Einwendungen weggewischt werden. Mit fadenscheinigen Argumenten und zum Teil sogar gezielt falschen Zahlen und Angaben werden die Menschen darüber hinweggetäuscht, dass es im Fall der 3. Startbahn nicht um einen konkreten Bedarf geht, sondern um eine politisch äußerst zweifelhafte Gefälligkeit der Staatsregierung an die Lufthansa und die FMG, die davon träumt, den Flugverkehr der Welt zwischen Freising und Erding abzuwickeln. Dafür wird eine ganze bayerische Region unter Lärm und Dreck begraben. Umweltschutz, Verrringerung des CO2-Ausstosses und des Flächenverbrauchs – all die wählertauglich angekündigten Maßnahmen sind nur die leeren Versprechungen einer Staatsregierung, die mit einem an Größenwahn grenzenden Ehrgeiz permanent „Mir san Erster“ schreien will, koste es was es wolle. Und es kostet viel: es kostet den Steuerzahler riesige Summen, weil dem Flughafen mal schnell die massiven Schulden erlassen werden, es kostet an die 1000 Hektar bayerischer Landschaft, es kostet unzähligen Menschen die Heimat und die Gesundheit. Aber vor allem kostet es Vertrauen in die Politik, die ganz offensichtlich nicht mehr dem Volk dient, sondern dieses blindlings dem mittlerweile überholten Glauben an grenzenloses Wachstum opfert. Monika List Freising

Die Verkehrsanbindung der Region durch den Münchner Flughafen ist gegeben. Die paar Menschen, die von hier weg wollen oder hier hin wollen, sind im Vergleich zu Regionen wie Paris oder London vernachlässigbar. Ein Drehkreuz ist dagegen die künstliche Anhebung der Flugbewegungen ohne jede Verbesserung der Verkehrsanbindung der Region und ohne jede Auswirkung auf hiesige Unternehmen mit Ausnahme der FMG, die an Standzeiten und Start- und Landegebühren verdient und alles tun muss, um Steuer- und Zinszahlungen zu vermeiden. Die Umsteiger bringen Bayerns Wirtschaft nichts. Frustrierend ist es zu sehen, dass ein Plan ohne jeden Willen zum sachlichen Dialog abläuft. Da bleiben auch mal 100 Familien in Attaching auf der Strecke. Machtspiele um Geld für wenige. Stuttgart 21 lässt grüßen. Rudi Vogel Kirchdorf

Griechenland, Portugal, Italien und sogar die USA sind so gut wie pleite. Jetzt kommt die Nachricht, dass einem Unternehmen die Genehmigung erteilt wird, ein solches Wahnsinnsbauwerk zu bauen. Der Irrsinn kennt anscheinend keine Grenzen. Ich hätte sogar Schwarz-Gelb ein bisschen mehr Volksnähe zugetraut. Aber es wurde mal wieder für die Großkopferten entschieden. Doch es bleibt noch Hoffnung und die ist Grün – spätestens bei der nächsten Wahl heißt es dann endlich: Servus Lobbyismus! Ich freue mich darauf. Martin Falkenberg Berglern Die Regierung von Oberbayern hat den Bau der 3. Startbahn genehmigt. Und das, obwohl es im Jahr 2010 weniger Flugbewegungen gab als 2005. Dieser Rückgang liegt daran, dass die Fluggesellschaften immer größere Flugzeuge einsetzen. Diese Umstellung der Flugzeugflotten wird sich aus Effizienzgründen fortsetzen. Augenblicklich schätzt Dr. Kerkloh, Chef des Münchener Flughafens (FMG), die Kosten auf eine Milliarde Euro. Wohlgemerkt zum jetzigen Zeitpunkt. Ein Finanzkonzept hat Dr. Kerkloh nicht vorgelegt, lediglich die nicht belegte Aussage „Das Geld haben wir“. Interessant ist dabei das „Wir“. Denn der Flughafen gehört zu 100 Prozent der öffentlichen Hand. Bund, Bayern und Stadt München sind die Eigentümer. Und damit die Bürger. Dabei hat der Flughafen noch 500 Millionen Euro Altschulden bei den Eigentümern und baut gerade ein Satellitenterminal, das ihn weitere Millionen Euro kostet. Da kommt es gelegen, dass die Altschulden erstmal nicht an die Eigentümer zurückgezahlt werden müssen. Aber dafür spielt die FMG in der „Championsleague der europäischen Flughäfen“ mit. Laut dem bayerischen Finanzminister Fahrenschon „sind keine Darlehen der Gesellschafter vorgesehen“. Warum wird nicht gesetzlich festgelegt, dass die FMG keine Darlehen und keine Bürgschaften der öffentlichen Hand erhalten wird? Zwei Fragen stellen sich: Welches Großprojekt hat den geplanten Kostenrahmen eingehalten? Und zweitens, wenn die Kosten steigen, wer steht dafür gerade? Gerhard Schmidt Dachau

