Nach Attentat: Ärger über Reaktionen

Attentäter noch auf der Flucht; Titelseite, Gefährliche Willkommenskultur; Leserbriefe und Georg Anastasiadis: Eine harte Probe; Kommentar 21. Dezember

Die nach der Untat in Berlin zu erwartenden Schnappatmer gen Frau Merkel mögen bitte einen Gang runterschalten: Missmanagement von demokratisch gewählten Regierungsverantwortlichen ist kein Straftatbestand. Solange Bundesanwaltschaft, Staatsschutz oder Kripo keinen Täter dingfest machen, mögen die Geiferer besser den Mond anheulen oder sich den Sudelmund mit Seife auswaschen. Merket: Hass macht Falten!

Rudolf G. Hörmandinger
Farchant

Sie schreiben, dass Herr Seehofer kurz nach dem entsetzlichen Anschlag in Berlin geäußert habe, man müsse jetzt „die gesamte Zuwanderungspolitik neu justieren“. Hat er ja schon öfter gesagt. Aber jetzt, im Angesicht des Schreckens, offensichtlich populistische Wahlkampf-Rhetorik gegen Frau Merkel zu benutzen, das ist schäbig, schändlich, und ich meine auch schädlich für die Gesamt-Union so kurz vor der Wahl.

Die Leserbriefe zu dem Thema waren zwar zu erwarten, rufen aber bei mir nur Gruseln und Erschrecken hervor: Frau Merkel sei schuld an der Fluchtwelle. Nicht schuld sollen die Verbrecher in Regierungs- und Rebellenkreisen der Herkunftsländer sein, die ihre Landsleute zu Hunderttausenden in die Flucht treiben, nicht schuldig die verbrecherischen Schlepper, die Menschen mit falschen Versprechungen für horrendes Geld in eine ungewisse, gefährliche Zukunft locken? Keine Schuld an der Situation haben die Balkanländer, die vor dem unfassbaren Andrang verzweifelter Menschen schließlich kapituliert und die Passage „auf Durchzug“ gestellt haben? Und keine Schuld haben schließlich die Massenmörder des IS, die auch daheim Menschen als Schutzschilde missbrauchen, wenn sie den Flüchtlingsstrom zur Tarnung eigener Killer nutzen?

Die Opfer des Terrors und ihre Angehörigen tun mir unendlich leid. Ich hoffe nur, dass der feige Mörder rasch gefunden wird. Wird die Bundeskanzlerin demnächst auch für Erdbeben und Vulkanausbrüche verantwortlich gemacht?

Dr. Ulf-H. Knabe
Weilheim


So schrecklich solche Anschläge auch sind, wer die Schuld der Politik dafür gibt, der bestraft nun nicht die Politiker sondern die überwiegende Mehrheit an Flüchtlingen, die selbst vor diesem Terror geflüchtet sind und hier in unserem Lande Schutz gesucht haben. Und alle Parteien, auch die jüngeren, wären verpflichtet, Kriegsflüchtlinge zum Beispiel aus Syrien aufzunehmen.

Es ist mehr schändlich von Politikern, in der Not der Opfer nun politisches Kapital daraus schlagen zu wollen, wo man selbst nie garantieren kann, dass es bei der eigenen Regierungsbeteiligung hundertprozentige Sicherheit geben würde. Und dies auch schon voranzutreiben, bevor nicht mal alle Fakten geklärt sind und die Familien der Opfer und der Verletzten diese teuflische Tat überhaupt verarbeiten konnten.

Olaf Zander
Egenhofen


Der fundamentalistische Islam bedroht die Christen und die christlichen Länder. Wären sich alle Länder einig im Kampf gegen den IS, hätte er keine Macht. Der IS benötigt Geld, Waffen, Munition, Fahrzeuge, Treibstoff, Nahrungsmittel, Kommunikationseinrichtungen u.v.a. Die Einigkeit wird es kurz- bis mittelfristig jedoch nicht geben, weil viele wohlhabende islamische Fundamentalisten und Staaten den IS unterstützen.

Frau Merkel glaubt, die deutschen Bürger davon überzeugen zu können, dass die von ihr gewollte unkontrollierte Masseneinwanderung von Menschen islamischen Glaubens nichts mit den Anschlägen zu tun hat. Bei der Bundestagswahl 2017 werden die Bürger abstimmen, ob sie ihrer Meinung sind. Selbstverständlich handelt es sich überwiegend nicht um islamische Fundamentalisten. Jedoch reichen schon ein Prozent.

