Oberstufe ist nicht einfach

„Ärger über das G 8“; Leserbriefe 30. Dezember

„Auch die alte Kollegstufe des G 9-Jahrganges konnte bereits erste Erfahrungen mit den neuen G8-lern sammeln: So sind die sonst so ruhigen Schulen am Nachmittag überfüllt mit lauten Schülern, das Kollegstufenzimmer ist voll von Q11-lern und der einzig ruhige Ort ist mittlerweile die gut besuchte Bücherei geworden. Das sind die vorerst offensichtlichen Veränderungen, die jeder sehen kann. Denn auch ein G 9-er hat bis zu vier Tagen in der Woche Nachmittagunterricht, fünf Tage sogar wenn man ein Wahlfach gewählt hat. Dass aber der letzte G 9-Jahrgang auch benachteiligt ist, wird oft unter den Tisch gekehrt. Klausuren werden früher als normal geschrieben und in wesentlich kürzeren Abständen. Beispielsweise wurden an meiner Schule bereits alle Klausuren für dieses Halbjahr vor die Weihnachtsferien verlegt, was nach Lehrern noch nie der Fall gewesen wäre. Ebenso müssen die Facharbeiten (gehen mit 25 % in die Endnote ein) viel früher abgegeben werden. Das heißt, man muss sich bereits im Januar verbindlich für ein Thema festlegen. Viele wussten bis vor den Ferien noch nicht in welchem Fach sie schreiben sollen oder wie eine Facharbeit überhaupt auszusehen hat. Und warum das alles? Der letzte G 9-Jahrgang schreibt das so-genannte vorgezogene Abitur. Trotz der verkürzten Zeit wird jedoch nichts an der Anzahl der Klausuren oder Stegreifaufgaben geändert. Nur Stoff (der laut Lehrer sowieso selten bis nie behandelt wurde) soll gestrichen werden. Dadurch soll es möglich sein bereits im Sommersemester ins Studium einzusteigen, jedoch beginnen immer noch viele Studiengänge im Winter. Ich möchte nicht behaupten, das G 8 hätte es leicht, nur sollte der letzte G 9-Jahrgang auch nicht vergessen werden. Keiner hat je behauptet die Oberstufe sei einfach, auch wenn man sich bis zur 10. bzw. 11. Klasse mit wenig Aufwand gut durchschlagen konnte. Dennoch war es schon immer bekannt, dass ein Gymnasium anspruchvoll ist, sowohl den Lernstoff betreffend als auch vom Lernaufwand.“

 Christine Bauer K12, Neuching



„Das achtjährige Gymnasium hat den Schulen sehr gute, neue Schulbücher, gerade auch in Mathematik und Naturwissenschaften, beschert. Das war auch dringend notwendig, denn die alten Bücher konnten die Stoffmenge, die nun jedes Schuljahr gefordert wird, nicht abbilden. Noch gibt es Eltern, die Kinder in beiden Gymnasialarten haben, die sehr wohl vergleichen können. Ich empfinde es als Arroganz uns Eltern vorzuwerfen, wir würden uns in die schulische Erziehung ,einmischen‘. Ich denke sogar, wir haben die Pflicht auf Missstände hinzuweisen. Würde ein Lehrling diesem Arbeitsstress ausgesetzt sein, gäbe es Gewerkschaften, die mit Hinweis auf Jugendarbeitsrecht dem Treiben ein Ende bereiten würden. Schüler haben nur ihre Eltern, die die Stimme für sie erheben können. Wir Eltern haben zum Teil selber Abitur gemacht und ein Studium beendet, um hier kompetent mitreden zu können. Die Ursache des Übels liegt in der bildungspolitischen Kleinstaaterei in der Bundesrepublik. Nicht jedes Bundesland legt die Kriterien, die Allgemeinbildung definieren, so hoch an wie Bayern. Kaum ein Bundesland kennt die unangekündigten Exen, die jeden Schultag einen 100 % vorbereiteten Schüler verlangen. Das G 8 kann man im Jahre sechs nicht mehr abschaffen, aber man kann sehr wohl fordern, dass die Benotungskriterien geändert werden.“

 Regina Schüffner Altomünster

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