Der Aufschrei der Dachauer Bürger hält sich in Grenzen. Anscheinend stören die bereits jetzt zahlreich und oft sehr tieffliegenden Jets niemanden. Zuerst der genehmigte Ausbau des 2. Terminals mit einer absehbaren Kapazitätserweiterung um 30 Prozent. Die Erhöhung entspricht dem Verkehrsaufkommen des Flughafens Köln. Jetzt die beschlossene 3. Startbahn mit einer weiterhin signifikanten Steigerung der Starts und Landungen. Auch ein drittes Terminal wird nicht ausgeschlossen. Die Regierung spricht von zukünftig „erheblichen“ Mehrbelastungen infolge Fluglärms. In Kürze sollen 120 Starts und Landungen .pro Stunde erfolgen. Die Flugzeuge sind schon jetzt – nicht nur bei Ostwind – zahlreich und in greifbarer Nähe am Dachauer Himmel. Die Deutsche Flugsicherung spricht von einem Abstand zum Boden von mindestens 700 Metern. Dabei meint man oft, dem Piloten bei seinen Landevorbereitungen ins Seitenfenster sehen zu können. Aber Fakt ist: von „Dachau 21“ ist nicht viel zu spüren. Burkhard Wagner Dachau

Die 3. Startbahn. Es war uns allen klar, dass sie gebaut wird. Der Münchner Norden ist für alles gut, was negative Vorhaben betrifft. Die Steuereinnahmen werden dringend gebraucht. Natürlich müssen unsere Politiker beide Seiten betrachten. Die wirtschaftliche Seite und die der betroffenen Menschen. Jahrelang haben die Startbahngegner demonstriert und auf ihre Situation aufmerksam gemacht. Es interessiert keinen. So wie es keinen Verantwortlichen interessiert, wie viel Natur zerstört wird, wie viel Fläche zubetoniert wird, wie viele Menschen ihre Heimat verlieren oder deren Lebensqualität durch Lärm und Dreck zunichte gemacht wird. Wann wird unseren Politikern klar, welche Verantwortung sie für die Zukunft und die Schöpfung haben, dass Mensch und Natur geachtet werden müssen? Geld regiert die Welt! Elisabeth Forster Zolling

München bräuchte keine 3. Startbahn, wenn man auf der Schiene in relativ kurzer Zeit viele Großstädte bei uns wie im angrenzenden Ausland in flotten Zügen erreichen könnte. Aber diesbezüglich stellen politische Entscheidungsträger bei uns wie in der EU nur begrenzte Mitttel zur Verfügung. Hier gibt es kein Wachstumsbeschleunigungsgesetz. Noch immer wollen die etablierten Parteien von einer massiven Kerosinbesteuerung nicht viel wissen, so dass ein klimaschädigender Flug von München nach Mallorca billiger kommt als eine Bahnfahrt an die Ostsee. Mit einem entsprechenden Umsteuern in der Steuerpolik wäre auch dem Fremdenverkehr in deutschen Urlaubsgebieten gedient. Längst hätte der Flugzeugbenutzer mit Abgaben spürbarer belastet und der klimaschonende und energiesparende Bahnfahrer entlastet werden sollen. Doch Anzeichen eines Klimawandels lassen noch keinen Wandel in den tonangebenden Politikerköpfen erkennen. Für mich ist es ethisch und mit christlichen Wertvorstellungen unverantwortbar, wenn der Bund immer noch beim Ausbau eines modernen und klimaschonenden Bahnnetzes spart, aber schnell Gelder für neue Eurofighter locker macht. Schon mit einem geringen Teil des anstehenden Aufrüstungskapitals der europäischen Nato-Länder ließen sich neue Bahnlinien in die neuen osteuropäischen EU-Länder errichten, wodurch Langzeitarbeitsplätze entstehen könnten. Auf vielen Straßen könnte so der Lastverkehr reduziert und der Luftraum von schädlichen Kerosin-Abgasen entlastet werden. Simon Kirschner Gaimersheim

Das Vorgehen unserer Staatsregierung beweist deutlich, dass Recht und Gerechtigkeit nichts miteinander zu tun haben und eine komplette Abhängigkeit von bestimmten Wirtschaftsinteressen besteht, gekoppelt mit einem gestrichenen Maß an „Größenwahn“. Das Vorgehen zur Genehmigung der 3. Startbahn mag sogar legal sein, ist aber absolutes Unrecht. Hier werden mehr menschliche Existenzen geschädigt oder gar vernichtet, als sich in irgendwelchen Bilanzen der Wirtschaft niederschlägt. Würde man zum Beispiel nur auf einen kleinen Teil der völlig unnötigen Inlandsflüge verzichten, wären plötzlich Kapazitäten in jeder denkbaren Menge vorhanden. Würde man auf alle Subventionen für die Fliegerei verzichten und alle entstehenden Kosten verrechnen, würde sich auch wirtschaftlich nichts mehr positiv rechnen! Hans Pfleger Olching

Der Planfeststellungsbeschluss für die 3. Startbahn ist ein schönes Beispiel dafür, wie den Bürgern ein demokratisches Verfahren vorgegaukelt wird, sie aber letztendlich völlig ignoriert werden. Einwände wurden von der FMG mit Arroganz und mit Pauschalantworten abgefertigt und die Genehmigungsbehörde (Regierung von Oberbayern) hatte zu den Einwendungen scheinbar keine eigene Meinung. Hinweise auf falsche Angaben in den Unterlagen wurden bei dem Planfeststellungsbeschluss ignoriert. Die Politik muss sich nicht wundern, wenn die Politikverdrossenheit immer mehr Überhand nimmt. Ludwig Bauer Fahrenzhausen

„Umstrittener Ausbau des Flughafens“; Leserbriefe 28. Juli, „Fluglärm macht krank“; Leserbriefe 27. Juli

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