Dieter Lewig
Holzkirchen


Diese täglichen Leserbriefe sind für einen denkenden Menschen unerträglich... einerseits die weihnachtliche Gefühlsduselei, andererseits die völlig einseitige Haftbarmachung von Frau Merkels empathischer Flüchtlingspolitik, die die AfD natürlich sofort für sich „aus“nutzen will! Also armes Deutschland!

Franz-Josef Müller
München


Ich bin nicht immer einverstanden mit den Kommentaren von Herrn Anastasiadis. Diesmal allerdings trifft er- durchaus kritisch aber besonnen den Nagel auf den Kopf. Insbesondere wenn er schreibt, dass sich Frau Merkel keine Illusionen macht bezüglich der Tatsache, dass es „widerwärtig“ wäre, wären der/die Täter von Berlin in Deutschland schutzsuchende Personen. Es wäre in der Tat nicht auszudenken. Bravo zu seinem Schlusssatz: „Wir sollten jenen, die unserer freien Gesellschaft Böses wollen, diesen Gefallen nicht tun.“

Weniger besonnen, ja ekelhaft, unfassbar und widerlich sind Äußerungen von AfD-Verantwortlichen, die Toten von Berlin zu Merkels Toten zu machen, um daraus politisches Kapital zu schlagen. Oder wenn sich Leserbriefschreiber die Bundeskanzlerin wegen „krimineller Grenzöffnung“ hinter Gitter wünschen. Zeitlich unangebracht war aus meiner Sicht auch die Bemerkung von Herrn Seehofer, wenn er während seiner Trauerbekundung auf Konfrontation zu Merkel geht – „die Zuwanderungs- und Sicherheitspolitik zu überdenken und neu zu justieren“. Man sollte sich den Philosophen Camus hinter die Ohren schreiben: „Wer keinen Charakter hat, muss sich wohl oder übel eine Methode zulegen.“

Klaus Tappe
Mittenwald


Wie verantwortungsvoll geht ein Leser mit der Meinungsfreiheit um, wenn er fordert: „Sie gehört längst hinter Gitter“ – womit er Frau Merkel als Kanzlerin unserer Republik trifft? Zumal sich obendrein auch noch herausstellt, dass der ursprünglich der Tat verdächtigte Pakistaner nun nicht weiter verdächtigt wird und außerdem die Terror-Organisation IS die sogenannte „Verantwortung“ übernimmt! Eine andere Herabsetzung ist: „... diese heuchlerische Trauer und Mitleidsbekundungen von Merkel, Gabriel und Co.“. Das Attribut „heuchlerisch“ besagt doch – nach meiner (freiheitlichen) Meinung – dass diese die Mord-Aktion billigend in Kauf genommen hätten – oder? Wenn eine solche Polemik eine weitere Polemik wert wäre, würde ich die zitierten Leserbriefschreiber fragen: Wenn mich morgen der Briefträger bei Übergabe eines Einschreibens erschießen würde, könnte ich dann die Deutsche Bundespost dafür verantwortlich machen?

Hans Jürgen Menge
Rottach-Egern


Mit Entsetzen habe ich am Tag nach dem grausamen Anschlag von Berlin die Reaktion der CSU vernommen. Während ganz Deutschland mit den Angehörigen der Toten und Verletzten trauert, nutzten Herr Seehofer und Herr Söder die Ereignisse, um ihrer Forderung nach einer verschärften Flüchtlingspolitik Nachdruck zu verleihen. Man mag zur Flüchtlingspolitik der Bundesregierung stehen, wie man will; derartige Forderungen jedoch direkt nach dem Anschlag und zu einer Zeit, zu der einige Betroffene noch um ihr Leben kämpfen, zu erheben, ist nicht nur ein politischer Fauxpas, sondern pietätlos und schlichtweg unverschämt. Noch dazu, da sich der Täter weiterhin auf freiem Fuß befindet und keinerlei Beweis für die Beteiligung eines Flüchtlings vorliegt.

Die führenden Herren in der CSU sollten sich einmal Gedanken machen, ob sie wirklich für die christlichen Werte stehen, die für die Partei eine solch große Bedeutung haben, dass sie sogar im Namen geführt werden. Und steht nicht an erster Stelle in unserer Verfassung geschrieben, dass die Würde des Menschen unantastbar ist? Mit ihren Äußerungen treten sie die Würde der Opfer, ihrer Angehörigen und auch der Flüchtlinge mit Füßen.

Es scheint immer häufiger, dass das Fischen nach Wählerstimmen am rechten Rand wichtiger wird als pietätvolle Politik. In Zeiten wie diesen, bei Äußerungen wie diesen, trifft es mich sehr, dass der größte Unterschied zwischen der Partei, die seit Jahrzehnten den Freistaat Bayern regiert, und der rechtspopulistischen AfD nicht mehr in Inhalten, sondern lediglich im Parteibuch besteht. Die CSU setzt damit ein ganz schlimmes Signal, wie es derzeit um die politische Kultur in unserem Land bestellt ist.

Markus Pilster
München


Ihr Kommentar ist wie immer treffend. Aber dieser übertrifft alle bisherigen. So treffend wie Sie hat noch niemand die Stimmung in der Bundesrepublik beschrieben. Das war ein Stoß ins Herz – man kann über christliche Gebräuche denken oder fühlen wie man will, aber Tradition ist Kultur und Weihnachten gehört nunmal zu den schönsten und besten. Es ist gelebte Familie und die Adventszeit und ihre Märkte sind mittlerweile auch in anderen Ländern gebräuchlich. Ich erlebe das jedes Jahr in Spanien.

Es ist an der Zeit, dass die Bundesregierung eine andere Gangart zur Flüchtlingspolitik einschlägt. Auch ohne Rücksichtnahme der Oppositionsparteien, das mag nicht demokratisch klingen – aber es ist Fakt. Wenn unsere Wahlen nächstes Jahr ein vernünftiges Ergebnis bringen sollen, dann müssen klare Linien herrschen. Deutliche Worte, nachvollziehbare Ergebnisse vorhanden sein und zwar für jedermann verständliche. Das, was Frau Merkel und die CDU in letzter Zeit brachten, ist lachhaft.

Josef Knauer
Heimstetten


Es ist nicht mehr zu ertragen, wie keine 24 Stunden nach dem verheerenden Anschlag Anschuldigungen in die Welt hineingeworfen werden, ohne dass der Hintergrund und die Schuldfrage des Täters/der Täter klar und eindeutig belegt ist. Das betrifft vor allem die Egoisten und Besserwisser wie die Damen und Herren der AfD und auch unseren Ministerpräsidenten in Bayern. Auf dem Rücken der Opfer sein Ego aufzubauen und zu stärken, ist einfach schäbig. Schuld sind immer nur die anderen – armes Deutschland.

Jörg Sczesny
Maisach


Nach jedem Terroranschlag oder einem anderen Verbrechen durch Flüchtlinge geistert das Schlagwort „offene Gesellschaft“ durch die Köpfe der Politiker oder durch die Medien. „Wir wollen doch trotz dieser Vorkommnisse eine offene Gesellschaft bleiben“ hört man. Ich kann das nicht mehr hören. Wir sind doch seit 2015 die offenste Gesellschaft in Europa. Haben doch Hunderttausende unregistrierte Menschen ins Land gelassen und sie auch noch herzlichst empfangen. Auch heute noch. Jetzt, wo auch die damaligen Gutmenschen diesen Fehler erkennen, wird von diesen die Lage beschwichtigt. Wenn Herr Seehofer dann sagt, die Flüchtlingspolitik und Zuwanderung müsse neu überdacht werden, kommt wieder von den Gutmenschen und Politikern Kritik. Vielleicht war die Äußerung einen Tag zu früh, aber er hat Recht. Die ganzen Trauerbekundungen allein der Politiker nach diesem schrecklichen Anschlag helfen den bemitleidenswerten Angehörigen auch nicht mehr, aber man kann wenigstens durch Umdenken die Zukunft unseres Volkes sicherer machen.

Gerhard Schütz
Baldham


Nun reden sie wieder, unsere Politiker, bedauern und schwören uns darauf ein, unseren freien Lebensstil nicht zu ändern. Hört auf mit der Rederei, handelt endlich. Kümmert euch darum zu wissen, wer in unserem Land ist. Schickt alle, die sich nicht an unsere Regeln und vor allem Gesetze halten, zurück dahin, wo sie herkommen. Und schickt alle, die kein Bleiberecht haben, nach Hause, und zwar sofort. Hört auf, Waffen an Länder wie Saudi Arabien zu liefern, über die diese dann bei den Terrormilizen landen. Und nehmt endlich auch die USA in die Pflicht, denn die tragen großen Anteil daran, dass die Welt aus den Fugen geraten ist. Natürlich wird man dann immer noch keine hundertprozentige Sicherheit haben, doch man minimiert die Risiken, man wendet Schaden vom Volk ab. Und darauf habt ihr schließlich einen Eid geschworen.

Bernhard Fritz
Lauterbach

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